Kapellari: Kritik an Sakrileg
Den Trend der letzten Jahrzehnte, "Kirchengeschichte als Kriminalgeschichte darzustellen", hatte "Medien-Bischof" Egon Kapellari zuletzt in der "Wiener Zeitung" im Blick auf Film "Sakrileg" kritisiert. Manche Autoren hätten entdeckt, "dass sich ein gutes Geschäft machen lässt, wenn man ohne Rücksicht auf Tatsachen auch kirchliche Themen behandelt", so der Grazer Bischof. Gerade das Heilige und Mystische in der katholischen Kirche und auch im Vatikan lasse sich "vermischt mit schwarzen Legenden" gut verkaufen, "weil das Publikum weithin wenig über die Kirche und den katholischen Glauben weiß". Der US-Autor Dan Brown habe dies mit seinem 45 Millionen Mal verkauften Roman "geschäftstüchtig genützt".
Die "gerechtfertigte Entrüstung über solche Literatur" kann nach den Worten Kapellaris ungewollt einen Werbeeffekt erzeugen. "Ganz ignorieren kann und soll man sie trotzdem nicht", meinte der Bischof: "Am besten sind unaufgeregte Tatsachenfeststellungen."
Die Diözese Graz-Seckau hat dieser Tage "Anmerkungen zu Dan Browns 'Sakrileg'" anlässlich der Verfilmung des Bestsellers herausgegeben, die am 19. Mai in die österreichischen Kinos kommt. Mehrere im Roman des US-Autors aufgestellte Behauptungen werden in dem Folder abseits jeder Polemik und theologisch fundiert zurechtgerückt. Der Text ist unter www.Graz-seckau.at/sakrileg im Internet abrufbar.
Mit "Sakrileg" kommt einer der meistverkauften, aber auch umstrittensten zeitgenössischen Romane in die Kinos. Das Buch ist in 44 Sprachen übersetzt und weltweit millionenfach verkauft worden. Produziert wurde der Film von Oscar-Preisträger Brian Grazer und John Calley, ein hochkarätiges Schauspielerensemble ist am Werk: In den Hauptrollen sind der zweifache Oscar-Preisträger Tom Hanks, Audrey Tautou, Ian McKellen, Alfred Molina und Jean Reno zu sehen.
"Sakrileg" beginnt mit einem spektakulären Mord im Louvre. Alle Indizien weisen auf eine geheime religiöse Organisation hin, die alles daransetzt, ein seit 2.000 Jahren gehütetes Geheimnis zu beschützen, das geeignet sei, den bestehenden christlichen Glauben in seinen Grundfesten zu erschüttern, wie es in dem Film heißt. Im Laufe der Handlung werden provokante Theorien aufgestellt: Jesus sei mit Maria Magdalena verheiratet gewesen, die Nachkommen der beiden würden noch heute in Frankreich leben. Der heilige Gral wird von Brown als der weibliche Mutterschoß interpretiert. Er wäre demnach keine Schrift oder ein archäologischer Gegenstand, sondern vielmehr ein Symbol für die Verehrung der Fähigkeit der Frau, Leben hervorzubringen.
"Sakrileg" erhebt den Anspruch, historische Fakten mit Fiktion zu verknüpfen. Die daraus resultierenden Thesen des Autors sind sowohl von Seiten der christlichen Kirchen als auch von nichtkirchlicher Seite stark kritisiert worden.
Diözesen Innsbruck und Gurk laden zu Diskussion
Die Diözesen Innsbruck und Gurk-Klagenfurt nehmen den Kinostart von "Sakrileg" zum Anlass für Diskussionen, an denen alle an sachlicher Hintergrund-Information Interessierte teilnehmen können: Im Innsbrucker Metropol-Kino (Innstraße 5) diskutieren am Montag, 22. Mai, um 20.15 Uhr Roman Siebenrock (Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät Innsbruck), Susanne Kummer (Journalistin und Opus-Dei-Mitglied), Irene Heiss (Kulturredakteurin der "Tiroler Tageszeitung") und Peter Angerer (Filmkritiker der "Tiroler Tageszeitung"). Vor der Diskussionsveranstaltung kann man um 17.30 Uhr den Film anschauen.
Im "Cineplexx" Villach (Maria Gailer Straße 39) gibt es bereits am Freitag, 19. Mai, um 20.30 Uhr Gelegenheit, Film und Podiumsdiskussion zu verbinden. Das Gespräch mit einer Expertenrunde leitet der Herausgeber der Kärntner Kirchenzeitung "Sonntag", Peter Allmaier.