Militärseelsorge veranstaltet Seminare rund um Thema Astronomie - Bischofsvikar Freistetter: "Astronomie lehrt Staunen vor der Schöpfung Gottes"
Wien (Katholisch.at) Wissenschaft und Glaube sind keine Gegensätze, sondern sie ergänzen sich produktiv - dies möchte die österreichische Militärseelsorge durch ihre aktive Beteiligung am "Internationalen Jahr der Astronomie" zum Ausdruck bringen, das am Donnerstag in der Pariser UNESCO-Zentrale eröffnet wird. Im Zentrum der Aktivitäten stehen dabei drei mehrtätige Seminare für Angehörige des österreichischen Bundesheeres im April, September und November, die das Verhältnis von Glauben und Religion ausloten wollen. Organisiert werden die Veranstaltungen vom "Institut für Religion und Frieden" (IRF) sowie vom Militärordinariat. Koordiniert werden die Veranstaltungen vom oberösterreichischen Militärpfarrer Stefan Gugerel.
Vom 14. bis 16. April findet in der Linzer Hiller-Kaserne ein Seminar zum Thema "Ethik im Weltraum?" statt. Dabei sollen Themen wie die Raketenentwicklung, der Rüstungswettlauf sowie die Frage eines humanitären Völkerrechts diskutiert werden. Vorgesehen ist außerdem eine Exkursion in das KZ-Nebenlager Redl-Zipf sein, wo im Zweiten Weltkrieg Raketen gefertigt und getestet wurden.
Das zweite Seminar findet unter dem Titel "Astronomie und Gott?" vom 8. bis 10. September in Wien statt. Dabei sollen Fragen des religiösen Umgangs mit astronomischen Beobachtungen von der Antike bis heute sowie prominente Beispiele der Auseinandersetzung wie etwa der "Fall Galilei" diskutiert werden. Vorgesehen ist außerdem ein Besuch der Sternwarte in Wien.
Den Abschluss bildet schließlich das Seminar "Star Trek für Auslandseinsätze" vom 17. bis 19. November in Wien. Im Zentrum stehen dabei Gedankenspiele zur zukünftigen Fortentwicklung der Astronomie am Beispiel von Literatur und Film.
Werner: "Universale Dimension des Glaubens"
Militärbischof Christian Werner wies bei der Präsentation des Jahresprogramms der Militärdiözese in der Landesverteidigungsakademie in Wien auf den engen Zusammenhang von Astronomie und Glauben hin. Die Bibel kenne zahlreiche astronomische Phänomene, so Werner, die jedoch nicht als Widerspruch zum Glauben verstanden werden, sondern der Darlegung der "universalen Dimension des Glaubens" dienen.
Der Leiter des Instituts für Religion und Frieden, Bischofsvikar Werner Freistetter, betonte bei der Präsentation, dass die Astronomie "das Staunen vor der Schöpfung Gottes lehrt". Indem die Astronomie die Schönheit und Komplexität des Universums sichtbar macht, setze sie zugleich einen Hinweis auf den Schöpfergott, so Freistetter.
Außerdem weise auch die Bibel "zahlreiche Berührungspunkte" zwischen Astronomie und Glauben auf, wie etwa den Bericht von der Sonnenfinsternis beim Tod Jesu, die Erzählung der Sterndeuter, die sich - einem Stern folgend - auf den Weg nach Bethlehem gemacht haben, sowie die Offenbarung des Johannes, die voller astronomischer Zeichen sei.
Das besondere des biblischen Umgangs mit diesen astronomischen Zeichen liege laut Freistetter darin, dass die Bibel die Sterne "entmythologisiert". "In einer Zeit, in der die Sterne zum Teil als Götter verehrt wurden oder als Künder von schweren Zeiten, lehrt die Bibel einen rationaleren Blick auf die Himmelsphänomene", so Freistetter, da es der transzendente Gott sei, von dem alle Macht ausgehe, nicht jedoch ein astronomisches Phänomen.
Weiters erinnerte Freistetter an die Aussagen Papst Benedikts XVI. zum Zusammenhang von Religion und Astronomie. So habe der Papst etwa beim Angelus am 21. Dezember, dem Tag der Wintersonnenwende, auf die hohe Bedeutung astronomischer Erkenntnisse für die Kirche hingewiesen. Die Nähe von Kirche und Astronomie könne auch ganz pragmatisch am Obelisken in der Mitte des Petersplatzes abgelesen werden. Dieser Stand zunächst im Zirkus des Nero und wurde schließlich 1586 auf dem Petersplatz aufgestellt, wo er seitdem auch die Funktion einer Sonnenuhr übernimmt, die die Gebetszeiten anzeigt.
Veranstaltungen in ganz Österreich
Der Koordinator für das Astronomie-Jahr in Österreich, Thomas Posch, informierte bei der Präsentation in der Landesverteidigungsakademie über weitere Veranstaltungen in ganz Österreich. Insgesamt wird es österreichweit mehr als 300 Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem Astronomie-Jahr geben.
In Österreich findet die offizielle Eröffnung des Jahres am 20. Jänner um 17 Uhr durch Wissenschaftsminister Johannes Hahn in Wien statt. Am 4. April wird außerdem ein "österreichweiter Astronomietag" stattfinden, bei dem über den Stand der wissenschaftlichen Astronomie informiert wird, so Posch. (Weitere Informationen im Internet: www.astronomie2009.at)
Intensive Beteiligung des Vatikan
Der Vatikan wird sich ebenfalls intensiv am Astronomie-Jahr beteiligen. So hat die vatikanische Sternwarte für Oktober eine Ausstellung über Galilei und die Anfänge der Astronomie im 17. Jahrhundert angekündigt. Bereits im Juni veranstaltet die Päpstliche Sternwarte ein internationales Symposion über die Rolle der Astronomie in der Gesellschaft. Die einwöchige Fachtagung richtet sich an Absolventen der seit 1986 in Castel Gandolfo stattfindenden Sommerakademien für Nachwuchswissenschaftler der Astrophysik.
Dass der Vatikan sich auch an der wissenschaftlichen Erforschung des Weltalls beteiligt, wird nicht zuletzt darin sichtbar, dass der Vatikan mit seiner 1891 von Papst Leo XIII. gegründeten Sternwarte eine der ältesten astronomischen Forschungseinrichtungen der Welt unterhält. Sitz der Sternwarte ist heute Castel Gandolfo. Demnächst sollen die Büros, die Bibliothek und die Jesuitenkommunität der Päpstlichen Sternwarte in neue Gebäude am Ufer des Albaner Sees verlegt werden.
Darüber hinaus gibt es jedoch auch eine Außenstelle im US-Bundesstaat Arizona. Das dortige "Vatican advanced technology telescope" dient insbesondere der Erforschung von "dunkler Materie" sowie der Entdeckung von Supernovas und anderen kosmischen Ereignissen.
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2009 zum Internationalen Jahr der Astronomie ausgerufen. Vor 400 Jahren veröffentlichte Johannes Kepler sein Buch "Astronomia nova", und Galileo Galilei richtete das eben erfundene Fernrohr in den Himmel und leitete damit eine Revolution in der Astronomie ein.