Papst Benedikt gratuliert dem neuen Patriarchen Kyrill
Metropolit Kyrill von Smolensk setzte sich in Stichwahl klar durch. Er folgt damit dem im Dezember 2008 verstorbenen Alexij II.
Image (img4) invalid or missing |
||
|
Der neue Patriarch Kyrill I.
|
Moskau, 27.1.09 (Katholisch.at) Der neue Patriarch von Moskau ist Kyrill I., bisher Metropolit von Smolensk. Ein Landeskonzil aus Bischöfen, Geistlichen, Mönchen und Laien wählte ihn am Dienstag in der Moskauer Erlöserkathedrale mit großer Mehrheit zum neuen Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche. Patriarch Kyrill tritt die Nachfolge des im Dezember verstorbenen Aleksij II. (1990-2008) an. Die feierliche Amtseinführung des neuen Patriarchen ist für Sonntag, 1. Februar, vorgesehen. Vor der Erlöserkathedrale hatten tausende Menschen auf die Kür des neuen Patriarchen gewartet. Die umliegenden Straßen waren für den Verkehr gesperrt. Die Glocken der Erlöserkathedrale gaben die Wahl des neuen Patriarchen mit 16 schweren Glockenschlägen bekannt. Nach Angaben der Wahlkommission erhielt Kyrill 508 von 702 abgegebenen Stimmen. Metropolit Kliment (Kapalin), der Verwaltungschef des Patriarchates, kam auf 169 Stimmen. Unmittelbar vor der Wahl hatte der Metropolit von Minsk, Filaret (Wachromejew), seine Kandidatur zurückgezogen und zur Wahl Kyrills aufgerufen.
Der 62-jährige Metropolit Kyrill (Gundjajew) - der auch Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats war - wurde von Anfang an als Favorit gehandelt. Seit dem Tod von Aleksij II. hatte er als "Locumtenens" das Moskauer Patriarchat geleitet. Es war die erste Patriarchen-Wahl seit dem Ende der Sowjetunion.
Der russisch-orthodoxe Kirche ist mit 150-170 Millionen Mitgliedern die größte orthodoxe Kirche. In der Russischen Föderation, in der Ukraine, in Weißrussland und in Moldawien ist die russisch-orthodoxe Kirche jeweils die größte Konfession. Aber auch in der Kasachischen Republik, in Estland, Lettland und Kirgisien hat das Moskauer Patriarchat starke Positionen. Die Zahl der Pfarrgemeinden und Klöster der russisch-orthodoxen Kirche stieg nach dem Ende des kirchenfeindlichen kommunistischen Regimes stark an, hat aber noch nicht den Stand von 1914 erreicht.
Das Landeskonzil hatte mehr als doppelt so viele Mitglieder wie bei der Patriarchenwahl 1990. Fast die Hälfte der 711 Mitglieder des Konzils kam aus dem Ausland, die meisten davon mit 192 aus der Ukraine. Rund 500 Wahlberechtigte waren von den Diözesen entsandt, jeweils ein Priester, ein Ordenschrist und ein Laie. Unter den Laien waren neben Kirchenbediensteten auch Geschäftsleute, Schauspieler und Staatsbeamte.
Kyrill betonte, dass der Patriarch ein schweres Kreuz zu tragen habe. "Ich nehme aus Ihren Händen diese Gnade Gottes an; ich bitte, meine menschlichen Schwächen zu verzeihen; ich bitte Sie um Ihre Hilfe beim Dienst für Gott. Beten Sie um Gottes Hilfe", sagte der neue Patriarch vor den Mitgliedern des Landeskonzils.
Der neue Patriarch wurde am 20. November 1946 im damaligen Leningrad geboren. Nach dem Schulbesuch trat er in ein Priesterseminar ein, besuchte anschliessend die geistliche Akademie, die er mit Auszeichnung abschloss. Das Mönchsgelübde legte er 1969 ab und erhielt den Namen Kyrill. Schon ein Jahr später wurde er zum persönlichen Sekretär des damaligen Metropoliten von Leningrad, Nikodim Rotow, ernannt. Von 1971 bis 1974 amtierte er als Vertreter des Moskauer Patriarchats beim Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) in Genf. In der Phase der "Perestrojka" von Michael Gorbatschow zählte Kyrill zu den Autoren des neuen russischen Gesetzes über Religionsfreiheit. 1988 wurde er Erzbischof, 1991 Metropolit. Seit November 1989 war Kyrill Leiter Außenamtes des Moskauer Patriarchats.
Biographische Notizen
Image (img2) invalid or missing |
||
|
Der verstorbene Patriarch Aleksij II. |
Metropolit Kyrill - mit weltlichem Namen Wladimir Michajlowitsch Gundjajew - wurde am 20. November 1946 in Leningrad, heute St. Petersburg, geboren. Nach seiner Priesterweihe im Jahr 1969 und dem Studienabschluss an der Geistlichen Akademie in Leningrad 1970 wirkte er dort zunächst als Dozent für Dogmatische Theologie. Zugleich wurde er Sekretär des (1978 verstorbenen) Metropoliten Nikodim (Rotow) von Leningrad und Nowgorod. 1971 wurde Kyrill zum Archimandriten erhoben und zum offiziellen Vertreter des Moskauer Patriarchats beim Weltkirchenrat bestellt - ein Amt, das er von 1971 bis 1974 inne hatte.
Von Ende 1974 bis Ende 1984 war Metropolit Kyrill vorwiegend als theologischer Lehrer an verschiedenen Akademien tätig. So leitete er etwa als Rektor das Priesterseminar von Sankt Petersburg sowie die Theologische Akademie von St. Petersburg. Im März 1976 wurde er zum Bischof von Wyborg geweiht, 1977 folgte die Erhebung zum Erzbischof. Im Dezember 1984 ernannte man ihn zum Bischof der Diözese Smolensk und zum Administrator der Diözese Kaliningrad.
Seit 1989 ist Metropolit Kyrill Vorsitzender des Außenamtes des Moskauer Patriarchats und ständiges Mitglied des Heiligen Synods der Russisch-orthodoxen Kirche. 1991 wurde er in den Rang eines Metropoliten erhoben.
Innerhalb der russischen Orthodoxie ist Metropolit Kyrill Mitglied der Synodalen Theologischen Kommission sowie der Bibel-Kommission. Außerdem ist er Stellvertretendes Oberhaupt der Russischen Welt-Volksversammlung, Mitglied der Kaiserlich-Russischen Palästina-Gesellschaft sowie Mitglied des Ausschusses für die Verleihung Staatlicher Prämien für Kunst und Literatur beim Russischen Staatspräsidenten.
Als Mitglied der Biblischen und Theologischen Kommission des Moskauer Patriarchats wirkte Kyrill an den Vorbereitungen zum Moskauer Konzil im Jahre 2000 mit. Seit 1994 hat Metropolit Kyrill darüber hinaus eine wöchentliche Sendereihe im russischen Staatsfernsehen.
Metropolit Kyrill ist Träger zahlreicher kirchlicher und staatlicher Auszeichnungen, etwa des Ordens des Hl. Sergius von Radonesch der 1. Klasse, des Ordens des Hl. Fürsten Daniel von Moskau der 1. Klasse, des Ordens "Verdienste zum Wohle des Vaterlandes" der 3. Klasse sowie des "Freundschaftsordens".
Er ist darüber hinaus Autor zahlreicher Bücher, so etwa des Buches "Der Werdegang der Kirchenhierarchie und die Lehre der orthodoxen Kirche über ihren segensreichen Charakter" (1971), "Die Herausforderungen der modernen Zivilisation. Was sagt dazu die Orthodoxe Kirche?" (2002). Kyrill gilt darüber hinaus als Hauptautor der Soziallehre der russisch-orthodoxen Kirche ("Grundlagen der Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche"), die im Jahr 2000 publiziert wurde.
Annäherungen zwischen Katholiken und Orthodoxen
Auf Ebene der Weltkirche machte sich Metropolit Kyrill immer wieder für die Ökumene und für die Fortführung des ökumenischen Dialogs insbesondere mit der Katholischen Kirche stark. Bereits seit Mitte der 1990er Jahre drängte Kyrill auf ein Treffen zwischen dem damaligen Papst Johannes Paul II. und Patriarch Aleksij II., um offene ökumenische Fragen zu diskutieren.
Ebenfalls auf Weltkirchenebene sorgte Metropolit Kyrill für Aufsehen, als er etwa vor zehn Jahren eine "Radikalreform" des Weltkirchenrates forderte, ohne die ein ökumenisches Fortkommen schwierig werde.
Als Gesandter von Patriarch Aleksij II. nahm Metropolit Kyrill an den Beisetzungsfeierlichkeiten für Johannes Paul II. sowie an den Feierlichkeiten der Amtsübernahme des neuen Papstes Benedikt XVI. 2005 in Rom teil.
Unter dem Pontifikat Benedikts XVI. ist es seither zu einer weiteren Annäherung zwischen katholischer und russisch-orthodoxer Kirche gekommen. Zuletzt hat es immer wieder Spekulationen um eine Moskau-Reise des Papstes gegeben, bei der es auch zu einem Treffen mit Patriarch Aleksij II. hätte kommen sollen. Metropolit Kyrill hatte damals erklärt, es habe bereits breite Übereinstimmung in Fragen des Lebensschutzes, der Ethik und der Familie gegeben. Eine Begegnung zwischen Papst Benedikt XVI. und Metropolit Kyrill in Rom im Mai 2006 war entsprechend von beidseitigen Höflichkeitsadressen gekennzeichnet. Zuletzt kam es im Dezember 2007 zu einer Begegnung Kyrills mit Papst Benedikt XVI.
Intensive Beziehungen zu Österreich
Image (img3) invalid or missing |
|
Metropolit Kyrill und Kardinal Schönborn (2003)
|
Österreich ist Metropolit Kyrill durch mehrere Besuche und intensive diplomatische Kontakte vertraut. So begleitete er etwa im Juni 1997 den damaligen russischen Patriarchen Aleksij II. bei dessen viertägigen Österreichbesuch. Im Rahmen dieses Besuchs nahm Aleksij II. auch an der "Zweiten Ökumenischen Europäischen Versammlung" (EÖV2) in Graz teil.
Damals hatte man kurzfristig ein Treffen zwischen Patriarch Aleksij II., Papst Johannes Paul II. und dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. in Stift Heiligenkreuz erwogen. Nach russischer Darstellung war das Treffen jedoch an der vatikanischen Ablehnung einer gemeinsamen Erklärung gegen die Abwerbung von Gläubigen gescheitert.
Im selben Jahr kam es zu einer erneuten Begegnung und zu einem Gespräch mit dem Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn in Moskau. Das Treffen fand im Rahmen einer sechstägigen Russlandreise Kardinal Schönborns im August 1997 statt und diente u.a. der Klärung von Einzelheiten zum damals geplanten neuen russischen Religionsgesetz.
Offene Worte der Wertschätzung Österreichs übermittelte Kyrill in einer Grußbotschaft aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums der Wiener St. Nikolaus-Kathedrale im Jahr 1999. Damals schrieb Kyrill, die Russisch-orthodoxe Kirche "schätzt den politischen Status der Republik Österreich als eines neutralen Staates" und würdige die österreichische Rolle bei der "gemeinsamen Aufgabe der Schaffung eines erneuerten Europa, in dem es keine Trennung und Gegnerschaft, Feindschaft oder Kriege geben darf".
Im selben Jahr kam es zu einem erneuten Zusammentreffen zwischen Kardinal Schönborn und Metropolit Kyrill in Wien. Anlass war eine ökumenische Konferenz zum Kosovokrieg 1999 und zur Situation der Kirchen und Religionsgemeinschaften auf dem Balkan.
Einen weiteren Besuch stattete Kyrill Österreich im Februar 2005 ab. Auf dem Programm stand damals u.a. ein Besuch des Friedhofs des Dorfes Grödig im Bundesland Salzburg, wo sich während des Ersten und Zweiten Weltkrieges ein Kriegsgefangenenlager befand und wo Hunderte russische Kriegsgefangene begraben liegen. Außerdem kam es zu einem erneuten Zusammentreffen mit Kardinal Schönborn. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die belasteten katholisch-orthodoxen Beziehungen in Russland sowie die noch ausstehende gesetzliche Anerkennung einer eigenen russisch-orthodoxen Diözese in Österreich. Weitere Schritte in diese Richtung sollten beim geplanten Besuch von Patriarch Aleksij II. in Österreich im vergangenen Dezember unternommen werden.
Für Aufsehen sorgte eine hochkarätige gemeinsame Tagung des Päpstlichen Kultur-Rates und des Außenamtes des Moskauer Patriarchats im Mai 2006 in Wien. Die Tagung sollte den Weg zur Überwindung der weiterhin bestehenden Konflikte zwischen katholischer und orthodoxer Kirche weisen. Metropolit Kyrill hielt bei der Tagung, die unter dem Titel "Europa eine Seele geben" stand, damals das eines der beiden Einleitungsreferate. Von vatikanischer Seite sprach Kardinal Paul Poupard.
Zum Abschluss der Tagung bekannten beide Seiten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz, dass man zukünftig in verstärktem Maße gemeinsam "auf dem Areopag" auftreten und für das christliche Zeugnis und christliche Werte einstehen wolle. Kardinal Poupard sagte damals: "Wir kommen aus verschiedenen Traditionen. Aber wir haben in Wien einmütig Wege für die Zukunft besprochen. Dabei haben uns die Analysen immer stärker zueinander geführt. Es gibt den gemeinsamen Willen zur Lösung der Probleme". Damals ging man mit der Zusage auseinander, sich in Zukunft häufiger gegenseitig zu Tagungen und Symposien einzuladen, um so den ökumenischen Dialog auch in der Praxis weiter zu vertiefen.
An der hochkarätig besetzten Tagung hatten u.a. der Patriarch von Lissabon, Kardinal Jose da Cruz Policarpo, der Präsident der europäischen Kulturgesellschaft, Prof. Vincenzo Capelletti, der frühere Bundesrats-Präsident em. Prof. Herbert Schambeck, der Kulturreferent der evangelisch-lutherischen Kathedrale von Oslo, Pastor Karl Gervin, der Chefredakteur des "Luxemburger Wortes", Leon Zeches, der Rektor der orthodoxen St. Tichon-Universität, Erzpriester Wladimir Worobijew, der stellvertretende Vorsitzende des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Erzpriester Wsewolod Tschaplin, und der Vorsitzende der russischen Schriftsteller-Vereinigung, Walerij Ganitschew teilgenommen.
Der letzte Besuch Kyrills in Österreich fand im Oktober 2006 statt. Offizieller Anlass des Besuchs war die Einweihung der umfangreich restaurierten russisch-orthodoxen Lazaruskapelle auf dem Wiener Zentralfriedhof. Damals drängte Metropolit Kyrill jedoch bereits auf eine rechtliche Anerkennung einer russisch-orthodoxen Diözese in Österreich. Er könne es "absolut nicht verstehen", warum dies bislang der russisch-orthodoxen Kirche verweigert werde, sagte Kyrill damals gegenüber Journalisten.
Papst gratuliert dem neuen Patriarchen
Papst Benedikt XVI. hat dem neuen Moskauer Patriarchen Kyrill zu dessen Wahl gratuliert. "Mit Freude" habe er von der Wahl Kyrills an die Spitze der russisch-orthodoxen Kirche erfahren, sagte der Papst am Mittwoch bei seiner Generalaudienz in der Nervi-Halle. Er rufe über ihn das Licht des Heiligen Geistes herab, dass er seiner Kirche einen großmütigen Dienst leiste, und er empfehle ihn dem Schutz der Gottesmutter.
In einem Kommunique des für Ökumene-Fragen zuständigen Päpstlichen Einheitsrates wird an die langjährigen Kontakte mit dem früheren Leiter des Patriarchats-Außenamts erinnert. "Wir sind froh, einen Patriarchen zu haben, mit dem wir seit vielen Jahren brüderliche Beziehungen unterhalten", heißt es darin. Man hoffe, "den gemeinsamen Weg der Wiedervereinigung, den wir begonnen haben, fortzusetzen". Zudem sei der Vatikan trotz noch bestehender Schwierigkeiten zur Zusammenarbeit auf sozialer und kultureller Ebene und zum gemeinsamen Zeugnis für christliche Werte bereit.
Der Einheitsrat erinnert in seiner Erklärung daran, dass Kyrill mehrfach mit Benedikt XVI. zusammengetroffen ist, unmittelbar nach dessen Wahl zum Papst im April 2005 und dann im Mai 2006 sowie im Dezember 2007. Letztes Ziel des Dialogs sei es, das Testament Christi zu verwirklichen, die volle Gemeinschaft aller seiner Anhänger.
An den Feierlichkeiten zum Amtsantritt des neuen Patriarchen am kommenden Sonntag wird von Seiten des Vatikans der Präsident des Einheitsrates, Kardinal Walter Kasper, teilnehmen. Er reist am Samstag nach Moskau.
Linktipp:
» Russisch-orthodoxe Kirche in Wien