Breite kirchliche Beteiligung beim Weltsozialforum
Zentrales Thema in Belem (Brasilien) sind Alternativen zu dem nach Meinung der Veranstalter gescheiterten Modellen der derzeitigen Form der Globalisierung und des Neoliberalismus
Brasilia-Rom (KAP) Mit einer breiten Beteiligung kirchlicher und ökumenischer Organisationen startet am Dienstag das neunte Weltsozialforum (WSF) in der brasilianischen Amazonas-Metropole Belem. So ist etwa der internationale Caritas-Dachverband "Caritas Internationalis" und der Weltkirchenrat (ÖRK) mit Delegationen vertreten. Mit dabei sind auch Vertreter von "CIDSE",
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Weltsozialforum in Nairobi (2007) |
einem Dachverband 16 katholischer Entwicklungshilfe-Organisationen aus Europa und Nordamerika, dem auch die "Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für Mission und Entwicklung" (KOO) angehört.
Bereits im Vorfeld des eigentlichen WSF tagte in Belem in den vergangenen Tagen das Weltforum "Theologie und Befreiung", das sich mit der Entwicklung einer Theologie der "Nachhaltigkeit des Lebens auf der Erde" beschäftigte.
"Eine andere Welt ist möglich"
Zentrales Thema des bis 31. Jänner dauernden WSF sind Alternativen zu dem nach Meinung der Veranstalter gescheiterten Modellen der derzeitigen Form der Globalisierung und des Neoliberalismus. Ein zentrale Rolle werden Analysen zur globalen Finanzkrise und Vorschläge zur Veränderung des internationalen Finanzsystems spielen. Angemeldet sind mehr als 80.000 Teilnehmer aus 150 Ländern. Auf sie warten mehr als 2.000 Diskussionsveranstaltungen und Workshops rund um Fragen der Globalisierung und ihrer Auswirkungen auf die sozialen Strukturen und Ökosysteme unserer Welt.
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Ruth Picker |
An die 20 Österreicher sind zum Weltsozialforum angereist, unter ihnen die Geschäftsführerin der "AG Globale Verantwortung", Ruth Picker. Sie vertritt in Belem ihre Dachorganisation aus 37 österreichischen NGOs - unter ihnen mehrere kirchliche -, die in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Hilfe sowie nachhaltige globale wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung tätig sind.
Das seit 2001 jährlich stattfindende WSF versteht sich selber als alternativer Gegenentwurf zum gleichzeitig tagenden "World Economic Forum" (WEF) in Davos. Das Weltsozialforum findet zum fünften Mal in Brasilien statt. Austragungsort 2004 war das indische Bombay, während die Organisatoren 2006 drei regionale Treffen in Caracas (Venezuela), Karatschi (Pakistan) und Bamako (Mali) veranstalteten. Nachdem das WSF 2007 in Nairobi (Kenia) stattfand, wurde 2008 abermals auf die Ausrichtung eines zentralen Treffens zugunsten regionaler Foren verzichtet.
Die an der Mündung des Amazonas gelegene Millionenstadt Belem ist vom Klimawandel stark betroffen. Jedes Jahr fallen Millionen Hektar Regenwald der Expansion der Landwirtschaft zum Opfer. Folgen sind bisher unbekannte Dürreperioden und eine Verschiebung der Regenzeiten in der Region. Der großflächige Soja- und Mais-Anbau, die Produktion von Agrartreibstoff und die Ausweitung der Viehzucht bedrohen zudem nicht nur das Klima der Region. Sie greifen auch immer mehr in das soziale Gefüge der im Amazonasgebiet lebenden Indios ein.
Mehr als 3.000 Vertreter der indigenen Völker Amazoniens wollen auf ihre Probleme aufmerksam machen; sie fordern Maßnahmen gegen den Raubbau an den natürlichen Schätzen dieser für das Weltklima überaus bedeutsamen Region.
Linktipps:
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