Integration: "Ziel muss friedliches Miteinander bleiben"
Wien, 18.5.06 (KAP) In der Debatte um die Integration von Zuwanderern darf "das eigentliche Ziel nicht aus den Augen verloren werden: das friedliche Miteinander von unterschiedlichen Menschen". Das betonte der Rektor des Afro-Asiatischen-Instituts (AAI) in Wien und Leiter der Katholischen Hochschulgemeinde Wien, Konstantin Spiegelfeld, am Donnerstag bei einem Pressegespräch. In Wien sei dieses Miteinander "immer gelungen, wenn auch oft mit Zeitverzögerung". Daher dürfe man die "zahlreichen Beispiele gelingender Integration nicht schlechtreden", so Spiegelfeld. Wo jedoch "polemisiert und falsch pauschaliert" werde, bestehe auch in Österreich die Gefahr, dass "die Debatte in eine falsche Richtung läuft" und die Ängste der Menschen nicht abgebaut, sondern verstärkt werden. Anlass des Pressegesprächs war das alljährliche "Fest der Versöhnung" im AAI, das heuer am Freitag, 19. Mai, stattfindet.
Im Blick auf die von Innenministerin Liese Prokop zitierte Studie über die Integrationsunwilligkeit von Zuwanderern, speziell von Muslimen, riet Spiegelfeld grundsätzlich zu Vorsicht: "Eine Untersuchung über Menschen ist immer etwas anderes als ein Gespräch mit Menschen". Weiters strich Spiegelfeld heraus, dass Integration "nicht bedeuten kann, dass alle dasselbe tun und in der selben Weise denken". Vielmehr gelte es, eine Kultur der "Anerkennung des Anderen in seiner Andersheit" zu schaffen, in der ein gemeinsames Gespräch möglich wird. Nur in so einem Klima könnten "dann auch die durchaus vorhandenen Probleme der Migration zur Sprache kommen".
AAI-Referatsleiterin Maria-Beate Eder äußerte ebenfalls Vorbehalte gegen die Studie, auch wenn man deren genauen Inhalt noch nicht kenne. Von Seiten des AAI betrachte man die erneut entbrannte Debatte "als Zeichen dafür, dass der Wahlkampf begonnen hat".
Der Bildungsreferent des AAI, Esperance F. Bulayumi, hob ebenfalls die Bedeutung einer intakten Gesprächsbasis zwischen angestammter Bevölkerung und Zuwanderern hervor. So sei "das Ernstnehmen des Gesprächspartners der Anfang des Friedens". In einem solchen Klima könne man auch die "Konflikte als Chance für eine positive soziale Entwicklung" begreifen und offen die kulturellen Differenzen zwischen Migranten und Einheimischen zur Sprache bringen.
Ein "Nichtwahrhabenwollen" dieser Differenzen, so Bulayumi, "gefährdet den Weg zu echter Integration". Auch er betonte, dass Integration nicht die Preisgabe der eigenen Identität bedeuten könne, sondern die Notwendigkeit einer "Lernbereitschaft auf beiden Seiten" mit sich bringe.
Bei dem Pressegespräch berichteten die AAI-Stipendiatin Özge Tomruk sowie der in Wien lebende rwandesische Kunstpädagoge und Therapeut Constantin Gashyirahamwe über persönliche Erfahrungen mit einer "eher subtilen denn offenen Feindlichkeit" den Migranten gegenüber. Diese verstecke sich "oft unterschwellig" in Formulierungen wie "Du bist aus der Türkei? So siehst du aber gar nicht aus".
Am Freitag, 19. Mai, findet ab 19 Uhr im Afro-Asiatischen Institut (Türkenstraße 3, 1090 Wien) das inzwischen zur Tradition gewordene "Fest der Versöhnung" statt. Es steht in diesem Jahr unter dem Motto "Keine Mauer ist zu hoch, kein Meer zu tief". Bereits ab 12 Uhr können Interessierte das Haus mit seinen vielfältigen Einrichtungen besichtigen und mit Studierenden aus mehreren Dutzend Ländern ins Gespräch kommen. Ebenfalls offen steht die AAI-Galerie im "Weltcafe" (Schwarzspanierstraße 15, 1090 Wien).
Das "Fest der Versöhnung" am Freitagabend werden Tomruk und Gashyirahamwe moderieren. Die Festreden halten die Wiener Landtagsabgeordnete und Gemeinderätin Nurten Yilmaz sowie der Student Aurelien Kamdem Bansi aus Kamerun (Informationen: Tel. 310.51.45/311).
Das Afro-Asiatische Institut wurde 1959 unter der Ägide von Kardinal Franz König als Instrument der Völkerverständigung gegründet. Heute, nach wechselvoller Geschichte, ist das AAI Wien, das auch Schwesterneinrichtungen in Graz und Salzburg hat, einer der beliebtesten interkulturellen und interreligiösen Treffpunkte Wiens.
Spiegelfeld wechselt in Pfarrdienst
Am Rande des Pressegesprächs gab AAI-Rektor Spiegelfeld bekannt, dass er mit 1. September in den Pfarrdienst wechseln und die Pfarre St. Johann Nepomuk in Wien 2 übernehmen wird. Zugleich wird er damit seine Aufgaben als Universitätsseelsorger sowie als Rektor des AAI niederlegen.