Ökumene: Fortschritte im Dialog mit Altorientalen
Dialogkommission der katholischen Kirche und der orientalisch-orthodoxen Kirchen präsentieren gemeinsames Papier zum Kirchenverständnis - Salzburger Ökumene-Experte Winkler für mehr "ökumenische Bildung": Weitreichende Übereinstimmungen müssen nun "an der Basis ankommen"
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Rom-Salzburg, 5.2.09 (KAP) Mit der Präsentation eines gemeinsamen Dokuments zum Kirchenverständnis haben die katholische Kirche und die orientalisch-orthodoxen Kirchen einen weiteren deutlichen Schritt zur ökumenischen Annäherung gesetzt. Das Papier trägt den Titel "Nature, Constitution and Mission of the Church" und ist das erste greifbare Ergebnis des im Jahr 2003 aufgenommenen offiziellen Dialogs zwischen der katholischen Kirche und den altorientalischen Kirchen. Nach mehreren Arbeitssitzungen wurde das Papier im Rahmen des sechsten Treffens der Kommission vom 26. bis 30. Jänner in Rom verabschiedet. Die Tagung fand unter Leitung des Vorsitzenden des vatikanischen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, und des koptischen Metropoliten Anba Bishoi von Damiette statt.
Wie der Salzburger Kirchenhistoriker und Patristiker, Prof. Dietmar Winkler, der als Konsultor (Berater) des vatikanischen Einheitsrates an den Sitzungen teilnahm, im Gespräch mit "Kathpress" betonte, demonstriere das Dokument ein "hohes Maß an Übereinstimmung in der wichtigen Frage des Kirchenverständnisses", aber auch in Fragen des Bischofsamtes und der apostolischen Sukzession. Zustande gekommen sei der Konsens nicht zuletzt auf der Grundlage des weiten Kirchenverständnisses, wie er in den Dokumenten "Lumen gentium" und "Gaudium et spes" des Zweiten Vatikanischen Konzils und den inoffiziellen Konsultationen mit den orientalisch-orthodoxen Kirchen der ökumenischen Stiftung "Pro Oriente" zugrunde gelegt wurde, so Winkler. Konkret haben die Modelle von "Kirche als Mysterium", "Kirche als Communio" sowie das Modell der "trinitarischen Ekklesiologie" eine wichtige Rolle bei den Beratungen gespielt.
Darüber hinaus hält das fünfzehnseitige Papier auch deutlich weiteren Klärungsbedarf fest. Dieser bestehe vor allem in der Frage der Ausübung des Petrusamtes sowie in der Frage der Anerkennung der Konzilien und ihre Bedeutung für den ökumenischen Dialog. Winkler selbst referierte im Rahmen der Tagung in Rom über die "Rezeption der Konzilien in den ersten fünf Jahrhunderten".
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Prof. Dietmar Winkler, Salzburg
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Neben seiner theologischen Bedeutung habe das Papier darüber hinaus auch einen "wichtigen pädagogischen Charakter". Indem nämlich das Dokument das gemeinsame theologische Fundament für den weiteren Dialog formuliert, gleiche es zugleich bestehende Ungleichheiten in der theologischen Bildung der Dialogpartner aus, so Winkler.
Nun wird das Papier an die jeweiligen Kirchenleitungen zur offiziellen Bestätigung weitergereicht. In der katholischen Kirche wird die Prüfung von der Glaubenskongregation vorgenommen.
"Ökumenische Bildung vertiefen"
Weiters bezeichnete Winkler die Vertiefung der ökumenischen Bildung als "Zentralthema" der ökumenischen Bemühungen der nächsten Jahre. Nachdem in Kommissionen und auf Expertenebene der Dialog bereits zahlreiche Fortschritte erzielt habe, gelte es nun, "die weitreichenden Übereinstimmungen an die Basis zu bringen".
Erschwert werde diese Arbeit durch eine derzeitige "Retro-Ekklesiologie", so Winkler, die sich in einer "zunehmenden Angst vor weiterer konfessioneller Öffnung" und einer Angst vor dem "Verlust konfessioneller Identität" zeige. Dabei werde allerdings übersehen, dass gerade die Öffnung im Dialog eine Bereicherung für die Kirche bedeute.
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Prof. Dietmar Winkler, Salzburg
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"Zeichen der Hoffnung und Ermutigung"
Papst Benedikt XVI. empfing die Mitglieder am Kommission am Freitag, 30. Jänner, zur Audienz. Dabei dankte der Papst der Kommission für ihre Arbeit. Die Kommission habe "wichtige Schritte" für den Fortgang der Ökumene gesetzt. Zugleich sei es ein "Zeichen der Hoffnung und Ermutigung", dass der Dialog nun bereits so lange laufe und jedes Jahr von einer anderen beteiligten Kirche vorangetrieben wird.
Beteiligt am Dialog waren Vertreter der koptisch-orthodoxen Kirche, der syrisch-orthodoxen Kirche, der armenisch-apostolischen Kirche (Katholikossate von Etchmiadzin und von Kilikien), der äthiopisch-orthodoxen Tewahedo-Kirche, der malankara-orthodoxen syrischen Kirche und der eritreisch-orthodoxen Tewahedo-Kirche. Von Seiten der katholischen Kirche nahmen neben Kardinal Walter Kasper und Prof. Winkler zahlreiche Vertreter der katholischen Ostkirchen teil, darunter Vertreter der armenisch-katholischen Kirche, der syrisch-katholischen Kirche, der äthiopisch-katholischen Kirche, der koptisch-katholischen Kirche, außerdem der emeritierter Bischof von Würzburg und Ökumene-Experte Paul-Werner Scheele sowie weitere Experten für die Ostkirchen.
Das nächste Treffen der Internationalen Dialogkommission zwischen der katholischen Kirche und den altorientalischen Kirchen wird vom 24. bis 30. Jänner 2010 auf Einladung der Armenisch-apostolischen Kirche im Libanon stattfinden.
Die orientalisch-orthodoxen (oder: altorientalischen) Kirchen hatten sich nach dem Konzil von Chalcedon (heute: Kadiköy) im Jahr 451 von der allgemeinen Kirche getrennt. Beim Konzil von Chalcedon war versucht worden, die Glaubensüberzeugung auszudrücken, dass Christus zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch ist. In der Folge kam es zu - auch politisch und kulturell begründeten - Missverständnissen, die in die Trennung zwischen den altorientalischen Kirchen und der allgemeinen Kirche mündeten.
Wichtige Rolle von "Pro Oriente"
Erst bei den von der Wiener Stiftung "Pro Oriente" ab September 1971 initiierten "Lainzer Gesprächen" gelang es, viele Missverständnisse auszuräumen. Katholische und altorientalische Theologen kamen bei diesen inoffiziellen Gesprächen gemeinsam zur Überzeugung, dass die theologischen Auseinandersetzungen ab dem 5. Jahrhundert vielfach durch kulturelle Unterschiede und politische Motive bedingt waren, dass aber katholische und orientalisch-orthodoxe Christen in unterschiedlichen Formulierungen denselben Glauben bekennen. Auf Initiative des heutigen koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Shenouda III. kam es schließlich zur Erarbeitung der "Wiener Christologischen Formel", die bei der Versöhnung zwischen römisch-katholischer Kirche und altorientalischen Kirchen große Wirkung entfalten sollte.