Henckel-Donnersmarck: scharfe Worte gegen Williamson
Abt von Heiligenkreuz im "Standard": "Williamson ist ein Terrorist, der Bombe gelegt hat." In ORF-Sendung "Im Zentrum" betont: "Schönheit des Glaubens" stärker vermitteln
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Abt Henckel-Donnersmarck |
Wien, 8.2.09 (KAP) Der Heiligenkreuzer Abt Gregor Henckel-Donnersmarck hält es für ausgeschlossen, dass der umstrittene lefebvrianischen Bischof - und Holocaust-Leugner - Richard Williamson in die katholische Kirche zurückkehren kann. In einem Interview für die Wiener Tageszeitung "Der Standard" (Montagausgabe) sagte der Abt wörtlich: "Williamson ist ein Terrorist, der eine Bombe gelegt hat. Die Aussagen dieses Idioten sind ein Zeichen extremer Dummheit. Aber all die, die jetzt den Papst kritisieren, sind in seine Falle gegangen und tun genau das, was Williamson beabsichtigt hat. Er ist ein Zündler und will, dass es brennt". Williamson scheine aber so dumm zu sein, dass "man ihm über die Konsequenz seines Handelns nicht alle Übersicht zusprechen kann".
Er persönlich sei ein "erklärter Gegner" der "Pius-Bruderschaft", sagte Henckel-Donnersmarck. Aber in der aktuellen Diskussion brauche es klare Unterscheidungen. Die Exkommunikation der vier lefebvrianischen Bischöfe sei aufgehoben, aber sie seien nach wie vor suspendiert, die "Pius-Bruderschaft" sei nach kanonischem Recht nicht anerkannt. Papst Benedikt XVI. gehe es um die Herstellung der Einheit. Die "Pius-Bruderschaft" habe immer signalisiert, dass sie leichter zu Gesprächen im Stande wäre, wenn der alte Messritus wieder zugelassen und die Exkommunikation der vier lefebvrianischen Bischöfe aufgehoben würde. Jetzt liege es an den Lefebvrianern, durch die von Benedikt XVI. geöffnete Pforte zu gehen.
Wenig hält der Abt von Heiligenkreuz von einer neuerlichen, diesmal politisch motivierten Exkommunikation Williamsons. Die Exkommunikation sei auf die unerlaubte Weihe bezogen gewesen, aber die Aussagen von Williamson seien "politisch, obszön und niederträchtig". Der Papst habe klare Worte gefunden und ihn zur Rücknahme dieser Aussagen aufgefordert.
Diskussion in "Im Zentrum"
In der ORF-Sendung "Im Zentrum" am Sonntag bekräftigte Abt Henckel-Donnersmarck seine Position zu Bischof Williamson, der Piusbruderschaft und Weihbischof Wagner. Die Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft könne nur als Akt der Verzeihung des Papstes und erster Schritt auf dem Weg zur Vereinigung gesehen werden. Benedikt XVI. gehe es über alle Gerechtigkeit hinaus um Versöhnung; das gelte etwa auch für Vertreter der Befreiungstheologie wie Gustavo Gutierrez. Auch der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, P. Eberhard von Gemmingen, äußerte sich in gleicher Weise.
Bedenken, dass durch den gegenwärtigen Kurs des Vatikans die Fortführung des Zweiten Vatikanischen Konzils in Frage gestellt werde, teilte Henckel-Donnersmarck nicht. Schließlich sei der Papst selbst einer der wichtigsten Konzilstheologen gewesen. Wer wenn nicht er wisse um die Inhalte und Intentionen des Konzils Bescheid. Das gelte natürlich auch für das Verhältnis der Katholischen Kirche zum Judentum.
Übereinstimmung herrschte zwischen Henckel-Donnersmarck und Hochschulseelsorger Msgr. Helmut Schüller, dass die Kirche noch wesentlich stärker die "Schönheit des Glaubens" und den "liebenden Gott" vermitteln müsse, wie es der Heiligenkreuzer Abt formulierte.
Msgr. Schüller äußerte die Sorge vieler Katholiken, dass die Kirche den vom Zweiten Vatikanischen Konzil vorgegeben Kurs nicht mehr weiter verfolgen werde. Den Grund dafür ortete er in der Auseinandersetzung mit der Moderne. Die "Reibung an der Moderne" führe bei der Kirchenleitung zu einer Rückwärtsbewegung in alte vertraute Ordnungen. Schüller plädierte eindringlich für die Fortführung der Beschlüsse des Konzils.
Auch die Wiener Pastoraltheologin Regina Polak meinte, dass die Kirche ihre Position im gegenwärtigen Transformationsprozess der Gesellschaft noch nicht gefunden habe. Sie plädierte für mehr "Pluralitätsfähigkeit" der Kirche.
Zur Ernennung von Weihbischof Wagner sagte Polak, dass es durchaus ernste pastorale Probleme wie die "Verlieblichung der Gottesrede" oder eine Krise des Beichtsakraments gebe. Sie bezweifle jedoch, dass solche Probleme mit Ernennungen von Persönlichkeiten wie Gerhard Maria Wagner gelöst werden könnten. Einige in den Medien getätigte Aussagen des designierten Weihbischofs, etwa zum Islam, hielt Polak für bedenklich.