Küberl fordert neue Ansätze bei Integration
Graz, 21.5.06 (KAP) Für neue Ansätze bei der Integration von Zuwanderern hat sich Caritas-Präsident Franz Küberl in einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" ausgesprochen. Wörtlich sagte Küberl: "Ohne Integrations-Staatssekretariat wird es nicht gehen. Ich erlebe jetzt die fünfte Innenministerin, das Spiel ist immer das gleiche: Der Innenminister wird nach vorn geschickt und allein gelassen, obwohl Bildungs-, Sozial- und Wirtschaftsminister die eigentlich Zuständigen wären".
Integration sei "kein Honiglecken", sondern "eine Strapaz für beide Seiten", erinnerte der Caritas-Präsident. Er wundere sich, dass das alles auf die Innenministerin abgeladen werde. Zugleich warnte Küberl davor, Integration auf sicherheitspolitische Aspekte zu reduzieren. Es irritiere ihn, dass Zuwanderer heute "unter Generalverdacht" gestellt werden. Paul Lendvai oder Boris Nemsic seien auch einmal Zuwanderer gewesen; "solche Menschen machen unser Land reich".
Was man von Zuwanderern erwarten könne, sei, dass sie Menschenrechte, Gewaltlosigkeit, Gleichheit von Mann und Frau als Kernelemente der Demokratie respektieren, betonte der Caritas-Präsident. Die Frage sei aber, ob den heutigen Zuwanderern das auch so gesagt worden sei. Die Integrationsbereitschaft auch der Zuwanderer mit muslimischem Background hänge davon ab, wie sie ihre Zukunftsperspektiven sehen, ob sie "eine Chance auf Bildung und Arbeit und ein Dach über dem Kopf" haben. Küberl: "Wir müssen darauf achten, dass Zuwanderer nicht zu reinen Kostenfaktoren degradiert werden. Es handelt sich um Menschen".
Zugleich warnte Küberl davor, Vorfälle wie Versuche muslimischer Väter, ihren Töchtern die Teilnahme am Turnunterricht zu verbieten, überzubewerten: "Solche Dinge kommen vor, sie sind aber nicht die Norm. Man soll sie nicht kleinreden, aber auch nicht aufblasen". Man müsse sich daran erinnern, dass noch vor wenigen Jahrzehnten für viele Eltern in Österreich der koedukative Unterricht von Buben und Mädchen undenkbar war. Wörtlich meinte der Caritas-Präsident: "Meine Urgroßmutter trug zeitlebens ein Kopftuch. Ich will damit sagen: Auch unser kulturelles Selbstverständnis ändert sich".