Kardinal Schönborn: Kirchenkrise auch als Chance sehen
Wiener Erzbischof räumt in Mitarbeitermagazin der Erzdiözese Wien "Kopfschütteln, Trauer, Empörung und Unverständnis" über aktuelle Vorgänge ein - Auch Papst macht Fehler, aber Kritik an ihm zur Zeit oft nur mehr "blanker Hass und Hohn"
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Wien, 10.2.09 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der Erzdiözese Wien ermutigt, angesichts der aktuellen Debatte um die Lefebvrianer und die Ernennung des neuen Linzer Weihbischofs nicht zu resignieren. Vielmehr sollte die Krise auch als Chance gesehen werden, so Schönborn in seinem Leitartikel in der aktuellen Ausgabe von "thema kirche", dem Mitarbeitermagazin der Erzdiözese Wien.
Wörtlich spricht Schönborn von "Vorgängen, die Kopfschütteln, Trauer, Empörung und Unverständnis auslösen". Zugleich betont er aber auch: "Krisen sind immer Momente, in denen Entscheidungen fällig werden, Klärungen sich als notwendig erweisen. Krisen können Chancen sein, keine bequemen, keine leidfreien, aber doch im Endeffekt heilsame, auch wenn das inmitten der Krise noch nicht gesehen wird."
Es sei seine tiefste Überzeugung, schreibt der Wiener Erzbischof, "dass auch eine solche Krise uns nicht aus Gottes Hand herausfallen lässt". Gottes Vorsehung und Liebe führe auch durch die schwierigsten Situationen. Schönborn wörtlich: "Mich bewegt dabei der Gedanke, dass wir tiefer in das Gottvertrauen, stärker ins Gebet, und auch bewusster in die Bereitschaft gehen müssen, mit Christus zu leiden und sein Kreuz mitzutragen."
Der Kardinal spricht von vielen dringenden und bedrückenden Sorgen, die jetzt eine "wache und liebevolle Präsenz der Kirche" erfordern würden, ein "verstärktes Bemühen um Solidarität und ein Zugehen auf Menschen". Konkret nennt er die finanzielle und wirtschaftliche Entwicklung, die Sorge um Arbeitsplätze oder den wachsenden Stress am Arbeitsplatz.
Papst ist und bleibt Nachfolger Petri
In seinem Leitartikel räumt der Wiener Erzbischof ein, dass die Menschen in der Kirche Fehler machen würden und das schließe auch den Papst mit ein. Was sich zur Zeit aber im deutschen Sprachraum in Medien und Öffentlichkeit abspielt, sei schon nicht mehr sachliche Kritik, sondern zum Teil "blanker Hass und Hohn". Schönborn: "Nachdem man zuerst begeistert gesagt hat: 'Wir sind Papst', voller Stolz, dass ein Deutscher Papst geworden ist, kommt jetzt das große 'Halali', die Freigabe für jede Kritik und jeden Spott."
Dem hält der Kardinal entgegen: "Für uns ist Papst Benedikt der Nachfolger Petri. Und selbst wenn er in bester Hirtenabsicht vielleicht nicht alle möglichen Einwände und Gefahren bedacht haben sollte - und wie soll so etwas nicht möglich sein bei dem, der als Papst ja auch ein Mensch bleibt, mit seinen überragenden Qualitäten, aber auch mit seinen menschlichen Grenzen - er bleibt dennoch für uns der, dem Christus verheißen hat: 'Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen'."
Deshalb erneuere er - Schönborn - "aus ganzem Herzen meine Liebe und Treue" zu Papst Benedikt XVI. Der Kardinal lädt zudem alle Gläubigen ein, verstärkt für den Papst zu beten.
"Gemeinsames vor Trennendes stellen"
Kardinal Schönborn rief die Katholiken in Österreich zur Einigkeit auf. "Die jüngsten vatikanischen Entscheidungen haben unter den Katholiken zu Verunsicherung und teilweise auch zu Unverständnis geführt", sagte der Wiener Erzbischof am Dienstag in einer Stellungnahme gegenüber "Kathpress". Gerade deshalb ermutige die Gläubigen, auf dem gemeinsamen Weg zu bleiben, den die Kirche in Österreich in den vergangenen Jahren zu gehen bemüht gewesen sei. Unterschiedliche Meinungen und Standpunkte sollten in der Kirche durchaus Platz haben, betonte Schönborn: "Dennoch soll das Gemeinsame vor dem Trennenden stehen."
Der Wiener Erzbischof bestätigte, dass die Zahl der Kirchenaustritte vor allem in den vergangenen Tagen angestiegen sei. Insgesamt sind in der Erzdiözese Wien seit Jahresbeginn 1.582 Menschen aus der Kirche ausgetreten. Im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres bedeutet das einen Anstieg um rund 15 Prozent.
Kardinal Schönborn betonte, dass ihn jeder Kirchenaustritt "schmerzt". Er lade die Ausgetretenen einen, ihren Schritt noch einmal überdenken. Dazu könne die dreimonatige Bedenkzeit genützt werden, in denen ein Austritt einfach widerrufen werden kann. Man kann dazu das Gespräch mit ihrer Wohnpfarre suchen oder sich per E-Mail (kontaktstelle@edw.or.at) an die Kirche wenden.
Die Kirche in Österreich leiste mit ihren 4.000 Pfarren, mit Klöstern Schulen und sozialen Einrichtungen "kostbare Dienste", erinnerte Schönborn, "auch und gerade in einer Zeit wachsender Krise, in der die Kirche für viele ein Dach über der Seele sein möchte".
Im Gespräch mit "Kathpress" begrüßte der Kardinal auch die Entscheidung der Regierungskoalition zur Verdoppelung des steuerlichen Absetzbetrages für den Kirchenbeitrag. Dies sei eine echte steuerliche Entlastung für die 3,7 Millionen Kirchenbeitragszahlerinnen und -zahler in Österreich.
