Papst traf Spitzenvertreter jüdischer Organisationen
Dabei bestätigte Benedikt XVI. seine Israel-Reise; er betonte, die christliche Identität sei zuinnerst mit dem Judentum verbunden; Holocaust-Leugnung strikt zurückgewiesen und wiederholte Vergebungsbitte
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Papst Benedikt XVI. hat seine Israelreise persönlich bestätigt. "Ich bereite mich darauf vor, Israel zu besuchen, ein Land, das für Christen wie für Juden heilig ist", sagte der Papst bei einer Begegnung mit Spitzenvertretern jüdischer Organisationen aus den USA am Donnerstag. Ein Datum für die Reise nannte er nicht.
Es wird erwartet, dass der Besuch in Israel und den Palästinensergebieten vom 11. bis 15. Mai stattfindet. Unbestätigten Informationen zufolge will sich der Papst zuvor vom 8. bis 11. Mai in Jordanien aufhalten.
Benedikt XVI. betonte vor den jüdischen Gästen, die christliche Identität sei zuinnerst mit dem Judentum verbunden. "Die Kirche bezieht ihre Nahrung aus der Wurzel des guten Ölbaums, des Volkes Israel, in den die wilden Olivenzweige der Heiden eingepfropft wurden", sagte der Papst. Von "frühesten Tagen der Christenheit" an sei jeder Aspekt des Lebens und Gottesdienstes der Kirche mit der jüdischen Religion eng verknüpft. Benedikt XVI. nannte die Juden dabei "unsere Väter im Glauben".
An dem Treffen mit dem Papst nahm die Leitungsspitze der "Conference of Major American Jewish Organizations" teil. Neben dem Vorsitzenden Alan Solow und dessen Vertreter Malcolm Hoenlein begrüßte Benedikt XVI. auch Senior Rabbi Arthur Schneier, ein gebürtiger Wiener. Dieser hatte den Papst während dessen USA-Reise 2008 bereits in der New Yorker Park East Synagoge empfangen.
"Dialog zielt nicht auf Judenmission"
Der Sekretär der Kommission für die Beziehungen zum Judentum, Norbert Hofmann, sagte in Radio Vatikan, der Streit um die Lefebvrianer habe zu einer Intensivierung des Gesprächs mit dem Judentum geführt. Es gebe einen "großen Andrang" von jüdischen Gruppen wie schon lange nicht mehr, Benedikt XVI. zu treffen. Es gehe um klärende Gespräche, die die Wogen wieder "restlos glätten" sollten.
Hofmann äußerte sich auch zur Frage der Judenmission, die bereits vor der Williamson-Affäre für Kontroversen gesorgt hatte. Es könne nicht darum gehen, die Juden bewusst bekehren zu wollen. "Wenn wir im interreligiösen Dialog, im jüdisch-christlichen Gespräch, diese Intention hätten, könnten wir diesen Dialog vergessen", so Hofmann. Natürlich seien Christen stets eingeladen, das Evangelium zu verkünden. Diese Verkündigung müsse man aber von einem bewussten Missionsbestreben unterscheiden.
Ziel des Gesprächs zwischen der katholischen Kirche und dem Judentum sei eine "gegenseitige Bereicherung". Es gehe dabei etwa um Zusammenarbeit für Frieden und Gerechtigkeit, nicht um Religionswechsel.
Wiederholte Vergebungsbitte von Johannes Paul II.
Benedikt XVI. wies bei dem Treffen mit jüdischen Spitzenvertretern jede Leugnung des Holocaust strikt zurück. Zugleich wiederholte er wörtlich die Vergebungsbitte, die sein Vorgänger Johannes Paul II. im Jahr 2000 an der Klagemauer in Jerusalem formuliert hatte. Die Shoah sei ein "Verbrechen gegen Gott und die Menschheit". Dies müsse "jedem klar sein, besonders denen, die in der Tradition der Heiligen Schriften stehen".
Die historische Vergebungsbitte Johannes Pauls II. sei ein Leitbild für die Beziehungen der katholischen Kirche zum Judentum, erklärte Benedikt XVI. Er mache sich die Worte seines Vorgängers zu eigen, mit denen dieser im Jahr 2000 um Verzeihung gebeten und die "tiefe
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Brüderlichkeit mit dem Volk des Bundes" unterstrichen habe, so der Papst. Für das lehramtliche Verhältnis zum Judentum bleibe die Konzilserklärung "Nostra aetate" (1965) ein Meilenstein auf dem Weg zur Versöhnung.
Kirche verpflichtet sich, jeden Antisemitismus zurückzuweisen
Der Papst bekräftigte, die Kirche müsse sich entschieden jeder Judenfeindlichkeit widersetzen. "Die Kirche verpflichtet sich zutiefst und unaufgebbar, jeden Antisemitismus zurückzuweisen, und den Aufbau guter und dauerhafter Beziehungen zwischen unseren beiden Gemeinschaften voranzubringen", sagte Benedikt XVI. Die Shoah dürfe nie vergessen werden. "Es steht außer Frage, dass jede Leugnung oder Verharmlosung dieses schrecklichen Verbrechens untolerierbar und völlig unannehmbar ist", so der Papst.
Benedikt XVI. erinnerte an seine Besuche in verschiedenen Synagogen in Köln im Jahr 2005 und in New York 2008 sowie im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau 2006. Er sprach von einem Ort des Schreckens und einem Schauplatz unsäglichen Leids, das die gesamte Menschheit mit Scham erfülle.
Linktipp:
< Ansprache Papst Benedikt vor Repräsentanten jüdischer Gemeinden aus den USA