Keine Pauschalaussagen über Integration von Muslimen
Wien, 22.5.06 (KAP) Vor pauschalen Aussagen über die Integrations-Unwilligkeit von Muslimen hat der Wiener Rechtswissenschaftler Prof. Richard Potz, Vorstand des Instituts für Religions- und Kulturrecht an der Wiener Universität, gewarnt. Er halte den Islam zudem für "demokratiefähig", es sei aber ein "hartes Stück Arbeit", so Potz in einem "Kurier"-Interview. Auch die katholische Kirche habe sich erst spät zum demokratischen Rechtsstaat bekannt.
Was die Integration von Muslimen in Österreich betrifft, ortet Potz "Berührungsängste auf beiden Seiten". Es gebe in Österreich weitgehend ein distanziertes, aber friedliches Nebeneinander von Muslimen und Nicht-Muslimen. Man sollte aber nicht "blauäugig" sein. Auch in Österreich bestehe unter den Muslimen ein "extremistischer Bodensatz".
Die Anerkennung des Islam als Religionsgemeinschaft seit 1912 bezeichnete Potz als "historischen Glücksfall". Es gebe mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft eine zentrale Vertretung, und der Islam-Unterricht in den Schulen sei garantiert. Potz: "Dafür beneiden uns viele in Europa". Der Rechtswissenschaftler räumte ein, dass es vereinzelt Beschwerden über radikale muslimische Lehrer und Schulbücher gibt. Die Verantwortung dafür liege bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Es werde aber auch Sache der staatlichen Behörden sein, die Islamische Glaubensgemeinschaft "gegebenenfalls an diese Verantwortung zu erinnern".
Angesprochen auf Berichte türkischer Gazetten, wonach viele Töchter islamischer Politiker aus der Türkei in Wien studieren, weil sie hier das Kopftuch tragen dürfen, meinte Potz: "Es ist halt skurril, wenn die Türkei Kopftücher am Campus verbietet. In England ist es wieder ganz anders. Da gibt es sogar Polizistinnen mit islamischem Kopftuch". In Frankreichs Schulen sei hingegen kein Kopftuch erlaubt. Potz: "Also was ist jetzt europäisch?"