"Freier Sonntag Grundpfeiler des Familienlebens"
"Durch variable Beschäftigungsverhältnisse, die in Krisenzeiten boomen, gerät der freie Sonntag unter Druck", kritisierte der Präsident des Kath. Familienverbandes "Allianz für den freien Sonntag"-Appell an EU-Abgeordnete
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Prof. Clemens Steindl |
Wien, 1.3.09 (KAP) "Der freie Sonntag muss bleiben - trotz Wirtschaftskrise, denn er ist der Grundpfeiler des Familienlebens": Dies betonte der Präsident des Katholischen Familienverbandes Österreichs, Prof. Clemens Steindl, im Hinblick auf den "Internationalen Tag des freien Sonntags" am 3. März. Wörtlich meinte Steindl: "Der freie Sonntag ist die Basis für eine gemeinsame Struktur im Familienleben, in der Kinder Halt und Orientierung finden, wo sie tragfähige Werte erfahren und wo gemeinschaftsstiftende Aktivitäten erfolgen". Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten dürfe "die soziale und kulturelle Errungenschaft des arbeitsfreien Sonntags" nicht ins Wanken gebracht werden.
"Gerade für Familien mit Kindern hat der freie Sonntag einen zentralen Stellenwert und die gemeinsame Zeit mit der Familie wird immer mehr zu einem kostbaren Gut", ist Steindl überzeugt: "Das familiäre Umfeld für die Lebenskultur eine fundamentale Bedeutung. Hier können menschliche Qualitäten wie Vertrauen, Zuwendung und Treue gelernt und eingeübt werden. Der Sonntag ist oft der einzige Tag der Woche, den Eltern gemeinsam mit ihren Kindern verbringen, an dem Familienrituale gepflegt werden und das unverzweckte Miteinander erlebbar wird".
Auch wenn die Sonntagsarbeit in Österreich, die für manche Branchen unerlässlich sei, in den vergangenen Jahren stark angestiegen ist, müsse alles unternommen werden, den eingeschlagenen Weg in die Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft nicht weiter zu beschleunigen, so Steindl. Schon jetzt würden 27,6 Prozent der Erwerbstätigen - zirka eine Million Österreicherinnen und Österreicher - zumindest gelegentlich an Sonn- und Feiertagen arbeiten. "Durch variable Beschäftigungsverhältnisse, die vor allem in Krisenzeiten boomen, gerät der freie Sonntag stark unter Druck", kritisierte der Präsident des Katholischen Familienverbandes und fügte hinzu, dass "ein Mehr an humanen Arbeitsbedingungen die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft besser sichert als die ausufernde Verfügbarkeit der Arbeitnehmer".
Der arbeitsfreie Sonntag geht auf ein Edikt von Kaiser Konstantin dem Großen vom 3. März 321 n. Chr. zurück. An diesem Tag wurde ein Erlass rechtskräftig, die Arbeit am Sonntag ruhen zu lassen, um den Tag der Auferstehung Christi zu ehren. Seither wisse man, dass die "Lebensqualität durch Unterbrechung des Arbeitsrhythmus und Schaffung von Zeitoasen erhöht wird", bekräftigte Steindl seine Forderung, für den Schutz des freien Sonntags einzutreten.
"Allianz für den freien Sonntag"-Appell
Die "Allianz für den freien Sonntag" appelliert an die österreichischen EU-Parlamentarier, eine geplante Erklärung des Europäischen Parlamentes zum freien Sonntag zu unterstützen. Am 2. Februar hatten fünf Europaparlamentariern aus den politischen Gruppen der Europäischen Volkspartei (EVP), der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE), der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) und der "Union for a Europe of Nations" (UEN) eine überparteiliche Resolution eingebracht. Diese sieht vor, dass der arbeitsfreie Sonntag als "tragendes Element des europäischen Sozialmodells und Teil des europäischen Kulturerbes" verankert wird. Um angenommen zu werden, muss die schriftliche Erklärung bis zum 7. Mai von der Mehrheit der Europaparlamentarier - 394 Abgeordneten - unterschrieben werden.
Wenn die Erklärung von der Mehrheit der Abgeordneten unterschrieben wird, erhält sie den Status einer offiziellen Verlautbarung des Europäischen Parlaments. Damit könnte das Parlament im Namen der europäischen Bürger eine klare Botschaft an die Adresse der EU-Institutionen und der Mitgliedstaaten senden, betont die "Allianz für den freien Sonntag" in einer Aussendung am Montag. Nachdem der arbeitsfreie Sonntag in vielen Ländern unter Druck geraten ist, wäre eine Erklärung des Europäischen Parlaments, die auch an die nationalen Parlamente versandt wird, ein Zeichen, um einer weiteren Aushöhlung des arbeitsfreien Sonntags entgegenzuwirken.
Die Allianz ruft zugleich dazu auf, die österreichischen Parlamentarier direkt an ihre Verantwortung zu erinnern: "Damit die Abgeordneten Farbe bekennen, müssen sie von der Basis, d.h. von ArbeitnehmerInnen, Gewerkschaften, Kirchen und der organisierten Zivilgesellschaft kontaktiert und zur Unterschrift aufgefordert werden", heißt es wörtlich in der Presseaussendung der Allianz.
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