Papst nach Afrika abgeflogen
Er besucht zunächst Kamerun und ab Freitag Angola. Es ist die elfte Auslandsreise des Papstes. Benedikt XVI. sprach im Vorfeld ausdrücklich von einer "missionarischen Reise"
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Rom-Yaounde, 17.3.09 (KAP) Papst Benedikt XVI. ist am Dienstagvormittag zu seiner ersten Pastoralreise nach Afrika aufgebrochen. An Bord einer Boeing 777 der italienischen Fluggesellschaft Alitalia startete er um 10.20 Uhr von Rom-Fiumicino zu einem siebentägigen Besuch von Kamerun und Angola.
Anlass der 11. Auslandsreise des Papstes ist die Vorstellung des Arbeitspapiers ("Instrumentum laboris") für die Afrika-Synode, die im Oktober im Vatikan stattfinden soll. Außerdem wird Benedikt XVI. mit Politikern und Bischöfen der Besuchsländer sprechen und mehrere große Gottesdienste feiern.
Am Mittwochvormittag stattet der Papst dem kamerunesischen Staatspräsidenten Paul Biya einen offiziellen Besuch an dessen Amtssitz ab, bevor er in der Kathedrale von Yaounde mit der Kirchenleitung des Landes zusammentrifft. Mit Spannung wird kommenden Freitag in der angolanischen Hauptstadt Luanda eine Grundsatzrede vor Diplomaten über die politische und soziale Lage Afrikas erwartet. Beobachter erwarten, Benedikt XVI. werde an die Staatengemeinschaft appellieren, Afrika nicht im Stich zu lassen.
Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. war 1985 und 1995 in Kamerun sowie 1992 in Angola. Insgesamt besuchte der Wojtyla-Papst Afrika 16 Mal. Als erster Papst bereiste Paul VI. 1969 den Kontinent zu einem Besuch in Uganda. Die erste Afrika-Synode fand im Frühjahr 1994 statt.
Benedikt XVI. sprach im Vorfeld ausdrücklich von einer "missionarischen Reise". Er will nach eigenen Worten die afrikanischen Katholiken im Glauben bestärken und zur Ökumene ermutigen. Afrika könne sich durch das Evangelium und dessen "unwiderstehliche Kraft des Friedens und der Versöhnung" wandeln. Die Kirche verfolge keine wirtschaftlichen, sozialen und politischen Ziele; ihre Botschaft könne aber Herzen verwandeln und so die Gesellschaft erneuern.
"Afrika liebt dich"
In den Zeitungen von Yaounde finden sich am Dienstag zahlreiche Begrüßungsbotschaften. "Der große Tag", überschreibt die staatliche Tageszeitung "Cameroon Tribune" einen Beitrag über die letzten fieberhaften Vorbereitungen. Man spreche über nichts anderes als den Papst, heißt es dort. Fahnen mit den Insignien Kameruns und des Vatikans würden in den letzten Minuten aufgehängt, dazu Banner mit Aufschriften wie: "Kamerun, Land der Ökumene und des friedlichen Zusammenlebens der Religionen". Im Stadion baue ein Künstler ein Schiff für den Papst auf, das die katholische Kirche symbolisiere.
Ohne auf die europäischen Kontroversen der vergangenen Wochen einzugehen, lobt die Zeitung auf der Meinungsseite Benedikt XVI. als "moralische Figur und Orientierungspunkt", als "Gegengewicht" zu den Regierungen der Welt. "Afrika ist nicht besser oder schlechter als die anderen Akteure dieser Epoche", schreibt der Kommentator weiter: "Afrika hat seine Schwächen, seine Wunden, seine dunklen Nächte, aber auch seine Reichtümer und Tugenden. Vor allem aber liebt Afrika den Papst, es braucht ihn."
Gleichzeitig appelliert der Autor: "Lieber Heiliger Vater, die Afrikaner sind es leid, nichts zu erwarten in einer Welt, die sich globalisiert, ohne sich zu solidarisieren, inmitten von ungerechten und aufgezwungenen Regeln. Deine standhaften Ermahnungen zur Gerechtigkeit und Solidarität sind nützlich und wichtig."
Nüchterner fasste die private Tageszeitung "Le Messager" die geplanten Begegnungen in Kamerun zusammen und erwähnte auch kritische Stimmen. So hätten einige die Kosten der Visite bemängelt. Andere seien dagegen fest überzeugt, Benedikt XVI. komme, um Präsident Paul Biya, der ein "Gefangener esoterischer Sekten" sei, die Sünden auszutreiben.
Die Kirche in Afrika
Die sehr unterschiedliche Situation der katholischen Kirche in den Ländern Afrikas wird im Hinblick auf den ersten Besuch Benedikts XVI. deutlich. Im Norden des Kontinents sind die Katholiken - und die Christen insgesamt - heute nur mehr eine kleine Minderheit. Und dies, obwohl Afrika sich bewusst ist, dass Jesus als kleines Kind Flüchtling in Ägypten war. Nordafrika war eines der am frühesten christianisierten Gebiete, die Mega-Metropole Alexandrien einer der Brennpunkte der Entwicklung der christlichen Theologie, nordafrikanische Heilige wie Cyprian oder Augustinus waren prägend für die Entwicklung der Kirche.
Die Islamisierung hat im zweiten Jahrtausend einen großen Teil des afrikanischen Christentums beseitigt - obwohl unter der islamischen Oberfläche immer noch viel zu entdecken ist. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es unter dem Schlagwort der "Entkolonialisierung" zu einem neuerlichen Schub der Islamisierung, dem die im 19. Jahrhundert wiederaufgebaute kirchliche Struktur in den nordafrikanischen Staaten (mit Ausnahme von Ägypten) zum Opfer fiel.
Südlich der Sahara kam es ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem dramatischen Wachstum des Christentums und insbesondere der katholischen Kirche. Staaten wie Angola, Mocambique, Kongo-Kinshasa, Kongo-Brazzaville, Togo, Gabun, Lesotho, Ruanda, Burundi, Uganda sind weitgehend katholisch geprägt. Insgesamt sind nach Angaben des kirchlichen statistischen Jahrbuchs rund 200 Millionen der 900 Millionen Afrikaner Katholiken. Die Katholikenzahl wächst in Afrika doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. Wie aus dem Päpstlichen Jahrbuch 2009 hervorgeht, stieg die Zahl der Katholiken auf dem afrikanischen Kontinent zuletzt um drei Prozent.
Organisiert ist die Kirche in 53 afrikanischen Ländern in mehreren hundert Diözesen. Dem Kardinalskollegium gehören 15 Afrikaner an. Derzeitige Herausforderungen der Kirche in Afrika sind u.a. säkulare Tendenzen in einzelnen Ländern (vor allem solchen, die früher zur "Union Francaise" gehörten), das Erstarken neuer religiöser Gruppierungen (insbesondere der sogenannten "unabhängigen Kirchen" und der Pfingstkirchen) sowie der Umgang mit der AIDS-Problematik.
Der Afrika-Besuch des Papstes gilt zunächst Kamerun. Das 475.000 Quadratkilometer große Land wird wegen seiner vielfältigen Landschaften - Savannen, tropischer Regenwald, vulkanische Gebirge - auch als "Afrika en miniature" bezeichnet. Das Wildtierreservat Dja gehört zu den größten und besterhaltenen Regenwäldern Afrikas und ist seit 1987 Teil des UNESCO-Weltnaturerbes.
Von den geschätzten 18 Millionen Einwohnern lebt etwa jeder zehnte in der Hauptstadt Yaounde. Noch größer ist die Hafenstadt Douala, das Wirtschaftszentrum des Landes mit rund 3,5 Millionen Einwohnern. Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung sind Christen (die meisten Katholiken), 20 Prozent sind Muslime, vor allem im Norden des Landes.
Seit 1960 ist Kamerun unabhängig. Die Arbeitslosigkeit liegt bei etwa 25 Prozent. Seit 1982 ist Paul Biya Staatspräsident der Präsidialrepublik. Amtssprachen sind Französisch (das 80 Prozent der Bevölkerung verstehen) und Englisch; außerdem werden mehr als 200 lokale Sprachen gesprochen.
Kamerun hat einen Österreich-Bezug. Der einstige Apostolische Nuntius in Wien, Erzbischof Donato Squicciarini, war vor seiner Österreich-Mission (1989-2002) ab 1981 Nuntius in Yaounde. In seiner Zeit als Nuntius gelang Squicciarini u.a. die Gründung der "Universite Catholique d'Afrique Centrale" (UCAC). Auch nach seiner Übersiedlung von Yaounde nach Wien hielt Squicciarini die Beziehungen mit Kamerun aufrecht.
500-Jahr-Jubiläum in Angola
Nach seinem Besuch in Kamerun fliegt der Papst nach Angola weiter. Dort nimmt er an den Feiern zum 500-Jahr-Jubiläum der Evangelisierung teil. Dem durchschnittlichen europäischen Bewusstsein ist die reiche christliche Geschichte des heutigen Angola völlig fremd, weil sie nicht "ins Konzept passt". Das heutige Angola umfasst zwei Gebiete mit unterschiedlicher historischer Entwicklung: Einerseits die ehemalige portugiesische Kolonie, andererseits das einstige "Reino do Congo", das Königreich des Kongo, dessen Herrscher mit den Päpsten korrespondierten und die sich durchaus als ebenbürtig verstanden, auch wenn ihre Souveränität von den Portugiesen immer wieder in Frage gestellt wurde. Im portugiesischen antiklerikalen 19. Jahrhundert kam es in beiden Landesteilen zum Zusammenbruch der kirchlichen Struktur.
Im 20. Jahrhundert erfolgte der kirchliche Wiederaufbau, allerdings in enger Verzahnung mit dem von Antonio de Oliveira Salazar begründeten portugiesischen "Estado Novo". 1959 begann ein erster Aufstand der Afrikaner, der 1964 blutig niedergeworfen wurde. Auch ein weiterer Aufstand 1972/73 wurde niedergeschlagen. Als Folge der Revolution in Portugal ("Nelkenrevolution" 1974) erlangte Angola am 11. November 1975 seine Unabhängigkeit, worauf viele Angolaner unterschiedlicher Hautfarbe nach Portugal emigrierten. Unmittelbar nach der Unabhängigkeit begann ein von US-Amerikanern und Sowjets geschürter Bürgerkrieg, der mit Unterbrechungen bis 2002 dauerte. Infolge der bewaffneten Auseinandersetzungen von 1959 bis 2002 - die nach Schätzungen insgesamt eine Million Tote forderten - wurde die Infrastruktur des Landes weitgehend zerstört.
Angola umfasst drei Klimazonen: Im Norden und an der Küste ist es tropisch, im Südosten heiß und trocken und im Hochland, das den Hauptteil des Landes ausmacht, gemäßigt tropisch mit großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Angola ist zwar reich an Bodenschätzen, vor allem an Erdöl und Diamanten, gehört aber dennoch zu den ärmsten Ländern der Erde. Die Zugehörigkeit des Landes zur portugiesischsprachigen Welt ("lusitanidade") ist heute wieder selbstverständlich, insbesondere die Beziehungen mit Brasilien sind sehr intensiv.
Dank der Bodenschätze hat Angola derzeit das größte Wirtschaftswachstum Afrikas; die wirtschaftliche Lage der breiten Massen hat sich aber kaum gebessert. Bei den jüngsten Parlamentswahlen 2008 gewann die Partei des Staatspräsidenten Jose Eduardo dos Santos, die MPLA, mit 82 Prozent der Stimmen. Dos Santos ist seit 1979 Staatspräsident.
Angola hat eine junge Bevölkerung von rund 17 Millionen Einwohnern. Amtssprache ist Portugiesisch. Die Hauptstadt ist Luanda mit geschätzten drei Millionen Einwohnern. Etwa die Hälfte der Angolaner ist unter 18 Jahre alt. 60 Prozent sind Katholiken, 10 Prozent Protestanten.