"Ein Orient ohne Christen ist kein Orient mehr"
600 Menschen beteiligten sich in der Wiener Innenstadt am traditionellen "Schweigemarsch für verfolgte Christen". Mit Kardinal Christoph Schönborn und dem irakischen Erzbischof Louis Sako
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Wien, 28.3.09 (KAP) Mehr als 600 Menschen haben sich am Freitagabend in der Wiener Innenstadt am traditionellen "Schweigemarsch für verfolgte Christen" beteiligt. Angeführt von Kardinal Christoph Schönborn und Weihbischof Franz Scharl, dem lutherischen Altbischof und Vorsitzenden des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRKÖ), Herwig Sturm, sowie dem irakischen Erzbischof Louis Sako zogen die Teilnehmer von der Staatsoper über die Kärntner Straße zum Stephansdom. Auf Transparenten mit Aufschriften wie "Religionsfreiheit ist Menschenrecht" oder "Glaube braucht Freiheit" brachten sie ihre Solidarität mit verfolgten Christen in aller Welt zum Ausdruck. Zu dem Schweigemarsch hatte "Christian Solidarity International"-Österreich eingeladen.
750 irakische Christen seit 2003 ermordet
Beim anschließenden ökumenischer Wortgottesdienst im Stephansdom erinnerte Erzbischof Sako besonders an die prekäre Situation der Christen im Irak. Rund 750 Christen sind laut seinen Angaben seit dem Jahr 2003 ermordet worden, 200.000 aus dem Land geflüchtet. Mit den Flüchtenden gehe die Geschichte, Liturgie und Spiritualität des Christentums in dieser Region
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Erzbischof Sako |
verloren, unterstrich der chaldäisch-katholische Erzbischof von Kirkuk. Aber auch für die Muslime bringe die Emigration der in der Regel gut ausgebildeten und kulturell offenen Christen einen "großen Verlust" mit sich. "Ein Orient ohne Christen ist kein Orient mehr", warnte Sako.
Der Erzbischof drängte erneut auf Sicherheit und Gleichberechtigung für die irakischen Christen. Im Irak sei die Vielfalt der Religionen Realität; das müsse anerkannt werden. Schließlich respektierten auch die Regierungen im Westen die Muslime. "Wir wollen in Frieden mit unseren muslimischen Brüdern und Schwestern im Irak, unserer Heimat, leben", betonte der Erzbischof. Trotz der Angriffe hätten die Christen stets den Frieden und den Mut im Herzen behalten. Keiner habe sich wegen des gewaltsamen Drucks vom christlichen Glauben abgewendet. Die Christen wollten eine aktive Rolle im Friedensprozess und bei der Versöhnung übernehmen, erklärte Sako: "Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für alle Iraker ist unser tägliches Brot."
ÖRKÖ-Vorsitzender Herwig Sturm bezeichnete Erzbischof Sako am Ende der Feier als "authentischen Zeugen der Kraft des Glaubens". Mit dem Schweigemarsch hätten die Christen in Wien gezeigt, "dass wir Gottes Geist der Gerechtigkeit und Liebe mehr vertrauen, als dem Hass und der Gewalt".
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