Religionen und Medien: Enge Beziehungen und tiefe Kluft
Podiumsdiskussion der Katholischen Medien Akademie. Präsidentin des Verbandes katholischer Publizisten, Gabriele Neuwirth: "Medienverständnis gehört zum Job der kirchlichen Amtsträger"
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Rabbiner Prof. Walter Homolka, Gabriele Neuwirth (Verband Katholischer Publizisten), Heinz Nußbaumer (Herausgeber "Die Furche"), Evangelischer Bischof Michael Bünker, Christian Rainer (Herausgeber "profil"), Amena Shakir (Dozentin für Islamische Religionspädagogik) |
Wien, 31.3.09 (Studio Omega) Aufs engste miteinander verbunden, zugleich aber doch durch Welten getrennt. So präsentierten sich am Montag Abend in Wien Medien und Religionen im Rahmen einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion, die von der Katholischen Medien Akademie veranstaltet wurde. Der lutherische Bischof Michael Bünker plädierte dafür, dass die Kirchen auch heikle Themen nicht scheuen dürften und vor politischen Auseinandersetzungen nicht zurückschrecken sollten. Er wünsche sich mehr Offenheit so Bünker, mit der die Kirchen an die Medien und Öffentlichkeit herangehen sollten.
Grundsätzlich sei die Beziehung zwischen Medien und Religionen eine viel stärkere als dies etwa für die Bereiche Politik und Wirtschaft zutreffe, zeigte sich der Bischof überzeugt. Alle großen Religionsereignisse seien zugleich auch Medienereignisse.
Reibungsflächen sah Bünker in den medialen Prinzipien von Personalisierung, Emotionalisierung und Dramatisierung. Diese würden oft nicht zu den Religionen passen. In diesem Zusammenhang sprach sich der Leiter des Abraham-Geiger-Kollegs in Potsdam, Rabbiner Walter Homolka, dafür aus, dass sich die Verantwortlichen in den Religionsgemeinschaften mit den Mechanismen der Medienkultur auseinandersetzen müssten. Homolka verwies in diesem Zusammenhang auf den gerade laufenden Ausbildungslehrgang der katholischen Medienakademie für Studierende des Berliner "Abraham Geiger Kollegs". die Podiumsdiskussion war Teil des Lehrgangs.
In die selbe Kerbe wie Homolka schlug auch die Präsidentin des Verbandes katholischer Publizisten, Gabriele Neuwirth. Kirchliche Amtsträger müssten etwas von Medien verstehen, so Neuwirth, "das gehört einfach zum Job". Neuwirth ortete ein generelles Misstrauen von kirchlicher Seite gegenüber Medien und Journalisten. Wenn kirchliche Botschaften in den Medien nicht
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Veranstaltung in der Industriellenvereinigung |
"durchkommen", dann liege das aber vor allem an der Unverständlichkeit der kirchlichen Sprache, bemängelte sie. Zugleich kritisierte sie auch, "dass Transparenz den Religionsgemeinschaften kein großes Anliegen ist".
In Richtung Medien sagte die Präsidentin des Publizistenverbandes, dass Kirchen und Religionsgemeinschaften ein Anrecht auf differenzierte Berichterstattung hätten, das setze aber auch genügend Zeit bei den Journalisten voraus, was oftmals nicht mehr gegeben sei.
Megatrend Religion
Starke Worte kamen von "profil"-Chefredakteur Christian Rainer, der einen gesellschaftlichen "Megatrend Religion" bestätigte, und genau deshalb fänden sich auch viele religiöse bzw. kirchliche Themen in "profil", "und nicht weil die Redaktion so religiös ist". Von Vorurteilen der Medien gegenüber den Religionen wollte Rainer nicht sprechen, für ihn stelle sich das alles als Tatsachen dar: "Für mich ist Religion bzw. Gott undemokratisch, meist haben wir mit dubiosen Frauenbildern zu tun und Religionen sind sehr skeptisch gegenüber Medien und der Medienfreiheit."
Amena Shakir, Dozentin für Islamische Religionspädagogik in Wien, konterte Rainer vehement. Sie ortete beispielsweise ganz deutliche Vorurteile in den Medien gegenüber dem Islam. Untersuchungen hätten gezeigt, dass das mediale Bild von muslimischén Frauen von drei Stereotypen geprägt ist: Haremsdame, Opfer und Extremistin. Shakir: "Das sind Bilder, mit denen ich als Muslimin in Österreich sehr zu kämpfen habe, weil es keine Differenzierung gibt." Wie Neuwirth forderte auch Shakir mehr Professionalität von den Medien ein. "So wie im Sport- oder Wirtschaftsteil einer Zeitung nur Journalisten schreiben, die etwas von der Sache verstehen, muss das auch bei religiösen Themen sein."
Einen weiteren Mangel der heimischen Medienlandschaft sah Shakir darin, dass es keine gläubigen muslimischen Journalisten gibt. Walter Homolka wies im Laufe der Diskussion darauf hin, dass die Medien auch eine Korrektivfunktion hätten. So hätte das liberale Judentum in Deutschland seine Ansprüche und Rechte gegenüber dem Staat bzw. dem orthodoxen Judentum ohne die Medien nicht erfolgreich durchsetzen können.
Eine weitere Beobachtung des Rabbiners: Stark hierarchisch verfasste Religionen und Kirchen hätten größere Probleme mit Medien als solche mit wenig ausgeprägten Hierarchien.
Die Diskussionsveranstaltung im Wiener "Haus der Industrie" stand unter dem Motto "Gott und die Medien" und wurde von "Furche"-Herausgeber Heinz Nußbaumer moderiert.