Papst Benedikt tief betroffen über Erdbeben in Mittelitalien
Bis Montagnachmittag wurden 90 Tote geborgen; Hunderte Verletzte mussten in Krankenhäuser gebracht werden, über 45.000 Menschen sind ohne Obdach. Auch Äbtissin unter Opfern
Image (img2) invalid or missing |
Rom, 6.4.09 (KAP) Seine tiefe Betroffenheit über das schwere Erdbeben in der mittelitalienischen Region Abruzzen hat Papst Benedikt XVI. bekundet. Die Region war um 3.32 Uhr in der Nacht auf Montag von einem schweren Erdbeben der Stärke 5,8 auf der Richter-Skala betroffen worden. Das Epizentrum war etwa zehn Kilometer von der Regionalhauptstadt L'Aquila entfernt. Bis Montagmittag wurden 90 Tote (darunter fünf Kinder) geborgen; Hunderte Verletzte mussten in Krankenhäuser gebracht werden, 45.000 bis 50.000 Menschen sind ohne Obdach. Die Rettungsarbeiten gingen am Montag den ganzen Tag weiter, weil in den Trümmern eingestürzter Häuser noch Verschüttete vermutet wurden. Die Tätigkeit der Rettungstrupps war dadurch behindert, dass auch die Präfektur von Aquila eingestürzt ist, von wo aus die Arbeiten koordiniert werden sollten. Die ständigen Nachbeben führten immer wieder zu Panik. Auch mehrere Kirchen, darunter die Kathedrale von Aquila, wurden beschädigt.
In einem Telegramm an Erzbischof Giuseppe Molinari von Aquila äußerte der Papst seinen Schmerz über die Opfer, vor allem über die Kinder. Er ermutigte insbesondere die Hilfskräfte, die nach Verschütteten suchen und den Obdachlosen helfen.
Die "dramatische Nachricht von dem heftigen Erdbeben, das den Bereich Ihrer Diözese erschüttert hat, hat den Papst zutiefst bewegt", hieß es in dem von Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone unterzeichneten Telegramm. Der Papst bitte um Gottes Kraft für die Angehörigen der Opfer und erteile allen seinen besonderen Apostolischen Segen.
Katastrophenhelfer der "Barmherzigkeits-Bruderschaften" ("Misericordie") aus ganz Italien sind in das Erdbebengebiet der Region Abruzzen ausgerückt. Zunächst beteiligten sich nach Angaben der Organisation vom Montagmorgen Einsatzzüge von 28 Verbänden in Mittelitalien, darunter vier Suchhundestaffeln. Der Vorsitzende der "Misericordie", Gabriele Brunini, sagte im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR die landesweite Mobilisierung aller 700 Hilfsverbände zu.
Als Basis-Camp wurde den "Misericordie"-Leuten von der staatlichen Katastrophenhilfe die Ortschaft Coppito nahe der Stadt L'Aquila zugewiesen. Die Arbeiten koordiniert ein Leitzentrum am nationalen Sitz der "Misericordie" in Florenz.
"Es ist eine Tragödie, man kann nichts anderes sagen", betonte der Chefredakteur der Kirchenzeitung der benachbarten Diözese Teramo-Atri, Gino Mecca, im Gespräch mit SIR: "Unsere Solidarität gilt den am meisten betroffenen Familien in L'Aquila. Ich denke an die Menschen, die mitten in der Nacht vom Erdbeben heimgesucht wurden und in wenigen Augenblicken den Ertrag eines arbeitsreichen Lebens in Trümmer gehen sahen". Von Teramo aus seien sofort Feuerwehrleute, Ärzte und Sanitätspersonal nach L'Aquila aufgebrochen.
Auch Äbtissin unter den Opfern
Unter den Erdbebenopfern dürfte auch die Äbtissin des Klarissenkonvents von Paganica, Sr. Gemma Antonucci, sein. SIR berief sich in einer entsprechenden Meldung am Montag auf Aussagen des Caritasdirektors der Diözese L'Aquila, Dionisio Umberto Rodriguez Cuartas, der zugleich Pfarrer von Paganica ist. Rodriguez Cuartas sprach von bislang drei Toten in seiner Pfarre. Man müsse jedoch mit einer Erhöhung der Opferzahlen rechnen. Die Äbtissin sei unter Trümmern begraben worden, als das Dach ihres Klosters einstürzte.
Caritas: Lage "völlig verheerend"
Nach dem Erdbeben in Mittelitalien berichten Hilfsorganisationen von dramatischen Zuständen in L'Aquila, der Hauptstadt der betroffenen Region Abruzzen. Die Lage sei "völlig verheerend", die Bevölkerung verängstigt, sagte Augusto Ippoliti von der diözesanen Caritas der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR: "Fünf- oder sechsstöckige Wohnhäuser sind zusammengefallen, viele sind einsturzgefährdet". Noch immer könne man sich in der Stadt nicht fortbewegen, veiel Verbindungen seien unterbrochen. Zahlreiche Bewohner zerstörter Häuser hätte sich auf Felder oberhalb von L'Aquila geflüchtet. Auch das Erzbischöfliche Palais und die Caritas-Zentrale hätten "beachtliche Schäden" erlitten, sagte Ippoliti.