Vor 800 Jahren wurde Franziskaner-Regel bestätigt
Am 16. April 1209 bestätigte Papst Innozenz III. die Regel des Franz von Assisi mündlich. Generalminister rief für heuer Jubiläumsjahr aus. Über 130 Brüder in Österreich, 15.000 sind es weltweit
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Über 130 Franziskaner wirken in Österreich und Südtirol |
Mit einem "Mattenkapitel" in Assisi erinnern die Franziskaner an die mündliche Bestätigung ihrer Ordensregel vom 16. April 1209 durch Papst Innozenz III. Generalminister José Carballo rief für 2009 ein Jubiläumsjahr aus.
Der Name der Zusammenkunft bezieht sich auf das erste große Treffen noch zu Lebzeiten des Heiligen Franziskus, als die rund 5.000 Brüder keinen Platz in den Herbergen des umbrischen Landstädtchens fanden und deshalb auf mitgebrachten Flechtmatten nächtigten. Jetzt sind es 2.000 Teilnehmer aus 65 Ländern, die von Mittwoch bis Samstag Stand und Zukunft der franziskanischen Bewegung erörtern.
Der Heilige Franziskus
Franziskus, einst Kaufmannssohn und Lebemann, begann seinen geistlichen Weg mit einer radikalen Umkehr zum Evangelium. Seitdem gibt es in der franziskanischen Bewegung immer wieder die Besinnung auf die radikalen Anfänge: Im Streit um die Auslegung der Ordensregel spalteten sich nach 1250 die Spiritualen ab, 1517 trennten sich die Konventualen - heute Minoriten genannt - von den Observanten - im Sprachgebrauch Franziskaner. 1525 formten sich die Kapuziner; ihr Gründer tarnte sich auf der Flucht als Kamaldulenser. Ähnlich bewegt gestaltete sich die Geschichte des weiblichen Ordenszweigs und der franziskanisch lebenden Laien, der sogenannten Terziaren.
Die Herausforderungen und Anliegen
Pater Rupert Schwarzl, Provinzial der Franziskanerprovinz vom heiligen Leopold in Österreich und Südtirol, zum 800-Jahr-Jubiläum: "Jubiläen mit runden Zahlen nimmt man gerne zum Anlass, mit Freude auf ein langes Bestehen hinzuweisen." Großes und Beeindruckendes hät-ten die
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Franziskaner im Laufe der Geschichte auch in den Klöstern und Werken in Österreich und Südtirol geleistet, blickt der Provinzial zurück.
Dem Franziskaneroberen ist wichtig: „Die Franziskaner sind immer bei den Menschen und für die Armen da gewesen.“ Aber, so der Provinzial: „Unser Jubiläum ist für mich auch wie ein Aussichtsturm für eine neue Standort-bestimmung. Denn der Orden steht vor neuen Herausforderungen.“ Pater Schwarzl nennt den Einsatz gegen die Armut, die Bewahrung der Schöpfung, das Bemühen um Frieden und Ge-rechtigkeit sowie die Verkündigung des Evangeliums als zentrale Themen.
"Ein Herzensanliegen von mir ist es, junge Männer für den Franziskanerorden zu begeistern. Den Fußspuren des heiligen Franziskus heute zu folgen, ist zweifelsohne eine Herausforderung, aber
auch erfüllend und schön", betont Provinzial Pater Rupert Schwarzl.
Die Initiativen der Klöster
Höhepunkt des Jubiläumsjahres sind Festgottesdienste am 4. Oktober, dem Festtag des Heiligen Franz von Assisi, in allen Franziskanerkirchen der Provinz. Zahlreiche Pilgerreisen führen nach Assisi. Die Franziskaner laden im August 2009 junge Menschen aus ganz Europa zu einem großen franziskanischen Jugendtreffen nach Santiago de Compostela.
Im Kloster Salzburg wird das Jubiläumsjahr besonders bei der „Nacht der Langen Kirchen“ (5. Juni) betont. Der Konvent im burgenländischen Frauenkirchen organisiert zum Jubiläum eine Ausstellung zum Thema „Franziskaner im Heiligen Land“. Die Schau wird am 19. April eröffnet und dauert bis November 2009. Die Brüdergemeinschaft in Enns veranstaltet am 13. Juni ein großes Spielefest. Weitere Klöster arbeiten derzeit an Projekten zum Jubiläumsjahr, die Planung steht aber mancherorts erst am Beginn. Prof. Johannes Ebenbauer, der musika-lisch eng mit den Franziskanern zusammenarbeitet, arbeitet an einer zeitgemäßen Vertonung des „Sonnengesangs“ von Franziskus.
Über 130 Brüder in der Provinz
Derzeit zählen über 130 Brüder zur „Franziskanerprovinz Austria vom hl. Leopold in Öster-reich und Südtirol“. Die „Franziskanerprovinz Austria“ ist dem heiligen Markgrafen Leopold III. von Österreich geweiht und wurde im Oktober 2007 als Zusammenschluss der Tiroler mit der Wiener Ordensprovinz gegründet. Die Provinz umfasst 25 Klöster, das Provinzialatshaus befindet sich in Salzburg. Seelsorglicher Schwerpunkt ist die Betreuung von Pfarreien und Wallfahrtsorten. In Bozen in Südtirol und Hall in Tirol unterhält der Orden jeweils ein huma-nistisches Gymnasium und ein Schülerheim. Elf Brüder aus der Provinz Austria sind als Mis-sionare in Bolivien und Südafrika im Einsatz.
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Generalminister José Carballo |
Zahlreiche franziskanische Organisationen arbeiten für globale Anliegen. Ein Beispiel ist der „Rosenkranz-Sühnekreuzzug um den Frieden in der Welt“ (RSK), der von Pater Petrus Pavlicek OFM gegründet wurde. Er hat weltweit Hunderttausende Mitglieder. In Österreich ist die Maria-Namen-Feier des RSK im September in der Wiener Stadthalle die größte regelmäßige religiöse Feier des Landes.
Franziskanische Familie international
Im Jubiläumsjahr tagt von 24. Mai bis 20. Juni in Assisi das Generalkapitel des Ordens. Dabei wird auch der Generalminister gewählt.
Die Minoriten hielten in den vergangenen zehn Jahren etwa ihren Stand von 4.500 Mitgliedern. Die Kapuziner - augenblicklich knapp 11.100 - gingen im letzten Jahrzehnt um 250 zurück; seit 1979 waren es über 1.200. Bei den Franziskanern vollzog sich - nach einem erklecklichen Wachstum noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts - ein starker Rückgang: Von gut über 21.300 im Jahr 1979 auf 15.130.
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