200.000 Wiener Christen feiern am Sonntag Ostern
In allen orthodoxen und altorientalischen Kirchen Wiens finden feierliche Osterliturgien statt. Die vielfach erhoffte dauerhafte Harmonisierung des Osterdatums dürfte noch in weiter Ferne liegen
Image (img2) invalid or missing |
|
200.000 Christen feiern in Wien am Sonntag die Auferstehung Jesu |
Wien, 17.4.09 (KAP) Rund 200.000 orthodoxe und altorientalische Christen in Wien und Umgebung feiern am Samstagabend und Sonntag das Osterfest. In allen orthodoxen und altorientalischen Kirchen der Bundeshauptstadt finden feierliche Osterliturgien statt.
Auf Grund der historischen Tradition Österreichs finden sich in Wien Gemeinden fast aller orthodoxen Kirchen. Mit außerordentlicher Feierlichkeit wird die Osterliturgie in den beiden Wiener orthodoxen Kathedralen begangen: Der griechisch-orthodoxen Dreifaltigkeitskathedrale am Fleischmarkt und der russisch-orthodoxen St. Nikolaus-Kathedrale in der Jauresgasse im 3. Bezirk.
In der serbisch-orthodoxen Auferstehungskirche in Wien-Leopoldstadt (Engerthstraße 160), Österreichs größtem orthodoxen Gotteshaus, beginnt die Osterliturgie am Samstag um Mitternacht. Die serbisch-orthodoxe Kirche zählt in Wien und Umgebung mehr als 130.000 Gläubige. In Wien existiert seit 1860 eine serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde. 1893 wurde die erste serbische Kirche im 3. Wiener Gemeindebezirk zu Ehren des Heiligen Sava geweiht. Die Gründung einer zweiten Pfarrgemeinde in Hernals erfolgte im Zug der Immigration der "Gastarbeiter" und ihrer Familien ab den späten sechziger Jahren. 2002 wurde die Auferstehungskirche in der Leopoldstadt geweiht.
In der rumänisch-orthodoxen Kirche in Simmering feiert Bischofsvikar Nicolae Dura am Sonntag um 10 Uhr die Auferstehungsmesse. Die Pfarre der Wiener orthodoxen Rumänen ist schon mehr als 100 Jahre alt. Erster Gottesdienstraum war ab 1906 die Kapelle im Palais Dietrichstein in der Löwelstraße. Auch in den anderen Wiener orthodoxen Kirchen - der bulgarischen, georgischen, antiochenischen, mazedonischen usw. - finden festliche Ostergottesdienste statt.
Die vielfach erhoffte dauerhafte Harmonisierung des Osterdatums dürfte noch in weiter Ferne liegen. "Ostkirchen" und "Westkirchen" interpretieren nach wie vor die Festlegungen der frühchristlichen Konzilien unterschiedlich. Schon bei den frühesten Christen gab es auf Grund unterschiedlicher Angaben über die Datierung der Passion in den drei synoptischen Evangelien
| Image (img3) invalid or missing |
|
Auferstehungsikone, Wandmalerei in der Wiener russisch-orthodoxen Kathedrale |
(Matthäus, Markus, Lukas) und im Johannesevangelium Auseinandersetzungen um das "richtige" Osterfestdatum. Dazu kommen die Auswirkungen der Kalender-Reform von Gregor XIII. aus dem Jahr 1582. Seine neue Zeiteinteilung wurde in der orthodoxen Welt - zumindest hinsichtlich des Ostertermins - nicht mitvollzogen. In der Neuzeit gab es mehrere Vorstöße, den Ostertag verbindlich für alle Christen auf einen bestimmten Sonntag festzulegen. 1897 wandten sich Repräsentanten der astronomischen Wissenschaft diesbezüglich an den Papst, 1931 auch der Völkerbund.
Ein gemeinsamer Termin der christlichen Kirchen für das Osterfest und die wechselseitige Anerkennung der Taufe gehören nach Ansicht von Kardinal Walter Kasper, Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, aktuell zu den wichtigsten Themen der ökumenischen Bewegung. Bei der Vollversammlung des Weltkirchenrates (ÖRK) in Porto Alegre vor drei Jahren hatte der Kardinal die Übereinstimmung mit dem Vorsitzenden des ÖRK-Zentralausschusses, Katholikos Aram I., in dieser Einschätzung hervorgehoben: "Es wäre ein gewaltiger Schritt nach vorne, wenn wir bei diesen Themen voran kämen". Der Weltkirchenrats-Entwurf sieht vor, den Ostertermin weiterhin auf den Sonntag zu legen, der dem ersten Frühlingsvollmond folgt. Die astronomischen Daten, das heißt die Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche, sollen dabei nach "genauest möglichen wissenschaftlichen Methoden" und computergestützt bestimmt werden. Als Grundlage der Berechnungen soll nicht der Null-Meridian von Greenwich, sondern der Längengrad von Jerusalem benutzt werden.