"Papst spricht für gesamte Christenheit"
Saarbrücken, 27.5.06 (KAP) Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Berliner Bischof Wolfgang Huber, hat die Bedeutung des Papstes auch für Protestanten betont. Man respektiere den Papst nicht nur, sondern sei dankbar, wenn er mit seiner Autorität in bestimmten Situationen mit guten Gründen für die gesamte Christenheit spreche, sagte Huber am Samstag in Saarbrücken beim 96. Deutschen Katholikentag. Dies könne sich aber jeweils nur aus inhaltlicher Glaubwürdigkeit ergeben, nicht aus einer formalen Funktion. Der Papst könne über die katholische Kirche hinaus niemals eine Leitungsfunktion haben, so der Berliner evangelische Bischof.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, räumte bei der Diskussion ein, dass das Papstamt in seiner heutigen Gestalt nicht nur biblisch begründet sei, sondern sich auch durch historische Einflüsse entwickelt habe. Darin liege aber auch eine Chance für die Zukunft. Bischof Huber sagte, er erwarte, dass unterschiedliche Kirchenverständnisse gegenseitig respektiert werden. Bei der Ökumene gehe es nicht um "Rückkehr", sondern um die Gestaltung der gemeinsamen Zukunft der Kirchen.
Kritik an Schlagzeile
Der katholische Wuppertaler Theologe Thomas Söding räumte ein, dass eine "Vielzahl von Zufällen" zur Ausprägung des Papst-Amtes geführt habe. Doch an dessen Berechtigung wollte er nicht rütteln lassen. Die nach der Wahl von Joseph Ratzinger zum Papst in der "Bild"-Zeitung erschienene Schlagzeile "Wir sind Papst" nahm Bischof Huber aufs Korn: Es sei deplaciert gewesen, die nationale Zugehörigkeit so hervorzuheben. Dies sei ein "Ton der nationalen Selbstherrlichkeit".