100 Priesterseminaristen aus ganz Österreich in Linz
Linz, 27.5.06 (KAP) Zum 200-jährigen Bestehen des Linzer Priesterseminars kamen am Samstag rund 100 Priesterseminaristen und ihre Regenten und Spirituale aus ganz Österreich nach Linz. In Österreich gibt es derzeit 136 Priesterseminaristen in der Ausbildung in diözesanen Seminaren, davon zehn in Linz. Nicht berücksichtigt sind in dieser Zahl die Priesterkandidaten der Orden und Stifte Österreichs, sowie der internationalen Priesterseminare "Collegium Canisianum" in Innsbruck, "Redemptoris Mater" in Wien und "Collegium Rudolphinum" in Heiligenkreuz. Die internationalen Seminare waren aber beim Treffen in Linz vertreten.
Der Regens des Linzer Priesterseminars, Maximilian Mittendorfer, formulierte die Ziele der Priesterausbildung. Die jungen Priester sollten zu "reifen Persönlichkeiten" herangebildet werden. Selbstverständlich sei der Priester "auch ein Mensch", aber im Sinn des biblisch-christlichen Menschenbildes, fähig, sich selbst anzunehmen, beziehungsfähig, arbeitsfähig, konfliktfähig. Eine "gesunde Spiritualität" bedeute ein Gebetsleben, das im Alltag trägt; der Priester soll, so Mittendorfer, "das Herz bei Gott und bei den Menschen haben können". Es gehe darum, den Glauben mit dem Leben zu verbinden; als Theologe müsse der Priester den Glauben mit Vernunft verantworten können, er müsse aber auch im Stande sein, diesen Glauben anderen zu vermitteln.
Besondere Bedeutung wies Mittendorfer der Einübung in die praktische Seelsorge zu, etwa durch das Mitleben in einer Bezugspfarre, aber auch durch vielfältige Praktika, "ob als Hilfsarbeiter, als Pfleger, in der Kirchenbeitragsstelle oder im eigentlichen pastoralen Dienst".
Als Voraussetzungen für die Aufnahme benannte der Linzer Regens: männlich, römisch-katholisch, gläubig und bereit, sich auf einen Entwicklungsprozess einzulassen, ledig und bereit, ein zölibatäres Leben zu führen, ausreichende physische und psychische Gesundheit, Matura oder Studienberechtigungsprüfung bzw. abgeschlossenes oder angefangenes Studium, abgeleisteter Militär- oder Zivildienst. Im Herbst nach der Aufnahme absolvieren die Kandidaten ein "Propädeutisches Jahr" (Vorbereitungsjahr) im Canisiusheim in Horn (Niederösterreich). Schwerpunkte sind dabei Persönlichkeitsbildung, Spiritualität (Einübung von Gebetsformen, geistliche Exerzitien), Sozialpraktikum und Bibelschule.
Mittendorfer unterstrich, dass in Linz neben dem Theologiestudium Wert auf das Gemeinschaftsleben im Priesterseminar und Kontakt zu einer "Bezugspfarre" gelegt wird. Ein Externjahr an einer anderen Universität im In- oder Ausland wird empfohlen. Nach Abschluss des Studiums arbeiten die Linzer Kandidaten ein Jahr in einer ausgewählten "Lehrpfarre" mit und absolvieren den "Pastorallehrgang" an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität. In der Regel werden die Kandidaten im Dezember zu Diakonen geweiht, Ende Juni erfolgt dann die Priesterweihe.