Wien: Diözesanmuseum lädt zur "Spurensuche"
Wien, 31.5.06 (KAP) Das Wiener Dom- und Diözesanmuseum präsentiert vom 1. Juni bis 2. September die Sonderausstellung "Drei Jesuiten - Ein Jubiläum. Spurensuche in Wien". Anlässlich des aktuellen Jubiläumsjahres der Jesuiten werden rund 25 ausgewählte Objekte aus dem Besitz des Ordens in Österreich gezeigt. Die Ausstellung ist dem Ordensgründer Ignatius von Loyola sowie seinen beiden Gefährten der ersten Stunde, Franz Xaver und Peter Faber, gewidmet (heuer gedenken die Jesuiten des 450. Todestages von Ignatius sowie des 500. Jahrestages der Geburt von Franz Xaver und Petrus Faber.) Zu sehen sind zahlreiche Portraits und Darstellungen der drei Jesuiten. Weiters zeigt das Diözesanmuseum auch eine Kopie des Briefes von Ferdinand I. aus dem Jahr 1550 an Ignatius mit der Bitte um Gründung eines Jesuitenkollegs in Wien. Die Bilder und weiteren Ausstellungsgegenstände werden auch jeweils mit Textauszügen aus den Schriften des Heiligen Ignatius "begleitet".
Vom Jesuitenorden wisse man in der Öffentlichkeit viel zu wenig, so Museumsdirektor Gerhard Ederndorfer am Mittwoch bei der Presseführung. Nicht zuletzt deshalb habe man sich zu dieser Sonderausstellung entschlossen, die auch einige Hinweise auf das gegenwärtige Wirken der Jesuiten in Österreich umfasst.
Die Ausstellung im Diözesanmuseum ist Ausgangspunkt eines "Jesuitenpfades" durch die Wiener Innenstadt, auf dem Interessierte an neun weiteren Orten den Spuren der "Gesellschaft Jesu" folgen können. Neben bekannten Orten wie der Universitätskirche oder der Kirche St. Anna laden auch verborgene Räume wie etwa die Jesuitengruft in der Kirche Am Hof zu einem Besuch ein. Die Jesuitengruft birgt nicht nur die Gräber zahlreicher Wiener Jesuiten des 18. Jahrhunderts, sondern auch eine bislang selbst in Fachkreisen wenig bekannte Pieta' aus Sandstein, die den Heiligen Ignatius als einen Zeugen der Passion Christi darstellt. Die markanten Züge seiner Gesichtsdarstellung lassen vermuten, dass der Bildhauer die Totenmaske des Heiligen kannte.
Öffentliche Führungen auf dem "Pfad" finden im Juni jeweils an Donnerstagen um 15 Uhr statt. Weitere Termine für Gruppen sind nach Vereinbarung möglich (Informationen: Internet: www.jesuiten.at). Die Sonderausstellung im Dom- und Diözesanmuseum ist von Dienstag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr zu besichtigen.
Gründerväter der Jesuiten
Ignatius von Loyola (1491-1556) studierte in Barcelona, Alcala, Salamanca und Paris Philosophie und Theologie. In Paris gewann er erste Gefährten, mit denen er nach Jerusalem wollte. Als dies nicht möglich war, stellte sich die internationale Gruppe in den Dienst der Kirche unter der Leitung des Papstes. 1540 wurde die "Gesellschaft Jesu" bestätigt, deren Mitglieder ("Jesuiten") sich weltweit für Mission, Glaube und Gerechtigkeit einsetzten. Ignatius wurde der erste Generalobere der Gemeinschaft und 1622 zugleich mit seinem Gefährten Franz Xaver heilig gesprochen.
Franz Xaver (1506-1552) stammte wie Ignatius aus einer baskischen Adelsfamilie und gehörte zu den Gründervätern des Jesuitenordens. Gemeinsam mit Ignatius und vier weiteren Gefährten wurde er 1537 in Venedig zum Priester geweiht. In die Geschichte ging Xaver als der große Missionar ein, der 1540 nach Indien und Japan aufgebrochen war, bis ihn vor den Toren Chinas die Kräfte verließen und er am 3. Dezember 1552 auf der Insel Sanzian starb.
Peter Faber (1506-1546) stammte aus einer Bauernfamilie in Savoyen und studierte elf Jahre an der Pariser Universität, wo er auf Ignatius traf, dessen vertrauter Freund und Gefährte er wurde. Faber reiste durch halb Europa, als erster Jesuit wirkte er u.a. auch in Deutschland. 1872 wurde Faber von Papst Pius IX. selig gesprochen.
Jesuiten in Wien
Die Geschichte der Jesuiten in Wien nahm mit der Bitte Ferdinands I. an Ignatius von Loyola 1550 ihren Anfang. Schon im Jahr darauf kamen die ersten Jesuiten nach Wien, wo sie vorerst im Dominikanerkloster Quartier nahmen. 1553 gründeten sie eine Lateinschule mit kostenlosem Unterricht, 1554 übernahmen sie das Karmeliterkloster und die Kirche Am Hof und begannen einen eigenen Vorlesungsbetrieb in Philosophie und Theologie. 1624 wurde der Grundstein zur Errichtung der Universitätskirche gelegt. Vier Jahre später erfolgte der Neubau eines Noviziatshauses mit Kirche in der Annagasse. 1746 errichteten die Jesuiten das "Collegium Theresianum", ein Gymnasium für Adelssöhne.
Als der Orden 1773 aufgehoben wurde, wirkten rund 350 Ordensangehörige in Wien. Erst 1853 konnte die "Gesellschaft Jesu" nach Wien zurückkehren. Drei Jahre später gründete der Orden die Internatsschule in Kalksburg, 1884 wurde das kaiserliche Jagdschloss in Lainz zur Gründung eines Hauses für Exerzitien erworben. Während des Nationalsozialismus waren die Jesuiten zahlreichen Repressalien ausgesetzt. P. Georg Bichlmair gründete die "Hilfsstelle für nicht-arische Katholiken", die nach seiner Verhaftung 1939 von P. Ludger Born im Auftrag Kardinal Innitzers weitergeführt wurde.
In Verbindung mit dem Lainzer Exerzitienhaus wurden 1968 für die Zwecke der Erwachsenenbildung ein neues Bildungshaus und die Konzilsgedächtniskirche errichtet. Das Bildungshaus spielt heute als "Kardinal-König-Haus" eine wichtige Rolle in der Wiener Bildungslandschaft. Derzeit wirken rund 35 Jesuiten in Wien.