Stiftung "Pro Oriente" mit Ökumene-Preis ausgezeichnet
München, 6.6.06 (KAP) Die Wiener Stiftung "Pro Oriente" wurde gemeinsam mit dem rumänisch-orthodoxen Kirchenhistoriker Prof. Viorel Ionita mit dem Abt-Emmanuel-Heufelder-Preis 2006 der niederbayrischen Benediktinerabtei Niederaltaich ausgezeichnet. Die Auszeichnung wurde für besondere Verdienste um die Verständigung zwischen der katholischen Kirche und den Ostkirchen verliehen.
P. Gerhard Voss, Rektor des Ökumenischen Instituts der Abtei Nieraltaich, würdigte in seiner Laudatio das beispielhafte Wirken von "Pro Oriente". Gerade in einer Zeit, in der in manchen europäischen Ländern das Interesse an der geistig-religiösen Welt Ost- und Südosteuropas im Schwinden sei, komme "Pro Oriente" eine prophetische Aufgabe zu. P. Voss ging auch auf die Leistungen der Stiftung im Bereich der Forschung über das Entstehen der unierten Kirchen ein. Dass die Versöhnung der Kirchen nicht ohne die gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte möglich sei, darauf habe schon Papst Johannes Paul II. immer wieder hingewiesen. "Pro Oriente" setze diese "Reinigung des Gedächtnisses" seit mehr als 40 Jahren in zahlreichen Projekten praktisch um.
Auch Prof. Ionita habe sich in seiner Funktion als Studienleiter der "Konferenz Europäischer Kirchen" (CEC) in Genf große Verdienste um die Versöhnungsarbeit erworben, so P. Voss. Der Professor für Kirchengeschichte in Bukarest studierte nach seiner Promotion auch katholische und evangelische Theologie in Bonn. Viorel Ionita wurde vor allem für seinen außergewöhnlichen Einsatz für die europäische "Charta Oecumenica" und das Projekt der "Heilung der Erinnerung" in Osteuropa geehrt.
In einem Grußwort würdigte auch Kardinal Walter Kasper, Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, die Leistungen von "Pro Oriente" und Prof. Ionita. Wer den Namen "Pro Oriente" hört, denke unweigerlich an Kardinal Franz König, so Kasper. Mit dessen Person und seinem Einsatz für eine ökumenische Verständigung sei die Stiftung "Pro Oriente" untrennbar verbunden. Nicht weniger überzeugend sei auch das Engagement seines Nachnachfolgers, Kardinal Christoph Schönborn. Prof. Ionita sei es wiederum besonders zu verdanken, so der Kardinal weiter, dass die "Charta Oecumenica" auf orthodoxer Seite große Zustimmung gefunden habe.
Begegnung miteinander suchen
Prof. Ionita ging in seinen Dankesworten auch auf die "Charta Oecumenica" ein, die von den damaligen Präsidenten der CEC und des "Rates Europäischer Bischofskonferenzen" (CCEE) am 22. April 2001 in Straßburg unterzeichnet wurde. In dem Dokument werde unterstrichen, dass für die Christen die Ökumene mit der "Erneuerung der Herzen und der Bereitschaft zu Busse und Umkehr" beginnen müsse. Die Kirchen sollten sich verpflichten, "Selbstgenügsamkeit zu überwinden und Vorurteile zu beseitigen, die Begegnung miteinander zu suchen und füreinander da zu sein", so Prof. Ionita.
Dies habe auch Auswirkungen auf die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung (EÖV3) in Sibiu 2007. Die Teilnehmer würden die Chance wie auch die Verantwortung haben, die Anliegen der Kirchen gegenüber Politik und Wirtschaft zum Ausdruck zu bringen. "Mit anderen Worten soll dabei die Mission der Kirchen im heutigen Europa sichtbar und hörbar gemacht werden", so der Kirchenhistoriker wörtlich. Voraussetzung dafür sei es aber, so Ionita, mit einer Stimme zu sprechen. Dazu gehöre auch der Wille aller Kirchen, "sich miteinander zu versöhnen, damit sie in der Gesellschaft versöhnend wirken können". Prof. Ionita ist seit 1994 Studienleiter der "Konferenz Europäischer Kirchen".
Einen Überblick über das vielfältige Wirken von "Pro Oriente" gab der Präsident der Stiftung, Hans Marte. Einer der Schwerpunkte sei dabei seit einigen Jahren der europäische Einigungsprozess. "Dies im Bewusstsein, dass die materielle Ebene und insbesondere der Markt nicht in der Lage sein werden, die für die EU nötige Identität und Solidarität zu schaffen", so Marte wörtlich. Dazu brauche es trotz aller Spaltungen die gemeinschaftsstiftende Kraft der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Wie Marte weiter sagte, sei es kein Zufall gewesen, dass Papst Johannes Paul II. das Streben nach sichtbarer Einheit aller Christen in einen engen Zusammenhang mit dem europäischen Einigungsprozess gestellt hatte.
"Pro Oriente" wurde 1964 von Kardinal Franz König (1905-2004) gegründet, um die Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche und den orthodoxen bzw. altorientalischen Kirchen zu fördern.
Der Abt-Emmanuel-Heufelder-Preis wird alle zwei bis drei Jahre vergeben. Niederaltaich ist bekannt für seine ökumenische Ausrichtung, die auf Abt Emmanuel Heufelder (1898-1982) zurückgeht. Im Kloster werden Gottesdienste im lateinischen wie im byzantinischen Ritus gefeiert.