Rumänisch-orthodoxer Patriarch Daniel I. besuchte Österreich
Rumänisch-orthodoxer Patriarch wurde bei Festakt in der Nationalbibliothek zum Ehrenprotektor der Stiftung "Pro Oriente" ernannt - Gedenken an Kardinal König bei Besuch im Stephansdom
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| Patriarch Daniel I. (Ciobotea) |
Wien, 16.6.09 (Katholisch.at) Der rumänisch-orthodoxe Patriarch Daniel I. (Ciobotea) besuchte von 12. bis 16. Juni Österreich. Eigentlicher Anlass des Besuchs war die Weihe der beiden neuen rumänisch-orthodoxen Gotteshäuser in Wien und Salzburg. Zugleich hat der Besuch hohe ökumenische Bedeutung. Der Österreichbesuch war die erste Auslandsreise des rumänisch-orthodoxen Patriarchen überhaupt nach seinem Antrittsbesuch beim Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., Anfang Juni.
Begleitet wurde Patriarch Daniel von einer hochrangigen Delegation, der u.a. der rumänisch-orthodoxe Metropolit von Deutschland und Zentraleuropa, Serafim (Joanta), der Metropolit von Ardeal, Laurentiu (Streza), sowie der Metropolit von Targoviste, Nifon (Mihaita), angehören.
Im Rahmen seines Österreichbesuchs ist der rumänisch-orthodoxe Patriarch Daniel I. (Ciobotea) am Montagabend in Wien zum Ehrenprotektor der Stiftung "Pro Oriente" ernannt worden. Der Fesakt aus Anlass seines Besuches fand im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek statt. In seiner Festansprache bekräftigte der Bukarester Patriarch das Bekenntnis seiner Kirche zur Ökumene, sowohl auf nationaler wie auch europäischer Ebene. Die rumänisch-orthodoxe Kirche habe sich von Anfang an auch zum pro-europäischen Kurs Rumäniens bekannt, und als größter orthodoxer Kirche eines EU-Mitgliedsstaates komme ihr eine besondere Bedeutung zu, so der Patriarch. Das vereinte Europa müsse mehr sein als eine bloße politische und wirtschaftliche Union. Es brauche vor allem auch geistliche und moralische Grundwerte.
In seiner Rede ging Daniel I. auch auf die Situation seiner Kirche in Rumänien ein und unterstrich das Bemühen, die spirituelle und soziale Dimension des Glaubens als Einheit zu vermitteln. So habe die rumänisch-orthodoxe Kirche 345 Sozialeinrichtungen neu aufgebaut, u.a. Sozialkantinen, Gesundheitszentren und andere Einrichtungen für Kinder, Ältere und Bedürftige. In Zeiten der Wirtschaftskrise wolle man dieses Engagement nun noch ausbauen, kündigte der Patriarch an.
Er berichtete auch von einem aufblühenden religiösen Leben und einem geglückten kirchlichen Wiederaufbau nach dem Ende des Kommunismus. In öffentlichen Schulen wurde der Religionsunterricht wieder eingeführt, fast 2.000 Kirchen wurden neu gebaut, zahlreiche Klöster wurden eröffnet. In 637 Klöstern leben heute mehr als 8.000 Nonnen und Mönche. In 13.527 Pfarrgemeinden arbeiten 14.513 Priester und Diakone. Auch für die zahlreichen Gläubigen in der Diaspora bemühe man sich erfolgreich um den Aufbau geeigneter Kirchenstrukturen. So habe die rumänisch-orthodoxe Kirche allein 2008 vier neue Diözesen im Ausland gegründet, berichtete Daniel I.
Weihbischof Helmut Krätzl betonte in seinem Grußwort, dass die katholische Kirche die Freude über die zwei neuen rumänisch-orthodoxen Kirchen in Wien-Simmering und Salzburg teile. Er erinnerte auch an die vielen Kontakte zwischen der katholischen und der rumänisch-orthodoxen Kirche in Wien, die vor allem auch mit dem Namen Kardinal Franz König verbunden seien.
Auch der rumänisch-orthodoxe Metropolit Serafim (Joanta) würdigte Kardinal Königs Verdienste und jene der Stiftung "Pro Oriente", die König 1964 eingerichtet hat. Und der Wiener rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura lobte das besondere ökumenische Klima in Österreich und sagte wörtlich: "Hier gibt es kein Nebeneinander der Kirchen sondern ein ehrliches Miteinander."
Zum Abschluss des Festaktes zeichnete Patriarch Daniel I. "Pro-Oriente"-Präsident Johann Marte mit dem Orden des Heiligen Stephan des Großen und "Pro Oriente"-Generalsekretärin Marion Wittine mit der Medaille des Heiligen Basilius aus.
Besuch am Sarg Kardinal Königs
Auch am Dienstagvormittag stand der Österreichbesuch von Patriarch Daniel I. im Zeichen des Gedenkens an Kardinal König. Bei einem Besuch im Stephansdom suchte der rumänisch-orthodoxe Patriarch u.a. das Grab des 2004 verstorbenen Kardinals auf und sprach ein Gebet.
Zuvor war Patriarch Daniel I. mit Bundespräsident Heinz Fischer zu einer rund halbstündigen Unterredung zusammengetroffen. Bei der Begegnung in der Wiener Hofburg ging es um die Beziehungen zwischen Staat und Kirche in Rumänien und in Österreich, wie Bundespräsident Fischer im Gespräch mit "Kathpress" erklärte. Fischer zeigte sich erfreut über die gute Entwicklung der rumänisch-orthodoxen Kirche in Österreich. Patriarch Daniel überbrachte dem Bundespräsidenten die Grüße des rumänischen Staatspräsidenten Traian Basescu. Dieser hatte erst vor wenigen Wochen selbst Österreich besucht und war dabei ebenfalls mit Fischer zusammengetroffen.
Der Bukarester Patriarch bezeichnete Bundespräsident Fischer als "Freund Rumäniens"; er sei generell erfreut über die Gastfreundschaft, die ihm während seines Besuches in Österreich entgegengebracht werde, sagte der Patriarch vor Journalisten. Insbesondere sei er beeindruckt vom freundschaftlichen Verhältnis, dass in Österreich zwischen der rumänisch-orthodoxen und der katholischen Kirche herrsche.
Die Österreich-Visite ist die erste Auslandsreise des rumänisch-orthodoxen Patriarchen nach seinem Antrittsbesuch beim Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., Anfang Juni. Eigentlicher Anlass des Österreich-Besuchs war die Weihe der beiden neuen rumänisch-orthodoxen Gotteshäuser in Wien und Salzburg am Wochenende. Er sei dankbar, dass diese beiden Kirchen von den hier lebenden rumänisch-orthodoxen Gläubigen mit Hilfe auch vieler Österreicher errichtet werden konnten, betonte der Patriarch im Gespräch mit "Kathpress".
Bei dem Besuch in der Hofburg wurde der Patriarch von seiner Delegation, dem Wiener orthodoxen Metropoliten Michael Staikos und dem Präsidenten der Stiftung "Pro Oriente", Hans Marte, begleitet.
Eintrag ins "Goldene Buch" der Stadt Wien
Am Vormittag hatte sich Patriarch Daniel I. in das Goldene Buch der Stadt Wien eingetragen. Dabei unterstrichen sowohl der rumänisch-orthodoxe Patriarch wie auch Bürgermeister Michael Häupl die Bedeutung des Dialogs der Religionsgemeinschaften. Daniel I. überreichte im Rahmen der Begegnung dem Wiener Bürgermeister das Andreas-Kreuz der rumänisch-orthodoxen Kirche - die höchste Auszeichnung des Patriarchats - und hob dabei die finanzielle Unterstützung der Stadt Wien von 100.000 Euro für den Bau der rumänisch-orthodoxen Kirche in Wien-Simmering hervor.
"Großartige ökumenische Zusammenarbeit"
In Anwesenheit von Kardinal Christoph Schönborn und weiterer Vertreter der Ökumene weihte der rumänisch-orthodoxe Patriarch Daniel I. am Sonntag die neue rumänische Andreaskirche an der Simmeringer Hauptstraße. Rund 4.500 rumänische Gläubige hatten sich zu dem Weiheakt und der anschließenden feierlichen Liturgie unter freiem Himmel auf dem Kirchenvorplatz eingefunden. Der Bukarester Patriarch konzelebrierte die Liturgie mit dem Wiener orthodoxen Metropoliten Michael Staikos und Vertretern der anderen, in Wien präsenten orthodoxen Kirchen. Auf der mit österreichischen und rumänischen Fahnen geschmückten Altartribüne erklangen alle Sprachen, die in den orthodoxen Gemeinden Wiens gebraucht werden - rumänisch, griechisch, arabisch, deutsch, russisch, serbisch usw.
Bei einem nachfolgenden Festessen würdigte Patriarch Daniel I. die "großartige ökumenische Zusammenarbeit" in Österreich. Der ethnische und religiöse Pluralismus sei für die Rumänen aus ihrer Heimat ein vertrautes Phänomen. Derzeit gebe es in Rumänien 18 staatlich anerkannte Religionsgemeinschaften; sie alle würden auf Grund des neuen Religionsgesetzes von 2006 gleich behandelt und staatlich unterstützt. In diesem Zusammenhang erinnerte das Oberhaupt der rumänisch-orthodoxen Kirche daran, dass 60 Prozent der Gehaltskosten der Geistlichen aller anerkannten Konfessionen in Rumänien vom Staat finanziert werden. Die Kosten der Seminare würden zu 100 Prozent vom Staat getragen. Das Religionsgesetz halte fest, dass die Konfessionen einen "wichtigen Dienst" für Staat und Gesellschaft leisten.
Metropolit Staikos betonte als Repräsentant des Ökumenischen Patriarchats die "Freude aller Orthodoxen" über das Wachstum der rumänisch-orthodoxen Kirche in Österreich und über die Weihe der beiden neuen rumänisch-orthodoxen Gotteshäuser. Er schließe sich dem Wort von Kardinal Schönborn an, dass "die Weihe einer neuen Kirche immer ein Segen für das ganze Land" ist, sagte Staikos.
In anderen europäischen Ländern würden Gotteshäuser verkauft und in Banken, Kinos oder Einkaufszentren umgewandelt. In Österreich sei das "Gott sei Dank" nicht der Fall, unterstrich der Metropolit. Im Gegenteil, es gebe neue orthodoxe Kirchen wie die beiden rumänischen Gotteshäuser und demnächst auch ein bulgarisches.
500.000 Orthodoxe in Österreich
Der Wiener orthodoxe Metropolit erinnerte daran, dass heute rund 500.000 Orthodoxe in Österreich leben (die damit die zweitgrößte Religionsgemeinschaft im Land sind). Dank des Entgegenkommens des österreichischen Staates könnten die Orthodoxen hier in voller Freiheit leben und ihre Tradition fortsetzen. Es sei ihnen möglich gemacht worden, sich zu integrieren und doch ihre Identität zu bewahren. Staikos dankte der katholischen und der evangelischen Kirche für die geschwisterliche Hilfe an die Orthodoxen, die ohne Infrastruktur in Österreich die Seelsorge aufzubauen hatten.
Mit seiner Hommage an Patriarch Daniel I. - "wo ein orthodoxer Patriarch ist, ist die gesamte Orthodoxie" - verband der Wiener Metropolit auch den Dank an den Wiener rumänisch-orthodoxen Bischofsvikar Nicolae Dura. Gemeinsam mit seiner Ehefrau arbeite Dura vorbildlich als Seelsorger und als Religionslehrer. In diesem Zusammenhang verwies Staikos auch auf den Einsatz Duras für die orthodoxe Religionslehrerausbildung an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) Wien; die Orthodoxen seien der Erzdiözese Wien dankbar, dass sie die orthodoxe Religionslehrerausbildung an der KPH aufgenommen habe.