Papst traf österreichische Bischöfe
Die Bischöfe Schönborn, Kapellari, Kothgasser und Schwarz zu Gesprächen über die aktuelle Situation der Kirche in Österreich im Vatikan
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Vatikanstadt (KAP) Papst Benedikt XVI. hat am Montag die österreichische Bischofsdelegation mit Kardinal Christoph Schönborn an der Spitze begrüßt, die zu Gesprächen über die aktuelle Situation der Kirche in Österreich in den Vatikan gereist ist. Die seit längerer Zeit vereinbarten Gespräche - am Montag mit Kardinal Giovanni Battista Re und den Mitarbeitern der Bischofskongregation - verliefen in herzlicher Atmosphäre. Kardinal Schönborn: "Wir sind dankbar für diese Möglichkeit der offenen Aussprache über den gemeinsamen Weg der Kirche".
Der Delegation Kardinal Schönborns gehörten sein Stellvertreter als Vorsitzender der Bischofskonferenz, Diözesanbischof Egon Kapellari, der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser sowie der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz an. Auch der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, war bei den Gesprächen anwesend.
Das offizielle Abschlusskommunique über die Begegnung von Papst Benedikt XVI. und führenden Repräsentanten der Römischen Kurie mit Kardinal Christoph Schönborn und seiner Delegation hat folgenden Wortlaut:
"Am 15. und 16. Juni fand im Vatikan eine Begegnung des Heiligen Vaters und der Leiter einiger Dikasterien der Römischen Kurie mit folgenden österreichischen Bischöfen statt: Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien, Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz; Erzbischof Alois Kothgasser, Erzbischof von Salzburg; Bischof Egon Kapellari, Diözesanbischof von Graz-Seckau, Stellvertretender Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz; Bischof Ludwig Schwarz, Diözesanbischof von Linz.
Von Seiten der Römischen Kurie nahmen teil: Kardinal Giovanni Battista Re, Präfekt der Kongregation für die Bischöfe; Kardinal William Joseph Levada, Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre; Kardinal Claudio Hummes, Präfekt der Kongregation für den Klerus; Kardinal Zenon Grocholewski, Präfekt der Kongregation für das Katholische Bildungswesen; Kardinal Stanislaw Rylko, Präsident des Päpstlichen Rates für die Laien.
Bei dieser Begegnung, die durch echte Kollegialität gekennzeichnet war, wurden in einem brüderlichen Dialog und in einem konstruktiven Geist einige Themen über die Situation der Diözese Linz und der Kirche in Österreich erörtert sowie Lösungen für die gegenwärtigen Probleme angesprochen.
Der Heilige Vater erinnerte an die Dringlichkeit der Vertiefung des Glaubens, der vollen Treue zum Zweiten Vatikanischen Konzil und dem nachkonziliaren Lehramt der Kirche sowie der Erneuerung der Katechese im Licht des "Katechismus der Katholischen Kirche".
Darüber hinaus kamen lehrmäßige und pastorale Fragen sowie Fragen bezüglich der Situation des Klerus, der Laien, der Priesterseminare und der Theologischen Fakultäten in Linz und in den anderen Diözesen Österreichs zur Sprache.
Die österreichischen Bischöfe dankten dem Heiligen Vater für seine väterliche Sorge und für diese Begegnung, Zeichen seiner Verbundenheit mit der Kirche in Österreich, und bekundeten ihm ihre volle Gemeinschaft und Treue. Die österreichischen Bischöfe danken auch der Römischen Kurie für die fruchtbare Zusammenarbeit und für die Hilfsbereitschaft".
Schönborn: "Ermutigendes Zeichen"
Kardinal Christoph Schönborn bewertete im Gespräch mit "Kathpress" die Begegnungen im Vatikan sehr positiv. Ja, es habe eine Krise gegeben, die sich bei den Auseinandersetzungen um die Ernennung von Gerhard Maria Wagner deutlich gezeigt habe. In diesen Auseinandersetzungen sei auch die Spannung in der Diözese Linz sichtbar geworden.
"Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass Papst Benedikt XVI. selbst die Initiative ergriffen und dazu eingeladen hat, dass wir gemeinsam klären, was die Probleme sind und wie mit ihnen umzugehen ist", betonte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz. Bei den Gesprächen im Vatikan sei die Vielfalt des Bildes der Kirche in Österreich mit den Licht- und Schattenseiten angesprochen worden: "Das Bild, das man in Rom von der Kirche in Österreich hat, ist sehr differenziert und korrekt. Das viele Gute, das es zum Beispiel gerade in der Diözese Linz gibt, wird gesehen, aber man redet natürlich auch über Defizite und Sorgen".
Der Papst habe deutlich gemacht, dass das Entscheidende die Frage des Glaubens an Gott, an die Gegenwart Gottes in der Welt ist, berichtete Kardinal Schönborn: "Dann gibt es eine gute Orientierung. Aber ohne die Freundschaft mit Jesus Christus als dem Herz des christlichen Lebens wird alles hohl und schal". Daher auch die Ermutigung des Papstes, die er schon im Jahr 2007 bei seinem Österreich-Besuch formuliert habe: "Auf Christus schauen".
"Benedikt XVI. liebt die Kirche in Österreich"
Im Zentrum der Gespräche mit Papst Benedikt XVI. und Spitzenrepräsentanten der römischen Kurie sei die "gemeinsame Sorge um die Kirche in Österreich" gestanden, betonte Kardinal Schönborn am Dienstagabend in einem Interview mit dem ORF und "Radio Vatikan". Man habe die "tiefe Liebe" Benedikts XVI. für die Kirche in Österreich gespürt: "Es war für uns Bischöfe ein sehr berührendes Erlebnis, zu sehen, dass der Papst, der viel zu tun hat mit einer weltweiten Kirche, sich für die kleine Ortskirche Österreich so viel Zeit nimmt, um unsere Sorgen zu hören und um die Sorgen Roms uns gegenüber zu artikulieren".
Die Verantwortlichen der Kirche im Vatikan wie in Österreich seien froh über die vielen engagierten Laien in den Pfarrgemeinden, betonte Kardinal Schönborn einen Detailaspekt der Gespräche. "Aber so gut es ist, dass es so viele engagierte Laien in den Gemeinden gibt, so dringend ist es auch, dass es engagierte, gläubige Laien in der Gesellschaft gibt", sagte der Wiener Erzbischof. Man spüre "an allen Ecken und Enden", dass "die Stunde der gläubigen Laien" in der Gesellschaft angebrochen sei. Christen müssten in ihren Berufen, in der Wirtschaft, im politischen Leben, in der Öffentlichkeit präsent sein.
Auf Nachfrage bestätigte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, dass er am Rande der Begegnungen auch das Memorandum der österreichischen "Laien-Initiative" an den Präfekten der Kleruskongregation, Kardinal Claudio Hummes, übergeben habe. "Auch wenn ich mit manchen Schlussfolgerungen dieser Initiative nicht einverstanden bin, so glaube ich doch, dass es wichtig ist, dass man in Rom weiß, was ein Teil unserer Laien zu den Sorgen der Kirche denkt".
Die große Zahl der Menschen in Österreich, "die keinen Zugang zur Kirche haben, für die das Evangelium schon etwas Fremdes geworden ist", sei eine Herausforderung für die Kirche, unterstrich Kardinal Schönborn. Ein zentrales Thema in den kommenden Jahren sei daher die Verkündigung des Evangeliums.