Schüller rechnet auf Zustimmung zur "Pfarrer-Initiative"
Wien, 8.6.06 (KAP) Der Wiener Hochschulseelsorger Msgr. Helmut Schüller rechnet auf Zustimmung zur "Pfarrer-Initiative", die anstehende Probleme in der katholischen Kirche diskutieren und "gangbare" Lösungen aufzeigen will. Mit-Initiator Schüller - er ist außer seiner Tätigkeit als Hochschulseelsorger auch Pfarrer in Probstdorf bei Wien - berichtete am Mittwoch beim "Jour fixe" der katholischen Publizisten in Wien von bald 200 Pfarrern in ganz Österreich, die dieses Anliegen mit ihrer Unterschrift mittragen würden. Er halte es für bedenklich, so Schüller, wenn immer mehr Pfarren zu großen Seelsorgeräumen zusammengelegt werden. So gehe für viele Menschen der direkte Kontakt mit dem Pfarrer verloren. Wenn es nicht mehr genug Priester für alle Pfarren gibt, müsse man mittelfristig nach neuen Formen der Leitung von Pfarrgemeinden suchen, langfristig aber auch den Zugang zum Priesteramt überdenken, meinte Schüller.
Die Sicherung von "überschaubaren Gemeinden" müsse gewährleistet sein. Schüller sprach sich dafür aus, bewährte Laien mit der Pfarrleitung zu beauftragen sowie sogenannte "viri probati" (bewährte verheiratete Männer) zum Priesteramt zuzulassen. Die dagegen oft ins Treffen geführte Ansicht, solche Weichenstellungen könnten nur "im Einklang mit der Weltkirche" geschehen, würden zu kurz greifen, meinte der frühere Caritas-Chef.
Auf die Frage, woher er den Optimismus nehme, "etwas bewegen" zu können, meinte Schüller, in der Kirchengeschichte seien viele Veränderungen darauf zurückgegangen, dass Reformanliegen trotz scheinbarer Aussichtslosigkeit beharrlich vertreten wurden.
Bei der als Verein konstituierten "Pfarrer-Initiative" handle es sich nicht um einen Ausdruck von "Querulantentum" oder "Jammerei", meinte Schüller, die Unterstützer seien bewährte Seelsorger. Neben den dezidierten Mitstreitern gebe es aber auch solche, die "ihre eigene Praxis schützen wollen" und keinen Wert auf Aufmerksamkeit legen; weiters "Resignierte", die den Anliegen zwar zustimmen, aber ein Engagement für sinnlos halten; und auch solche, die die Initiative als Ausdruck von mangelndem Gehorsam und als Beitrag zur Spaltung sehen. Schüller hält eine öffentliche Diskussion über unleugbare Probleme jedoch -wie er sagte - für ein "kostbares Gut" und dem Anspruch der Kirche adäquat, ein "gläsernes Haus" zu sein.