Kirche leistet Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft
Wien, 8.6.06 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat am Mittwochabend bei seinem traditionellen Medienempfang den großen Aufwand der Kirche für die Erhaltung der historischen Gotteshäuser betont. Die Kirche bekomme nach wie vor weniger Subventionen als sie an Mehrwertsteuer für Restaurierungen zahle. "Die Kirchen tragen wesentlich zur Identität Österreichs bei. Das ist eine Leistung, die im Stillen erfolgt", sagte der Wiener Erzbischof. Wörtlich stellte der Kardinal fest: "Was wäre Wien ohne den 'Steffl', was wäre die österreichische Kulturlandschaft ohne die Kirchtürme?" Über diese Frage habe er in den letzten elf Jahren bereits mit drei aufeinander folgenden Regierungen Gespräche geführt, es habe aber keine greifbaren Ergebnisse gegeben.
Die "Lange Nacht der Kirchen" am Freitag, 9. Juni, sei ein Hinweis darauf, dass die Menschen die Präsenz der Kirchen schätzen. Eine Fülle von insgesamt mehr als 1.000 Veranstaltungen geistlicher wie künstlerischer Ausrichtung warte auf die Interessierten. In zahlreichen Gotteshäusern werde etwas von dem vermittelt, was ein Theologe "Dach für die Seele" genannt hat. Besonders erfreulich sei, dass bei der "Langen Nacht" katholische, evangelische und orthodoxe Gemeinden wie selbstverständlich miteinander aktiv sind, betonte der Wiener Erzbischof. Die "versöhnte Verschiedenheit" der Christen sei nicht nur ein "Traum von Theologen", vielmehr gebe es in der Realität des Alltags bereits viele Ansätze. Die "Lange Nacht" sei ein solcher Ansatz, aber auch die intensive ökumenische und interreligiöse Zusammenarbeit bei der Krankenseelsorge im Wiener AKH, die jetzt ihr 15-Jahr-Jubiläum feiere.
Kardinal Schönborn erinnerte zugleich daran, dass die Begegnung mit den Medienschaffenden heuer in der Kirche Am Hof begonnen hatte. Dieses Gotteshaus in der Innenstadt sei die Kirche der kroatischen Gemeinde. Die anderssprachigen Gemeinden seien von entscheidender Bedeutung für die "Vitalität" der katholischen Kirche in Wien, sie seien etwas wie "Frischzellen". Zugleich erinnerten diese anderssprachigen Gemeinden daran, dass die Kirche die "älteste und umfassendste" globalisierte Einrichtung der Welt ist, dass Katholischsein immer Offenheit für die "anderen" bedeute, für "jene Menschen, dieeine andere Sprache sprechen, eine andere Kultur, eine andere Geschichte haben".
Abschließend verwies der Kardinal nochmals auf die Debatte über Schöpfung und Evolution, die er mitausgelöst habe. Die Schöpfung könne nur verstanden werden, wenn beide Bewegungen - die Bewegung von "unten" und die Bewegung von "oben" - gesehen werden. Schönborn: "Da ist auf der einen Seite das Entstehen des Lebens, wie es sich von unten aufbaut und sich in Schritten der Evolution ausgestaltet, ausformt, ausprägt, neue Wege sucht, die sich bewähren und sich durchsetzen. Und da ist auf der anderen Seite die Tatsache, dass die Aufwärtsbewegung des Lebens, bis hin zum menschlichen Bewusstsein, nicht möglich wäre ohne den Schöpfergeist, der von oben her, von Gott her die Schöpfung durchdringt".
In der Kirche Am Hof - offizieller Titel: "Kirche zu den Neun Chören der Engel" - hatte der Bauamtsdirektor der Erzdiözese Wien, Architekt Harald Gnilsen, die Journalisten mit den Problemen der Restaurierung historischer Gotteshäuser vertraut gemacht.