Kardinal Schönborn würdigt Christgewerkschafter
"In Ihren Aktivitäten setzen Sie sich dafür ein, die gemeinsame Wertebasis in unserem Land zu verbreitern". Damit stelle sich die FCG dem Trend eines weiteren Abschmelzens der Solidarität entgegen
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Wien (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat das gesellschaftspolitische Engagement der christlichen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter gewürdigt. Durch ihren Einsatz stärkten sie die gesellschaftliche Wertebasis, sagte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz in einem Grußwort an den Bundestag der "Fraktion Christlicher Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter" (FCG) im Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) am Dienstag in Wien.
"In Ihren Aktivitäten setzen Sie sich dafür ein, die gemeinsame Wertebasis in unserem Land zu stärken und zu verbreitern", so der Kardinal. Damit stelle sich die FCG dem Trend eines weiteren Abschmelzens der Wertebestände und der gesellschaftlichen Solidarität entgegen, heißt es in dem an den FCG-Bundestag übermittelten Grußwort, das vom Wiener Weihbischof Franz Scharl verlesen wurde.
Solidarität auch mit nachfolgenden Generationen erfordere die Bereitschaft, sich auch in Verzicht zu üben, unterstrich Schönborn: "'Worauf bin ich, worauf sind wir bereit, auch zu verzichten?' Diese Frage stellen uns die nachfolgenden Generationen, für die wir alle Verantwortung tragen. Wir hören sie aber auch von der Schöpfung, deren Zukunft in unseren Händen liegt."
Zugleich erinnerte der Wiener Erzbischof die Gewerkschaftsbewegung daran, dass sie immer auch jene Menschen zu vertreten habe, "die nur eine schwache Stimme haben". Durch alles notwendige diplomatische Taktieren hindurch müsse diese Grundorientierung am Begriff der Solidarität stets gewahrt bleiben, so Schönborn.
Der FCG-Bundestag, zu dem mehr als 500 Teilnehmer angereist sind, stand unter dem Motto "Solidarität und Gerechtigkeit. Wir leben Werte!"
Weihbischof Scharl appellierte an die christlichen Gewerkschafter, neben Gerechtigkeit, Ökonomie und Ökologie auf Wissenschaft, Technik, Kunst und Spiritualität nicht zu vergessen. Erst das Zusammenspiel all dieser Bereiche mache eine Gesellschaft zukunftsfähig, so Scharl.
Solidarität statt "Kultur der Angst"
Den Hauptvortrag beim Bundestag der FCG hielt der Wiener Pastoraltheologe Prof. Paul Zulehner. Er rief die Gewerkschafter dazu auf, sich in vielfältiger Weise für mehr Solidarität in der Gesellschaft einzusetzen. Zulehner warnte vor einer "Kultur der Angst", die jede gesellschaftliche Solidarität beschädige. Es sei eine Tragödie, wenn vorhandene Ängste von politischen Kräften zur Stimmenmaximierung auch noch geschürt würden. Hier gelte es, entschieden dagegen aufzutreten, so der Pastoraltheologe.
"Die wichtigste Form der Nächstenliebe ist die Politik", zitierte Zulehner weiters Papst Paul VI. und zeigte sich enttäuscht über den mangelnden christlichen Politikernachwuchs. Es brauche wieder mehr junge Menschen, so Zulehner, die nicht nur "fromme Halleluja-Schlümpfe" sondern zugleich handfest mit Verstand politisch tätig seien.
Mehr Chancen für Kinder
Der Wiener Pastoraltheologe appellierte an die Gewerkschafter, sich für mehr Bildungsgerechtigkeit einzusetzen und bestehende ideologische Gräben zu überwinden. Es brauche mehr Bildungschancen für sozial Schwache in Österreich.
Genauso müsse wieder mehr Lebensraum für Kinder geschaffen werden. Zulehner plädierte für die Überwindung der gegenwärtigen kinderfeindlichen Kultur und sprach sich für eine Kinderverträglichkeitsprüfung für alle Gesetze aus.
Aus der bestehenden Wirtschaftskrise gebe es nur dann einen Ausweg, so der Pastoraltheologe, wenn der Mensch wieder in den Mittelpunkt rücke und das "System der Gier" überwunden werde.
Ganz in diesem Sinne sprachen sich auch alle anderen Redner wie Vizekanzler Josef Pröll, ÖAAB-Obmann Michael Spindelegger und FCG-Bundesvorsitzender Norbert Schnedl für eine ökosoziale Marktwirtschaft mit menschlichen Antlitz aus.