"Ein Film wie ein Glas klares Hochquellwasser"
Wien, 12.6.06 (KAP) "Ein Film wie ein Glas klares Hochquellwasser, das ohne jede Zutat auskommt": So empfand der Wiener Weihbischof Franz Scharl die Dokumentation "Die große Stille" über den gebetsdurchwirkten Alltag der Mönche im französischen Mutterkloster der Kartäuser, die am Freitag in Österreichs Kinos anlief. Scharl, der selbst immer wieder die Abgeschiedenheit von Exerzitien in Klöstern sucht, zeigte sich im Gespräch mit "Kathpress" nach einer Vorab-Ansicht des Streifens beeindruckt von dessen künstlerischer Qualität und geistlichen Tiefe. Der Film mache "gelebte Spiritualität spürbar", wenn in meditativen Bilder Leben und Gebet der Mönche gezeigt werden. Regisseur Gröning, der selbst ein halbes Jahr im Kloster "La Grande Chartreuse" verbrachte, zeige hier Gebet und Leben in einer Einheit, die auch suchende Menschen beeindrucken könne.
Die Dokumentation habe auf ihn wie ein "Fenster in eine andere Welt" gewirkt, fernab der heutigen Geschäftigkeit, so Scharl. Zugleich sei er für die Zuschauer ein Spiegel im Blick auf das eigene Leben, der vor Fragen stelle wie "Wie will ich leben?"
Der Weihbischof nannte "Die große Stille" im Interview "pur, nüchtern und von einer Strenge, die zugleich den Atem des Geistes vermittelt". Wer eine derartige Übereinstimmung von Form und Inhalt schätze, komme bei dem 162 Minuten langen Film auf seine Rechnung. "Für mich ist die Zeit schnell vergangen", sagte Scharl. Er könne den "ausgezeichneten" Film uneingeschränkt empfehlen und wünsche ihm viel Erfolg in den Kinosälen.
"Fesselnd durch totale Entschleunigung"
"Gefesselt" von der "totalen Entschleunigung", die der Film vermittle, fühlte sich der Generalsekretär der Superiorenkonferenz der Männerorden Österreichs, P. Erhard Rauch. Er habe die Dokumentation schon vor geraumer Zeit spätabends in Deutschland gesehen und eigentlich die Absicht gehabt, "nur kurz hineinzuschauen", wie Rauch im Gespräch mit "Kathpress" berichtete. Er sei dann jedoch die vollen zweieinhalb Stunden geblieben, weil er sich der Faszination der Bilder aus dem Schweigekloster nicht entziehen konnte. Andere Filme über Ordensgemeinschaften zeigten manchmal alte Leute, die etwas schrullig wirkten. Gröning jedoch habe in seinem Streifen Menschen eingefangen,die glaubwürdig vermitteln, "dass es gelingen kann, sich in seinem Leben ganz Gott zu überlassen". Dies entfache eine Sehnsucht nach einem solchen entschiedenen Lebensweg, so Rauch. Der geistliche Assistent der Katholischen Aktion Österreich zeigte sich überzeugt, dass der Film auch für Leute, die ganz anders orientiert sind, einen wichtigen spirituellen Impuls und eine Anfrage an die jeweilige Identität und Lebensweise darstellt.