Abt Lashofer, "großartiger Seelsorger", "besonnene Art"
Abt-Präses der Österreichischen Benediktinerkongregation ist nach langer Krankheit im 69. Lebensjahr gestorben. Mit 32 empfing er Abtsbenediktion. Leitete ua. umfangreiche Generalsanierung
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St. Pölten, 06.07.2009 (KAP) Der Abt von Stift Göttweig (und Abt-Präses der Österreichischen Benediktinerkongregation), P. Clemens Lashofer, ist am Montag nach langer Krankheit im Stift gestorben. Lashofer stand im 69. Lebensjahr. Der Zeitpunkt der Beisetzung steht noch nicht fest.
Lashofer stammte aus der Göttweiger Stiftspfarre St. Veit an der Gölsen. Bereits mit zehn Jahren kam er als Sängerknabe in das Stift Göttweig. 1959 wurde er vom damaligen Abt Wilhelm Zedinek als Novize aufgenommen und erhielt den Ordensnamen Clemens. Im Jahr 1963 legte er die feierliche Profess ab und wurde nach dem Theologiestudium in Salzburg am 11. Juli 1965 zum Priester geweiht. Nach dem plötzlichen Tod seines Vorgängers, Abt Benedikt Ramoser, wurde Clemens Lashofer 1973 im Alter von nur 32 Jahren zum 64. Abt von Göttweig gewählt. Am 14. August 1973 erteilten ihm der damalige St. Pöltner Bischof Franz Zak die Abtsbenediktion. Lashofer war damals der weltweit jüngste Abt.
In den folgenden Jahren bewirkten zahlreiche Neueintritte eine Vergrößerung und Verjüngung des Göttweiger Konvents. Das umfangreiche Projekt der Gesamtrestaurierung der weitläufigen Klosteranlage - eine barocke "Gottesstadt auf dem Berg" - wurde in Angriff genommen.
1983 feierte das Stift das 900-Jahr-Jubiläum seiner Gründung durch den heilig gesprochenen Bischof Altmann von Passau u.a. mit einer groß angelegten Jubiläumsausstellung und der Eröffnung des Exerzitienhauses St. Altmann. 2005 erfolgte die Errichtung des selbständigen Priorats St. Josef in Maria Roggendorf.
Viel engagiert
Abt Lashofer war weit über Göttweig hinaus in verschiedenen Aufgaben engagiert. So war er u.a. seit 1982 als Abt-Präses der Österreichischen Benediktinerkongregation tätig, von 1975 bis 1982 als Vorsitzender der Superiorenkonferenz der Diözese St. Pölten, von 1988 bis 1994 als Vorsitzender der Salzburger Äbtekonferenz und von 1990 bis 2001 als "Vicarius" des Abt-Primas für die Klöster der Slawischen Kongregation.
Dienstältester Abt
Noch bis Mitte Juni war der Abt unermüdlich in den Anliegen der Österreichischen Benediktinerkongregation und des Stiftes aktiv, bevor sich sein Gesundheitszustand überraschend schnell verschlechterte. Zum Zeitpunkt seines Todes am Montag kurz nach 18.30 Uhr war Clemens Lashofer der dienstälteste Abt und Abt-Präses der weltweiten benediktinischen Konföderation.
Die Tätigkeit von Abt Lashofer war auch von dramatischen Ereignissen im Zusammenhang mit Kardinal Hans Hermann Groer überschattet. Der spätere Wiener Erzbischof - ursprünglich ein Weltpriester - war 1974 in das Benediktinerstift Göttweig eingetreten. Bereits zuvor hatte er die Wallfahrt nach Maria Roggendorf wiederbelebt. Bereits als Göttweiger Mönch gründete er sowohl das Priorat Maria Roggendorf als auch das Zisterzienserinnenkloster Marienfeld, das 1982 von Kardinal Franz König geweiht wurde.
Der Schatten der "Causa Groer"
Nach seinem Rücktritt als Erzbischof von Wien im September 1995 wurde Groer ein Jahr später zum Prior von Maria Roggendorf gewählt. Als neuerlich Vorwürfe gegen Groer bekannt wurden, trat er als Prior zurück. Abt Lashofer beantragte eine Apostolische Visitation der Abtei Göttweig. Die Visitation wurde im März 1998 vom damaligen Abt-Primas der Benediktiner, P. Marcel Rooney, durchgeführt.
Begräbnis am 21. Juli
Die Begräbnisfeierlichkeiten für den am Montagabend verstorbenen Abt von Stift Göttweig, Prälat Clemens Lashofer, werden am 21. Juli ab 9 Uhr in der Stiftskirche Göttweig stattfinden. Hauptzelebrant des Requiems wird laut Auskunft des Stiftes voraussichtlich der Linzer Altbischof Maximilian Aichern sein. Er war der Vorgänger von Lashofer als Abt-Präses der Österreichischen Benediktinerkongregation.
In der Stiftskirche werden neben den Angehörigen des verstorbenen Abtes vor allem Ordensleute, der St. Pöltner Diözesanklerus sowie Vertreter der Politik das Requiem mitfeiern. Für die Öffentlichkeit soll der Begräbnisgottesdienst in den Stiftshof und in die Krypta der Stiftskirche übertragen werden.
Vor dem Requiem besteht am 20. Juli von 18.30 Uhr bis 21 Uhr und am 21. Juli ab 7 Uhr die Möglichkeit, im Stift Göttweig vom Verstorbenen Abschied zu nehmen. Die Aufbahrung findet - wie bei Abt-Begräbnissen in Göttweig üblich - in der Kaiserstiege des Klosters statt.
Große Betroffenheit bei Kardinal Schönborn
Kardinal Christoph Schönborn gab am Dienstag im "Radio Stephansdom"-Interview seiner großen Betroffenheit über den Tod des Göttweiger Abts Ausdruck. Prälat Lashofer habe den Weg des Benediktinerklosters in Göttweig entscheidend geprägt und dabei Höhen und Tiefen in seiner Aufgabe erlebt, sagte Schönborn. Lashofer habe das Stift durch schwierige Zeiten geführt, erinnerte der Kardinal an die dramatischen Ereignisse im Zusammenhang mit der "Causa Groer". Der Göttweiger Konvent sei in der Amtszeit Lashofers aber auch durch eine große Zahl an neuen Ordensberufungen aufgeblüht.
P. Erhard Rauch: "sehr besonnener Abt"
P. Erhard Rauch, Generalsekretär der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs, würdigte Lashofer im Gespäch mit "Stephanscom.at" als "sehr besonnenen Abt", der stets über den engen Horizont hinaus geblickt habe. "Abt Lashofer hat die Ordenslandschaft in Österreich geprägt", so P. Rauch, der an die zahlreichen pastoralen Akzente erinnerte, die der Göttweiger Abt etwa durch die Gründung eines Exerzitienhauses oder des Klosters in Maria Roggendorf gesetzt habe. Rauch: "Eine seiner Stärken war, zu seinen Überzeugungen zu stehen und sich von Schwierigkeiten nicht unterkriegen zu lassen. Er hat nie sein Wissen, seine Leistung in den Vordergrund gestellt, sondern immer das ganze Stift".
Landeshauptmann Pröll: "großartiger Seelsorger"
"Mit Clemens Lashofer ist ein großer Niederösterreicher und ein großartiger Seelsorger von uns gegangen", sagte der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll zum Tod des Abtes von Stift Göttweig. "Unter der Leitung von Clemens Lashofer wurde das Stift Göttweig nicht nur zu einer zentralen Kulturstätte unseres Landes, sondern auch zur Heimstätte des Europaforums Wachau, und damit zu einem Kristallisationspunkt des europäischen Gedankens", erinnerte Pröll.