"Gott bewegt uns" - Familienwallfahrten in Österreich
Berichte aus den Diözesen:
St. Pölten: Familienwallfahrt auf den Sonntagberg
Linz: Familie als Keimzelle der Gesellschaft
Innsbruck: Bischof Scheuer ermutigt zu Ehe und Familie
Wien: Gesellschaft braucht intakte Familien
KATHPRESS:
Gesellschaft braucht intakte Familien
Wien, 12.6.06 (KAP) Die Bedeutung gesunder und intakter Familien für das Gelingen des Gesellschaft unterstrichen Kardinal Christoph Schönborn und Weihbischof Franz Scharl am Sonntag bei der Familienwallfahrt der Erzdiözese Wien, die auf den Leopoldsberg führte. Zu der Familienwallfahrt, die unter dem Motto "Gott bewegt uns" stand, waren - in Fortführung des Mitteleuropäischen Katholikentags - besonders auch die anderssprachigen kirchlichen Gemeinden eingeladen. Weihbischof Scharl hob als Bischofsvikar für den anderssprachigen Gemeinden den Wert dieser Vielfalt hervor. Jede Kultur habe ihre Stärken, die eine Bereicherung bedeute, wenngleich jede Kultur auch ihre Schwächen habe, so Scharl. Der Wiener Weihbischof hob auch die Bedeutung der Familie für die Glaubensweitergabe hervor.
Die Wallfahrer waren von drei verschiedenen Treffpunkten aus gestartet: von der Schönstatt-Bildungsstätte auf dem Kahlenberg, von der Kirche St. Josef auf dem Kahlenberg und vom Kahlenbergerdorf. Kardinal Schönborn segnete in der Kirche auf dem Leopoldsberg die Kinder.
Mit den in allen österreichischen Diözesen durchgeführten Familienwallfahrten wurde ein Impuls des Mitteleuropäischen Katholikentags weitergeführt. Auch in vielen Diözesen der sieben anderen Teilnehmerländer des Mitteleuropäischen Katholikentags fanden solche Familienwallfahrten statt.
Der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari erinnerte bei der Familienwallfahrt in Maria Strassengel daran, dass die Bischöfe beim Mitteleuropäischen Katholikentag im Mai 2004 sieben Bitten an die ihnen anvertrauten Katholiken gerichtet hatten. Dem sechsten Anliegen seien die diesjährigen Familienwallfahrten in allen Teilen des Landes gewidmet. Dieses Anliegen war 2004 in der "Botschaft von Mariazell" so formuliert worden: "Entschiedene Christen sind Freunde des menschlichen Lebens in allen seinen Dimensionen: Freundes geborenen und des noch nicht geborenen, des entfalteten und des behinderten, des irdischen und des ewigen Lebens. Dieses Leben ist heute besonders an seinem Anfang und an seinem Ende bedroht. Wir werden daher unsere Kraft von Hirn, Herz und Hand einsetzen, um Menschen und ihre Umwelt zu schützen und zu entfalten. Unsere besondere Sorge gilt den Ehen und Familien. Sie sind unentbehrliche Bausteine der Gesellschaft und der Kirche. Wir halten am Ideal stabiler Ehen und Familien unbeirrt fest und tragen am Geschick jener Menschen helfend mit, deren stabile Beziehungen zerbrochen sind".
Bischof Kapellari betonte, dass man zuerst von den vielen Menschen sprechen müsse, denen Ehe und Familie gelingt. Freilich gebe es vieltausendfach auch das Andere, das Zerbrechen von Ehen und Familien. Und es gebe einen beklemmenden Mangel an Kindern und eine weit verbreitete Gleichgültigkeit gegenüber dem Problem der Abtreibung. Wörtlich sagte der steirische Bischof in diesem Zusammenhang: "Unsere Ideale betreffend stabile Ehen und Familien und betreffend einen verantwortungsvollen Umgang mit dem menschlichen Leben vom Anfang bis zu seinem Ende sind so etwas wie Fixsterne, die auch dann leuchten, wenn sie von vielen nicht beachtet werden". Die Geschichte zeige auch, dass in einer Gesellschaft immer wieder "heilende Kräfte erwacht sind", wenn sich irrige Wege als Sackgassen erwiesen hätten. Solche heilenden Kräfte könnten heute und morgen besonders von entschiedenen Christen erwartet werden". Das am Sonntag gefeierte Dreifaltigkeitsfest decke den Quellgrund auf, aus dem alle christlichen Gemeinschaften und so auch die Ehen und Familien schöpfen können, unterstrich Kapellari: "Gott selbst ist Gemeinschaft. Er ist kein einsames Ich, sondern eine Gemeinschaft von Vater und Sohn im Heiligen Geist".
Küng: Berufung des Menschen ist die Liebe
Die Berufung des Menschen ist die Liebe, betonte der St. Pöltner Diözesanbischof (und österreichische "Familien-Bischof") Klaus Küng am Sonntag bei der diözesanen Familienwallfahrt auf den Sonntagberg. Gottes Wesen, das sich in der Dreifaltigkeit zeige, sei die Liebe. Und so sei auch der Mensch zur Liebe bestimmt, betonte Küng.
Es sei irrig zu meinen, dass die Ehe, wie sie die Kirche lehre, ein überholtes Ideal sei, sagte Bischof Küng. Gott wisse zwar um die Schwierigkeiten und Schwächen. Doch gerade deshalb sei Gott in der Nähe und bringe den Menschen Versöhnung und Heilung. Wer sich auf Jesus einlasse und den Weg der Liebe suche, der erfahre, dass Gott sein Herz weit mache.
Hunderte Familien waren der Einladung von Bischof Küng zur Familienwallfahrt am Dreifaltigkeitssonntag auf den Sonntagberg gefolgt. Manche Pfarren waren mit Autobussen angereist, etwa aus Traunstein, Zwettl oder Emmersdorf. Viele Wallfahrer kamen mit eigenen Fahrzeugen.
Die Pilger, die auf den Sonntagberg gekommen waren, hatten sich zunächst auf dem Platz unterhalb der Basilika versammelt. Mit dabei waren auch zahlreiche Priester aus den Pfarren sowie der Seitenstettner Abt Berthold Heigl, Generalvikar Leopold Schagerl, der Direktor des Pastoralamtes, Wilfried Kreuth, und der diözesane Familienseelsorger Wolfgang Payrich.
In seiner Begrüßung rief Bischof Küng auf, für die Familien zu beten und zu bitten - "auch für jene, die Schwierigkeiten in ihrer Familie haben, damit sie nicht verzagen, und für all jene, die an der Familie leiden und deren Familien zerbrochen sind". Auch Abt Heigl hieß die Wallfahrer als Hausherr und im Namen der Pfarre willkommen. Seit Jahrhunderten seien Menschen auf diesen Berg gepilgert, um zu beten und zu bitten. "Beten wir, damit viel Segen von hier hinunter strömt in die Ebenen des Lebens", so der Abt.
Bei den Seitenaltären in der Kirche hatten Familienorganisationen, die in der Diözese tätig sind, Informationsmaterial aufgelegt und verteilt - etwa das Referat Familienpastoral, die Charismatische Erneuerung, die Fokolar-Bewegung, der Katholische Familienverband, Marriage Encounter, die Schönstatt-Familien, der Familienfonds der Diözese und auch die Katholische Aktion mit ihrer Initiative "Rainbows".
Scheuer: "Hochschule des Lebens und Glaubens"
Der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer ermutigte am Sonntag die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diözesanen Familienwallfahrt, den persönlichen und gesellschaftlichen Wert guter Ehen und Familien zu erkennen und sich darum zu bemühen. Zur Messfeier mit dem Bischof waren aus der ganzen Diözese rund 2.500 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in die "Olympiaworld" (kleines Eisstadion) nach Innsbruck gekommen. Die meisten hatten sich in Pfarren in und um Innsbruck versammelt und waren dann in einer Sternwallfahrt zur "Olympiaworld" gezogen.
Nachrücklich betonte Scheuer, dass die Familie "nicht eine Selbstverständlichkeit" sei. Wörtlich sagte er: "Die Familie ist heute von außen gefährdet, weil moderne Gesellschaften dazu neigen, sie auf das Abstellgleis zu schieben. Und sie sind von innen gefährdet, weil die Bande der Liebe oft an Tragfähigkeit einbüßen und unter vielfältigen Belastungen leicht brechen". In diesem Zusammenhang sei es ihm ein "Herzensanliegen", dass Familien, besonders auch mit heranwachsenden Kindern, "in größere Gemeinschaften eingebunden sind, sei es in Pfarre oder Gemeinde, Vereinswesen oder Freundeskreis".
Der Bischof warnte davor, einem im Grunde unwirklichen Ideal von Ehe und Familie nachzulaufen: "Auf den Feldern von Ehe und Familie wachsen Unkraut und Weizen". In Erinnerung an eine Formulierung von Altbischof Reinhold Stecher bezeichnete Scheuer die Familie als "Hochschule des Lebens und Glaubens". Scheuer: "Die Fähigkeit zum Lieben, Glauben und Vertrauen lernt man nicht auf der Universität. Das lernt man am besten bei zwei Menschen, die einander gern haben und dieses Gernhaben auf die Kinder ausstrahlen".
Schwarz: Mut zur Familie machen
Die Bedeutung der Familien als Keimzelle der Gesellschaft und der Kirche unterstrich der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz am Sonntag bei der Familienwallfahrt der Diözese Linz auf den Pöstlingberg. Der Bischof rief dazu auf, heute und in Zukunft "Mut zur Ehe, zur Familie und zum Kind" zu machen und die positiven Aspekte dieses Lebensentwurfes stärker heraus zu streichen. Auch solle man sich mehr um familiengerechte und familienentsprechende Gesetze bemühen.
Bischof Schwarz hob in seiner Predigt auch den Sonntag als Tag für die ganze Familie hervor. Der arbeitsfreie Sonntag bedeute ein Freisein von der Arbeit, er sei ein Tag des Offenseins für Gott und für die Mitfeier der heiligen Messe.
Etwa 350 Wallfahrerinnen und Wallfahrer feierten den Gottesdienst in der Pöstlingberg-Basilika mit, mehr als 100 Personen waren zuvor bereits zu Fuß vom "Petrinum" über den "Kreuzweg" auf den Pöstlingberg gepilgert.
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