Küberl fordert soziale Verantwortung ein
Wien, 12.6.06 (KAP) Die soziale Verantwortung der Reichen für die Armen, damit "alle leben können", hat der österreichische Caritas-Präsident Franz Küberl anlässlich des "Bawag"-Skandals eingefordert. Wie Küberl am Sonntagabend in der TV-Diskussion "Offen gesagt" betonte, sei die entscheidende Frage nicht, ob Manager zu viel oder zu wenig verdienen. Das würde zu kurz greifen, so Küberl. Wirklich entscheidend sei, ob jene, denen es besser geht, in der Lage sind, an gesellschaftlichen Strukturen mitzubauen, durch die auch die Armen eine echte Chance auf Zukunft haben, damit "alle morgen leben können".
Die offenkundig gewordene Gier einzelner Personen sei ein "Schlag ins Gesicht" jener Menschen, die in keiner guten Situation sind, keine Arbeit haben und nicht wissen, wovon sie morgen leben werden. Diese Not müsse man - so Küberl - ins gesellschaftliche Bewusstsein rücken, statt isoliert über die Höhe von Manager-Gehältern zu diskutieren. Der Caritas-Präsident gab außerdem zu bedenken, dass Gier, Neid und Geiz nicht von einzelnen Managern erfunden worden seien. Es gehe um ein gesamtgesellschaftliches Klima, für das Slogans und Schlagworte wie "Geiz ist geil" oder "Schnäppchenjäger" typisch seien.
Küberl forderte die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf, an gerechteren Strukturen mit mehr Chancen für alle mitzuwirken. So sei beispielsweise in Österreich die Besteuerung von Löhnen "beachtlich", während man bei der Besteuerung von Erträgen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hinterher hinke.