"Madrid-Dialog" will "Zentrum für interreligiösen Dialog"
An zweitägiger Konferenz in der Wiener Hofburg nahmen 40 religiöse Repräsentanten aus aller Welt teil. Themen waren ua. "Humanökologie", Religionsfreiheit, Menschenrechte
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Wien (KAP) Zentrales Ergebnis der Wiener Folgetagung zum "Madrid-Dialog der Religionen" ist der Beschluss zur Errichtung eines "Internationalen Zentrums für den interreligiösen Dialog". Dies wurde bei einer Pressekonferenz zum Abschluss der Folgetagung in der Wiener Hofburg (offizieller Titel: "World Conference on Dialogue") bekannt gegeben. Wie der Generalsekretär der "World Muslim League", Abdullah Abdulmohsen Al-Turki, bekanntgab, wurde eine Vorbereitungsausschuss zum Aufbau des "Internationalen Zentrums" begründet. Dem Ausschuss gehören Repräsentanten aller Weltreligionen an. Der Ausschuss soll sich Mitte August das erste Mal treffen und die weitere Vorgangsweise abklären.
An der zweitägigen Konferenz in Wien nahmen 40 religiöse Repräsentanten aus aller Welt teil, unter ihnen Rabbiner Marc Schneider (der Generalsekretär des Jüdischen Weltkongresses), Msgr. Khaled Akasheh vom Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog, Prof. Mehmet Görmez (der Vizepräsident des türkischen Religionsamtes "Diyanet"), der orthodoxe Metropolit von Paris, Emmanuel (Adamakis), Guirgis Ibrahim Saleh (der Generalsekretär des Nahost-Kirchenrates), Rabbiner David Rosen und Ibrahim Saleh Al-Naimi (der Vorsitzende des "Doha Interfaith Dialogue Centre"). Die Nachfolgetagung ging ebenso wie der "Madrid-Dialog" auf eine Initiative des saudiarabischen Königs Abdullah zurück. Die Schlusserklärung des "Madrid-Dialogs" hatte für Aufsehen gesorgt, weil sich dabei Christen, Juden und Muslime gemeinsam gegen Terrorismus ausgesprochen hatten.
Die Themen der Nachfolgetagung in Wien waren u.a. Religionsfreiheit, Menschenrechte, Respekt vor der Menschenwürde in einer pluralistischen Gesellschaft, Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung und für die "Humanökologie", die wachsende Rolle von Frauen und Jugendlichen im interreligiösen Dialog und der interreligiöse Dialog als Instrument zur Friedensstiftung. Dabei ging es um "praktische Schritte" zur "Implementierung der Initiative König Abdullahs".
Rupprecht: "Wir wissen zu wenig voneinander"
Unter den Teilnehmern war auch der Wiener Dechant und Leiter der Kontaktstelle der Erzdiözese Wien für christlich-islamische Begegnung, Martin Rupprecht. Wie er im Gespräch mit "Kathpress" sagte, bestehe das zentrale Problem im interreligiösen Dialog darin, "dass wir einfach zu wenig voneinander wissen". Rupprecht - der gemeinsam mit der Direktorin des Katholischen Schulzentrums Friesgasse, Sr. Beatrix Mayrhofer, die Erzdiözese Wien bei der Tagung vertrat - betonte, die Konferenz habe den "guten Willen aller Beteiligten" deutlich gemacht, aber auch Defizite im Wissen um den jeweils anderen hervortreten lassen. So löblich die Dialog-Initiative des saudischen Königs auch sei, so sehr bedürfe es im Blick auf die nächsten anvisierten Folgetagungen einer klareren Strukturierung und Zielorientierung, meinte Rupprecht.
Ertragreich sei die Konferenz für seine tägliche Arbeit als Seelsorger in der muslimisch-christlichen Begegnung gewesen, so Rupprecht. In persönlichen Begegnungen etwa mit Delegationen aus dem Libanon oder Kuwait habe er neue Ansätze von anderen, oftmals langjährig erprobten Dialogbemühungen kennengelernt. "So werde ich immer wieder aufgerüttelt, über meinen eigenen Kirchturm hinauszuschauen", so Rupprecht.