Ethik-Kodex für Österreichs Seelsorger
Erarbeitet von Moraltheologen. Seelsorge bestimmen die Autoren nach Maßgabe des 2. Vatikanischen Konzils als "Hirtendienst" in Besonnenheit, Klarheit, Maßhaltung, Gerechtigkeit
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Seelsorger im Gespräch |
Wien (KAP) Weil es bisher keinen "Ethik-Kodex" für professionelle Seelsorgerinnen und Seelsorger gab, haben nun österreichische Moraltheologen reagiert und einen entsprechenden Kodex vorgelegt.
Erarbeitet wurde der Kodex, wie die Zeitschrift "Stimmen der Zeit" berichtet, von der Wiener Moraltheologin Prof. Sigrid Müller, dem Moraltheologen und Rektor der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz, Prof. Michael Rosenberger, dem Grazer Moraltheologen Prof. Walter Schaupp sowie dem Salzburger Moraltheologen Prof. Werner Wolbert.
Wie die Autoren in einem Vorwort festhalten, soll der Kodex "zur Diskussion über vorhandenes Berufsethos anregen".
2. Vatikanisches Konzil als Maßgabe
Seelsorge bestimmen die Autoren laut eigenen Angaben in dem Kodex streng nach Maßgabe des Zweiten Vatikanischen Konzils als "Hirtendienst" in Besonnenheit, Klarheit, Maßhaltung und Gerechtigkeit. Diese den vier Kardinaltugenden entlehnten Kriterien sollen "die leitenden Grundhaltungen unseres Lebens und Dienstes sein", heißt es im Kodex. Darüber hinaus werden als "Standestugenden" Vertrauenswürdigkeit, Diskretion, Integrität, Loyalität und Professionalität angeführt.
Das vierte Kapitel ("Leitlinien für einzelne Aufgabenbereiche - Normethik") bildet das Zentrum des Kodex. Im Blick auf den umfassenden Tätigkeitsbereich des professionellen Seelsorgers werden die Bereiche "Verantwortung für das eigene Wohlergehen", "Verantwortung für die eigenen beruflichen Kompetenzen", "Verantwortung für die beruflichen Beziehungen", "Verantwortung für den Umgang mit Macht", "Verantwortung für den Umgang mit kirchlichem Besitz und Geld", "Verantwortung für den Umgang mit Sexualität und emotionaler Nähe" sowie "Verantwortung für den Umgang mit vertraulichem Wissen" thematisiert.
Rechte Balance zwischen Arbeit und Erholung
Im Blick auf das eigene Wohlergehen ruft der Kodex die Bedeutung der "physischen und emotionalen Gesundheit" in Erinnerung und pocht auf eine "rechte Balance zwischen Arbeit und Erholung" sowie auf die Bewahrung einer "lebendigen Spiritualität" als Grundlage der Motivation und Arbeit.
Zur beruflichen Kompetenz zählt der Kodex zum einen eine "humane Grundkompetenz", die sich etwa in der Mitleidensfähigkeit und im Umgang mit Mitmenschen zeigen müsse, eine "spirituell-gläubige Kompetenz" des Einzelnen sowie eine "berufsspezifische Fachkompetenz", die in Führungsqualitäten, organisatorischen Fähigkeiten etc. liegt. "Professionelle Seelsorge braucht Kompetenzen in allen diesen drei Kategorien", hält der Kodex fest.
Loyalität und Gewissen
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Im Blick auf die beruflichen Beziehungen verpflichtet der Kodex die Seelsorger auf eine "Kultur der wechselseitigen Wertschätzung und Anerkennung". Verfügbarkeit und Dienstbereitschaft müssten die "selbstverständlichen Kennzeichen der Arbeit mit und für die Menschen sein". Die Beziehung zu außerkirchlichen Einrichtungen müsse von "Offenheit und Kompromissfähigkeit" geprägt sein. Loyalität mahnt der Kodex gegenüber den Dienstvorgesetzten, den Bischöfen und dem Papst ein. Ein "offenes Zuwiderhandeln" dürfe nur "der äußerste Fall sein, wenn das Gewissen dies zweifelsfrei befiehlt", heißt es.
Zu Distanz und Nüchternheit mahnt der Kodex darüber hinaus im Blick auf den Umgang mit Macht oder auch mit kirchlichen Mitteln sowie mit Sexualität, emotionaler Nähe und vertraulichem Wissen.
In einer "abschließenden Bemerkung" wird festgehalten, dass ein Kodex davon lebe, "dass er mit Leben erfüllt wird". Dazu bedürfe es eines "lebendigen Austauschs über die hier vorgelegten Orientierungen und Richtlinien".
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