Wien: 35 Jahre kirchlicher Verein für Haftentlassene
Wien, 13.6.06 (KAP) 3.000 Haftentlassene bekamen in den letzten 35 Jahren Hilfe vom "Verein für Integrationshilfe" der Erzdiözese Wien. Der Verein unterstützt Menschen, die aus dem Gefängnis entlassen werden, etwa in Form von Gesprächen, menschlicher Zuwendung und Essensgutscheinen - vor allem aber durch die Vermittlung von Wohnungen und Arbeitsplätzen. Am Dienstag feierte der Wiener Weihbischof Franz Scharl mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Haftentlassenenseelsorge der Erzdiözese Wien einen Gottesdienst. Bischof Scharl wies in seiner Predigt darauf hin, dass es die meisten Häftlinge in ihrer Vorgeschichte nicht gerade leicht gehabt hätten. Scharl bedankte sich bei der Feier für das Engagement der ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
"Viele Menschen kommen aus der Haft und stehen vor dem Nichts", sagte der stellvertretende Vereinsobmann Karl Buchwald im Gespräch mit "Kathpress". Dazu kämen Probleme wie Scheidung, Schulden oder Alkohol. "Problematisch ist es, wenn der Rückhalt durch eine Familie fehlt", so Buchwald. In letzter Zeit seien verstärkt Asylwerber und Drogenabhängige unter seinen Klienten. Im letzten Jahr gab es mehr als 1.600 Beratungsgespräche, was eine Steigerung um 60 Prozent gegenüber 1996 bedeutet.
Der Verein bietet in eigenen Einrichtungen 40 Haftentlassenen eine Wohnmöglichkeit. Durchschnittlich werden die ehemaligen Häftlinge sieben Monate betreut, lediglich sechs Prozent werden in dieser Zeit rückfällig, "ein sensationeller Erfolg". Zwei Drittel beziehen eine Wohnung und die Hälfte findet eine fixe Arbeit.
Entscheidend ist für Buchwald, dass die Haftentlassenen wieder eine Chance im Leben bekommen. Und sie sollen wieder eine Perspektive sehen. Gerade die Heilige Schrift biete da viele Bezugspunkte. Buchwald nennt exemplarisch das Matthäus-Evangelium 35,36: "Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen". Der erfahrene Sozialarbeiter betont den Beitrag von Menschen aus den "Movimenti", vor allem aus der "Legion Mariens", in der die Sorge um Gefangene und Haftentlassene zur Tradition gehört.
Die meisten Haftentlassenen waren laut Buchwald wegen verschiedener Eigentumsdelikte im Gefängnis. Manchmal liege der Grund des Verbrechens in der so genannten Beschaffungskriminalität für Suchtmittel. 95 Prozent der Häftlinge seien Männer. Der "durchschnittliche" Betreute habe vier Vorstrafen und sei 38 Jahre alt. (Informationen: 1010 Wien, Blutgasse 1, Tel. 512.30.10, E-Mail: beratung.haftentlassene@netway.at).