Was die "Schweinegrippe" für die Kirche bedeutet
Vor Grenzen macht das Virus nicht halt - und auch vor Kirchentüren nicht. Weltweit reagieren einzelne Pfarren, Diözesen oder Bischofskonferenzen auf die Bedrohung durch die Grippe. "Kathpress"-Korrespondentenbericht von Caroline Schulke
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Berlin, 25.7.09 (KAP) Urlaub dient gemeinhin der Erholung. Doch in diesem Jahr scheint das Reisen besondere Risiken zu bergen: So stieg seit Beginn der Ferien die Zahl der registrierten Schweinegrippe-Fälle in Österreich und Deutschland deutlich an - ein eher unerwünschtes Mitbringsel aus fernen oder auch nahen Ländern. Vor Grenzen macht das Virus eben nicht halt - und auch vor Kirchentüren nicht. Weltweit reagieren einzelne Pfarren, Diözesen oder Bischofskonferenzen auf die Bedrohung durch die Grippe.
In Mexiko, dem Mutterland der Misere, blieben direkt nach Ausbrechen der Grippe die Beichtstühle in einzelnen Kirchen geschlossen, die Fenster und Türen dafür weit geöffnet - der guten Belüftung wegen. Auch ordnete die Erzdiözese Mexiko-Stadt an, Messen so kurz wie möglich zu halten und nicht länger als fünf Minuten zu predigen. Der Friedensgruß sollte ohne Berührung ausgetauscht, bei der Kommunion auf die begleitenden Worte "Der Leib Christi" verzichtet werden, um eine Tröpfcheninfektion durch Speichel zu vermeiden.
So manchen Kirchgänger hat das Risiko einer Menschenansammlung und die damit drohende Ansteckung dennoch abgeschreckt. Viele Gottesdienste blieben leer, in den ansonsten sehr gut besuchten Wallfahrtsorten und Pilgerstätten des Landes blieben die Besuchermassen aus.
Ähnliches meldet nun, Monate nach dem ersten Erkrankungsfall in Mexiko, auch Costa Rica. Dort fällt das wichtigste und traditionsreichste katholische Pilgerfest zu Ehren der Schutzheiligen "La Negrita" aus - zum ersten Mal seit 227 Jahren. Wegen der geringen Entfernung zur Hauptstadt
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Britische Katholiken: Aussetzen der Kelchkommunion |
San Jose und des zu erwartenden Menschenandrangs sei eine weitere Ausbreitung des H1N1-Virus zu befürchten, begründeten Kirche und Gesundheitsbehörde unter der Woche die Entscheidung.
Doch nicht nur Amerika ist betroffen. Auch auf der anderen Seite des Erdballs, in Australien, zwingt das Virus die Kirche zum Handeln. Melbournes Erzbischof Denis Hart setzte etwa in seiner Diözese Umarmungen als Friedensgruß sowie Messwein zur Kommunion aus, um einer Ausbreitung vorzubeugen.
Verzicht auf Händedruck und Kelchkommunion
In Europa läuten vor allem Kirchen in Großbritannien die Alarmglocken. In einem Brief an alle Bischöfe empfiehlt etwa die Spitze der anglikanischen Kirche von England, vorerst die Kelch- und Mundkommunion auszusetzen. Es sei nun angemessen, Leitlinien auf nationaler Ebene anzubieten, wie die Kirche angesichts der Schweinegrippe am besten die öffentliche Gesundheit beachten könne, heißt es in dem Schreiben der Erzbischöfe Rowan Williams und John Sentamu.
Auf lokaler Ebene wurde auf der Insel schon längst gehandelt. Einzelne Gemeinden und Diözesen auch der katholischen Kirchen ergriffen ähnliche Maßnahmen. So ordnete etwa das Oberhaupt der britischen Katholiken, Erzbischof Vincent Nichols von Westminster, für seien Pfarren ein Aussetzen der Kelchkommunion sowie einen Verzicht auf den Händedruck beim Friedensgruß an. Eine "Geste des Friedens", so die Botschaft, reiche auch.
Andere gehen noch weiter: So machte ein britischer Bischof Schlagzeilen mit der Anordnung, während der Epidemie die Weihwasserbecken in den Kirchen zu leeren. Diesen Schritt ging jüngst auch die Kirche in Portugal.
In Deutschland werden bislang keine Notfallpläne verlautbart. Vorbeugemaßnahmen seien bislang angesichts der geringen Zahl der Vorfälle nicht ergriffen worden und auch nicht geplant, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn.
Vatikan sieht Schweinegrippe mit Gelassenheit
Mit Gelassenheit reagieren die Gesundheits-Experten im Vatikan auf die weitere Verbreitung der "Neuen Grippe" (H1N1-Virus). Der Chef des vatikanischen Gesundheitsdienstes, Giovanni Rocchi, betont in einem aktuellen Interview mit der Vatikanzeitung "Osservatore Romano", dass der Vatikan die Infektionswelle zwar nicht auf die leichte Schulter nehme. Es bestehe derzeit jedoch kein Grund zu "Alarmismus".
Bislang gebe es keine besonderen Reisewarnungen an Kirchenmitarbeiter, von der Pandemie betroffene Regionen zu meiden, sagte der Mediziner. Ebenso wenig sei derzeit an einen Verzicht auf Großveranstaltungen wie etwa Gottesdienste gedacht. Man achte lediglich bei Vatikanmitarbeitern, die aus Infektionsgebieten zurückkehrten, verstärkt auf entsprechende Krankheitsanzeichen, so Rocchi.
Nach Auffassung des Gesundheitsbeauftragten wird die neue Grippevariante den Vatikanstaat "sicherlich im Herbst" erreichen. Dennoch beobachte man die Entwicklung keinesfalls mit Besorgnis. Bis auf weiteres werde das standardmäßige Grippe-Impfprogramm für Vatikanbeschäftigte fortgesetzt. Sobald ein Impfstoff gegen das neue Virus verfügbar sei, werde man den einzelnen Abteilungen im Vatikan eine zweite Immunisierung empfehlen, so Rocchi.
Wenn Italien entsprechende Schutzvorkehrungen der Weltgesundheitsorganisation WHO anordne, werde man auch im Vatikanstaat über einen zeitweiligen Stopp von Großveranstaltungen entscheiden, erklärt der Mediziner. Darüber hinaus existiere auch ein Notfallszenario für den Schutz des Papstes, seiner engsten Mitarbeiter sowie der Mitarbeiter des vatikanischen Staatssekretariats und der Sicherheitskräfte in der Schweizergarde und der Gendarmerie vor dem Virus.