Aufregung um "unethisches Investment" der "Pax-Bank"
"Pax"-Bank und "Liga"-Bank trennten sich von Beteiligungen an Waffen-, Tabak- und "Pillen"-Produzenten
Berlin, 4.8.09 (KAP) Die beiden größten deutschen Kirchenbanken haben sich am Montag von ethisch umstrittenen Wertpapieren getrennt. Die Kölner "Pax"-Bank und die "Liga"-Bank in Regensburg reagierten damit auf einen Bericht des Magazins "Der Spiegel", der den katholischen Banken vorwarf, sich nicht an die eigenen Anlagekriterien zu halten. Die Direktoren der beiden Banken räumten Fehler im Management der gemeinsam aufgelegten Investmentfonds ein. Es ging um Beteiligungen an Waffen- und Tabakproduzenten sowie an einem Pharmaunternehmen, das auch die Anti-Baby-Pille herstellt. Das Anlagevolumen hatte einen Wert von zusammen rund 1,6 Millionen Euro.
Die "Pax"-Bank verwies in einer Presseerklärung darauf, dass die operative Anlageentscheidung von der Fondsgesellschaft "Union Investment" getroffen worden sei. Die im vorliegenden Fall aufgetretenen Kommunikationsprobleme seien Anlass, "die Strukturen weiterzuentwickeln".
Der "Liga"-Vorstandsvorsitzende Walter Alt entschuldigte sich für die "Panne". Sein Haus nehme kritische Anfragen seiner Kunden und auch der Presse "sehr ernst". Mit der "Pax"-Bank und den Managern der verantwortlichen Fondsgesellschaft werde nun nach Wegen gesucht, die Auswahl der Einzeltitel zu verfeinern. Vorfälle dieser Art sollten damit künftig ausgeschlossen werden. "Pax"-Bank und "Liga"-Bank sind die größten der fünf katholischen Bankhäuser in Deutschland.
Sommer weist auf ein weiteres Problem hin: Ethik sei immer auch subjektiv. Was der eine ablehne, stoße bei dem anderen auf Akzeptanz. Beispiel große Energiekonzerne: Während Umweltaktivisten deren Rohstoffverbrauch kritisieren, sehen andere deren große finanzielle Spielräume, um für alternative Energiegewinnung zu forschen. Deshalb müsse bei Geldanlagen stets auch abgewogen werden, so Sommer.
Die Sorge um saubere Geldanlagen treibt auch die "Bank für Kirche und Caritas" in Paderborn um. Sie spricht lieber von "nachhaltigem" als von "ethischem" Investment, wie Vorstandsmitglied Jürgen Reineke betont. Um diese Nachhaltigkeit sicherzustellen, wurde eigens ein Beirat mit externen Experten gegründet und ein Diplom-Theologe eingestellt. Zudem hat die Bank mit Hilfe externer Research-Unternehmen eine Positivliste mit Firmen erstellt, in die ethisch unbedenklich investiert werden kann. Zu den Tabus zählen unter anderem Staatsanleihen der USA, da dort die Todesstrafe praktiziert wird.
Wie sehr aber Ethik auch einen fortlaufenden Abwägungsprozess für die Bank darstellt, zeigt das Thema Kinderarbeit. Zunächst war diese laut Reinecke generell ein Ausschlusskriterium - bis sich die Erkenntnis durchsetzte, dass für viele Menschen in Entwicklungsländern ohne Kinderarbeit kein Überleben möglich ist. Nun schließt die Bank nur solche Firmen aus, denen "ausbeuterische" Kinderarbeit nachgewiesen werden kann und die menschenwürdige Bedingungen außer Acht lassen.
"Wenn Ethik versprochen wird, muss Ethik auch drin sein", betont Christoph Bickmann, Vorstand der "Darlehenskasse Münster" (DKM). Zugleich räumt er ein, dass es angesichts der Vielzahl der Aktien auf den globalisierten Finanzmärkten menschliches Versagen geben könne. Er verweist aber darauf, dass die DKM ausschließlich Kredite an Privatpersonen und karitative Einrichtungen vergibt. Zudem engagiere sich die Bank im Pfandbriefbereich und finanziere damit die Wohnungswirtschaft. Und einen weiteren Punkt in Sachen Ethik hebt Bickmann hervor: Im Gegensatz zu den Großbanken stehe bei den katholischen Banken nicht die Gewinnorientierung im Vordergrund, sondern die Förderung der Kunden und Mitglieder aus dem kirchlichen Bereich.