Streit um "Redeverbot" für Lebensschützer an der Uni
Wien, 15.6.06 (KAP) Die Auseinandersetzung um ein vermutetes "Redeverbot" für Lebensschützer an der Wiener Universität spitzt sich zu. Am Dienstag, 13. Juni, war am Neuen Institutsgebäude der Universität Wien (NIG) ein Vortrag einer Frau geplant, die über die psychischen Folgen ihrer Abtreibung berichten wollte. Veranstalterin war die Katholische Hochschulgemeinde (KHG) in Zusammenarbeit mit dem Verein "Jugend für das Leben". Die Reservierung der Räume war zunächst bestätigt worden, am 9. Juni teilte Vizerektor Prof. Johann Jurenitsch aber mit, dass die Veranstaltung aus Sicherheitsbedenken nicht möglich sei. Am 18. Mai hatten Gegner des Lebensschutzes am NIG eine Veranstaltung zum Thema Abtreibung durch Randalieren so weit beeinträchtigt, dass sie nur unter Polizeischutz fortgeführt werden konnte.
Jutta Lang, Pressesprecherin von "Jugend für das Leben", zeigte sich am Donnerstag bestürzt über die Vorgangsweise der Uni-Verwaltung: "Das Verbot der für 13. Juni vorgesehenen Veranstaltung ist ein Zugeständnis an die Methoden der Abtreibungsbefürworter, die durch verbale und tätliche Gewalt zu verhindern versuchen, dass Lebensschützer ihr Recht auf freie Meinungsäußerung friedlich nutzen können". Von Seiten der "Jugend für das Leben" sei der friedliche Verlauf der Veranstaltung am 13. Juni garantiert gewesen, betonte Jutta Lang.
Es sei verständlich, dass die Uni-Verwaltung Auseinandersetzungen vermeiden wolle. Doch "erzwungenes Schweigen" sei "falscher Friede", so Jutta Lang. Friede könne nicht dadurch zu Stande kommen, dass eine gewaltbereite Gruppierung einer Minderheit das Wort verbietet. Es sei alarmierend, wenn eine Referentin zum Schweigen gebracht wird, nur weil sie "das gesellschaftlich tabuisierte Thema der Abtreibungsfolgen aufgreifen will".
Mit ihrer Vorgangsweise im Hinblick auf die Veranstaltung am 13. Juni habe die Universität gegen ihr Wesen als "Zentrum und Vorbild der Gedankenfreiheit" verstoßen. "Es sollte zu denken geben, wenn sich die Uni-Verwaltung nicht im Stande sieht, das Grundrecht der Meinungsfreiheit gegen einige wenige Randalierer zu verteidigen", so Jutta Lang. Umso bedenklicher seien Berichte, dass seitens des ÖH-Frauenreferats mit dem Rektorat darüber verhandelt werde, Lebensschützern auf Universitätsboden grundsätzlich jegliche Veranstaltung zu untersagen. Vor zwei Jahren hätten dagegen 300 Abtreibungs-Lobbyisten in den Räumen der Universität tagen können.
Vortrag im "Stummfilmverfahren"
Am 18. Mai war es im "Neuen Institutsgebäude" (NIG) der Wiener Universität bei einem von der Katholischen Hochschulgemeinde angemeldeten Vortrag "Abtreibung und Machtmißbrauch - Ideologische Hintergründe struktureller Gewalt" zu dramatischen Auseinandersetzungen gekommen. Der Referent - Martin Minkowitsch - und Vertreter der Hochschulgemeinde waren bereits am Eingang des NIG von Gegnern "empfangen" worden, aufgelegte Informationsmaterialien werden zerrissen, dafür wurden Aufkleber blasphemischen Inhaltes auf Wände und Tische geklebt. Auch das Mikrophon verschwand. Der Portier holte schließlich die Polizei. Die Polizei wirkte "de-eskalierend", sodaß die Veranstaltung trotz des Lärmvorhangs der "Gegner" im "Stummfilmverfahren" - durch das Niederschreiben von Auszügen des Vortrags (Naturrecht, Freiheit und Gewissen) auf der Tafel - durchgeführt werden konnte.
Die Störung von Lebensschutz-Veranstaltungen am NIG hat allerdings eine jahrzehntealte Tradition. So wurden auch Lebensschutz-Veranstaltungen mit dem 1994 verstorbenen Wiener Weihbischof Florian Kuntner in den achtziger Jahren dramatisch gestört.