Bestürzung über Beschluss zur Embryonenforschung
Brüssel, 16.6.06 (KAP) Die "Kommission der Bischofskonferenzen des EU-Raumes" (ComECE) ist "bestürzt", dass das Europäische Parlament die Instrumentalisierung und Zerstörung menschlicher Embryonen unterstützt. ComECE-Generalsekretär Msgr. Noel Treanor betonte im Hinblick auf den Beschluss des Europäischen Parlaments über das 7. Forschungsrahmenprogramm, die Bischöfe unterstützten eine effektive EU-Forschungspolitik "im Dienste des Gemeinwohls". Gegen den Vorschlag, EU-Finanzmittel für Forschungsaktivitäten mit menschlichen Embryonen und humanen embryonalen Stammzellen zur Verfügung zu stellen, müsse aber entschiedener Einspruch erhoben werden. Die europäischen Bischöfe fordern das Europäische Parlament, den EU-Ministerrat und die Europäische Kommission auf, ihre Haltung zu dieser Frage zu überdenken und die gemeinsamen EU-Forschungsanstrengungen auf wirklich gemeinsame Forschungsprioritäten zu konzentrieren, die nicht ethisch umstritten sind.
Die Embryonenforschung werfe "grundlegende anthropologische und ethische Probleme auf", unterstrich Treanor. Viele Menschen hätten Bedenken gegen Forschung, "die menschliches Leben instrumentalisiert und als Rohmaterial verbraucht". Das sei nicht nur eine katholische Position. Wissenschaftlich gebe es keinen Grund, einen moralischen Unterschied zwischen einem Embryo am Beginn der Entwicklung und nach der Einnistung (oder nach 14 Tagen Entwicklung) zu machen. Menschliche Würde sei nicht abhängig von Entscheidungen anderer Menschen - und dürfe nicht davon abhängig gemacht werden, betonte der ComECE-Generalsekretär. Jedes menschliche Leben beginne mit der Empfängnis, es dürfe nie instrumentalisiert werden.
Das Europäische Parlament hatte am Donnerstag mit einer knappen Mehrheit seine Unterstützung für EU-Finanzierung von Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen erklärt. Da die "Produktion" sogenannter "überzähliger" menschlicher Embryonen bei der In-vitro-Fertilisation nicht ausgeschlossen wird, könnten zudem Forschungsaktivitäten, bei denen Embryonen zerstört werden, unter dem 7. Forschungsrahmenprogramm finanziert werden; lediglich die Herstellung menschlicher Embryonen allein zu Forschungszwecken kann nicht von der EU finanziert werden.
Es sei eine Tatsache, dass es "verschiedene Meinungen zum anthropologischen Status des Embryo gibt und zu den ethischen Folgen von Experimenten mit menschlichen Embryonen", erinnerte Treanor. Weil es beim Gebrauch und der Zerstörung menschlicher Embryonen um die Unverletzlichkeit menschlichen Lebens und menschlicher Würde geht und tiefste Überzeugungen vieler EU-Bürger betroffen sind, habe die EU eine moralische Pflicht, sich der Förderung solcher Forschung, die in mehreren Mitgliedsstaaten verboten ist, zu enthalten. Der Beschluss des Europaparlaments würde bedeuten, dass sich die EU in "delikate nationale Entscheidungen" in dieser Frage einmischt und damit das Prinzip der Subsidiarität verletzt.
Schließlich sei es angesichts der begrenzten Ressourcen für die EU- Forschung "unverständlich", dass ausgerechnet die Embryonenforschung von der EU unterstützt werden soll. Sollte dies die endgültige Entscheidung werden, würde dies Misstrauen gegen die EU und ihre Entscheidungsprozesse fördern, stellte der ComECE-Generalsekretär fest.