Olympia-Kaplan Maier fordert neuen Ethos im Sport
Der Salesianer mahnte angesichts der jüngsten Dopingskandale zu mehr Fairness im Sport, sonst werde der Sport uninteressant. "Will man den Menschen immer mehr optimieren, dann wird das unmenschlich"
Image (img2) invalid or missing |
|
Skistar Rainer Schönfelder mit Oympia-Kaplan Bernhard Maier |
Wien-Taipeh (KAP) Seine Forderung nach einem neuen Ethos im Sport hat Olympiakaplan P. Bernhard Maier bekräftigt. Der Salesianer, der erst kürzlich bei den "World Sport Games 2009" (16.-26. Juli) in Taiwan als katholischer Seelsorger im Einsatz war, mahnte im Gespräch mit "Kathpress" angesichts der jüngsten Dopingskandale zu mehr Fairness im Sport; sonst werde der Sport uninteressant.
"Will man den Menschen immer mehr optimieren, dann wird das unmenschlich", so P. Maier weiter. Man könne und dürfe nicht alles ausmerzen, was an die Vergänglichkeit des Menschen erinnert. Die Folge wäre eine "fürchterliche Gesellschaft", so der Salesianer. Nach P. Maier, der das Don Bosco-Gymnasium in Unterwaltersdorf leitet, muss dieses neue Sportethos bereits in der Schule grundgelegt werden: "Schon im Turnunterricht müssen die Schüler lernen, wie sie mit ihren natürlichen Kräften am besten haushalten."
Fairness im Sport habe für ihn, so der Sportlerseelsorger, sehr stark mit der Achtung der Menschenwürde zu tun. Gerade im Jahr der Menschenrechte müsse auch in der Welt des Sports der absolute Respekt vor der anderen Person, die nie nur Mittel zum Zweck sein darf, gefördert werden. Neben strukturellen Maßnahmen wie mehr Kontrolle und Bestrafung sei besonders der Wille der Sportler und im Sportbereich Verantwortlichen zu stärken, damit sie der Dopingversuchung nicht erliegen.
"Politisch feige" Staaten
Scharfe Kritik übte P. Maier im "Kathpress"-Gespräch an jenen Staaten, die unter dem Druck Chinas ihre Beziehungen mit Taiwan abbrechen würden. Der Olympiakaplan bewertete die Isolierung Taiwans als "Armutszeugnis für die internationale Staatengemeinschaft". Zahlreiche Staaten würden Taiwan aus "rein utilitaristischen Gründen und politischer Feigheit fallen lassen".
In Europa unterhält einzig der Vatikan diplomatische Beziehungen mit Taiwan. "Dem Versprechen Chinas, die Situation der katholischen Kirche in China zu verbessern, wenn der Vatikan seinen Kontakt zu Taiwan abbricht, hat der Kirchenstaat nicht nachgegeben", freute sich P. Maier. Er habe Taiwan als "hochmodernes und unheimlich gastfreundliches Land" kennen gelernt.
Auf Einladung der katholischen Kirche in Taiwan wurde P. Maier vom Vatikan nach Taiwan geschickt, um die Sportler bei den "World Sport Games" seelsorglich zu betreuen. "Die 'World Sport Games' sind so etwas wie die olympischen Spiele der nichtolympischen Sportarten", so P. Maier. Jeweils im Jahr nach den Olympischen Sommerspielen finden sie unter der Patronanz des olympischen Komitees statt, mit Sportarten wie Seilziehen, Bodybuilding oder Faustball.
Von Kirche in Taiwan beeindruckt
Es sei schwierig gewesen, in so kurzer Zeit Beziehungen zu den Teilnehmern aufzubauen, berichtete der Salesianerpater; dennoch sei das geistliche Angebot - wie etwa Gottesdienste - von einer Reihe von Sportlern und Trainern angenommen worden. Zusammen mit einer "hoch motivierten Gruppe an Freiwilligen" der taiwanesischen Kirche habe er "das Beste gegeben", bei vielen Events und Wettkämpfen Kontakte geknüpft und versucht, den katholischen Glauben vorzustellen.
Von der Kirche in Taiwan zeigte sich P. Maier sehr beeindruckt. Die Christen - knapp vier Prozent - machten eine "unheimlich frischen und unverbrauchten Eindruck". Die Kirche habe er als "sympathisch und schön" erfahren.