Abtreibung: Schönborn schreibt an Bürgermeister Häupl
Sorge über geplante Festfeier im Rathaus aus Anlass des 30-jährigen Bestehens der Abtreibungsklinik "pro:woman" - Plädoyer des Wiener Erzbischofs für einen "Runden Tisch" zur Verwirklichung der vor 35 Jahren versprochenen "flankierenden Maßnahmen" zur Fristenregelung
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Kardinal Schönborn und Wiens Bürgermeister Häupl |
Wien (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat in einem persönlichen Brief an Bürgermeister Michael Häupl seine Sorge über eine im Wiener Rathaus geplante Festfeier aus Anlass des 30-jährigen Bestehens der Abtreibungsklinik "pro:woman-Ambulatorium" zum Ausdruck gebracht. Durch eine solche Veranstaltung werde deutlich gemacht, dass es "offenbar keinen Konsens im Hinblick auf den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis an gibt".
Der Wiener Erzbischof stellte noch einmal die Überzeugung der Kirche klar: Niemand rufe nach Strafe für verzweifelte Frauen. Aber Abtreibung sei keine Lösung. Das geltende österreichische Gesetz sage sehr deutlich, dass Abtreibung Unrecht ist: "Es geht um die Tötung menschlichen Lebens. Das ist keine Bagatelle".
Zugleich erinnerte Kardinal Schönborn an die Worte von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2007 in der Wiener Hofburg: "Ich verschließe nicht die Augen vor den Problemen und Konflikten vieler Frauen und bin mir dessen bewusst, dass die Glaubwürdigkeit unserer Rede über das Menschenrecht auf Leben auch davon abhängt, was die Kirche selbst zur Hilfe für betroffene Frauen tut". In der Erzdiözese Wien werde bereits seit 1973 durch den Diözesanen Hilfsfonds für Schwangere in Not dieses Wort des Papstes in die Praxis des Alltags übersetzt. Kardinal Schönborn: "In den 36 Jahren seit der Gründung des Hilfsfonds konnte tausenden Frauen geholfen werden - materiell und seelisch -, tausende Kinder wurden geboren, weil es diesen Fonds gibt".
Vorschlag zu "Rundem Tisch"
Statt einer Festveranstaltung für ein Abtreibungsambulatorium wäre es an der Zeit, "dass wir uns an einem 'Runden Tisch' zusammensetzen, um über die Verwirklichung jener 'flankierenden Maßnahmen' zur Fristenregelung zu reden, die Bundeskanzler Bruno Kreisky 1974 (!) zusagt hat", so der Wiener Erzbischof wörtlich. Bruno Kreisky habe 1974 auch gesagt, dass nur "sehr arme oder sehr ungebildete Gesellschaften" Abtreibung als Mittel der Geburtenkontrolle einsetzen.
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Österreich sei "weder arm noch ungebildet, Gott sei Dank". "Eine reiche Gesellschaft wie die österreichische, eine blühende Stadt wie Wien muss Rahmenbedingungen schaffen können, damit Frauen sich nicht gedrängt fühlen, eine Abtreibung in Betracht zu ziehen", so Kardinal Schönborn.
Dass mit dem 30-jährigen Bestehen von "pro:woman" offensichtlich auch das zehnjährige Bestehen der österreichischen Sektion von "Marie Stopes International" begangen werden soll, sei für ihn unverständlich. Denn Marie Stopes (1880-1958) sei auch eine entschlossene Vorkämpferin des "eugenischen" Denkens gewesen, die für die Sterilisierung von "Erbkranken" eingetreten sei.
Kardinal Schönborn betonte sein Vertrauen auf die Sensibilität des Wiener Bürgermeisters "für ein zentrales Problem unserer Gesellschaft wie das 'Recht auf Leben'" und unterstrich seine Gesprächsbereitschaft. Er hoffe, dass es nicht zu der geplanten Veranstaltung im Rathaus komme.