Neu-Evangelisierung Europas "eint West- und Ostkirche"
Kardinal Christoph Schönborn hält sich derzeit mit einer "Pro Oriente"-Delegation in Griechenland auf, wo er in Saloniki die 5. Internationale Patrologen-Tagung eröffnen wird
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Kardinal Schönborn, Erzbischof Hieronymos und Metropolit Staikos |
Athen (KAP) Die Sorge um die Neu-Evangelisierung Europas muss West- und Ostkirche einen. Das betonte Kardinal Christoph Schönborn bei einer Begegnung mit dem orthodoxen Erzbischof von Athen, Hieronymos (Liapis). Der Wiener Erzbischof hält sich derzeit mit einer "Pro Oriente"-Delegation in Griechenland auf, wo er am Mittwoch in Saloniki die 5. Internationale Patrologen-Tagung eröffnen wird.
In dem Gespräch mit Erzbischof Hieronymos unterstrich Kardinal Schönborn die Notwendigkeit einer gemeinsamen christlichen Antwort aller Konfessionen auf den zunehmenden Säkularismus. Statt immer mehr Papier zu produzieren, brauche es konkrete praktische Taten. Der Athener Erzbischof stimmte mit Kardinal Schönborn überein und verwies zugleich auf die großen gesellschaftlichen Probleme Griechenlands, wie jenes der Migration.
Zur "Pro Oriente"-Delegation gehört auch der Wiener griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos. Er wies bei der Unterredung mit Erzbischof Hieronymos auf die "ausgezeichneten ökumenischen Beziehungen" in Österreich hin. Auch wenn manche kirchliche Stimmen die Ökumene derzeit in einer Krise sehen, gebe es zum Dialog keine Alternative, so Staikos. Das sei auch die Überzeugung des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I.
Anti-ökumenische Strömungen
Am Dienstagvormittag reiste Kardinal Schönborn mit seiner Delegation von Athen Saloniki weiter. In der nordgriechischen Metropole stand u.a. eine Begegnung mit dem orthodoxen Metropoliten Anthimos (Roussas)auf dem Programm. Wie Metropolit Anthimos sagte, befinde sich die Ökumene derzeit in einer "schwierigen Situation". Trotzdem sei er aber überzeugt, das es zum ökumenischen Dialog keine Alternative gebe. Der Metropolit räumte ein, dass es innerhalb der orthodoxen Kirche anti-ökumenische Strömungen gebe, letztlich handle es sich dabei jedoch nur um einen kleinen Prozentsatz.
Metropolit Prokopios (Georgantopoulos) von Nea Krini betonte bei seiner Unterredung mit Kardinal Schönborn und der "Pro Oriente"-Delegation, dass die Sorge um die christliche Zukunft nicht nur die Orthodoxie, sondern alle Kirchen betreffe. In dieser Situation müsse die besondere Zuwendung der Kirche der Jugend gelten. Ausdrücklich würdigte der Metropolit die guten Beziehungen zwischen orthodoxer und katholischer Kirche in Österreich und sprach wörtlich von "Harmonie" bzw. "versöhnter Verschiedenheit".
Die fünfte Patrologentagung in Thessaloniki dauert von Mittwoch bis Samstag und bringt katholische und orthodoxe Theologen aus 17 Ländern zusammen. Das Thema der Tagung lautet "Heiligkeit und Apostolizität in der Kirche".
Schwierige Lage der katholischen Kirche
Kardinal Schönborn traf in Athen auch mit dem katholischen (lateinischen) Erzbischof Nikolaos Foscolos zusammen. Die katholische Kirche in Griechenland geht auf die Zeit der "fränkischen" und venezianischen Herrschaft ab dem 13. Jahrhundert zurück. Auf den Ionischen Inseln, die bis in die napoleonische Zeit venezianisch waren, aber auch auf manchen Inseln der Ägäis (wo die osmanische Herrschaft nur formell war) ist die katholische Kirche traditionell verankert. Durch den Zustrom von katholischen Migranten aus dem Nahen Osten, Polen und der Ukraine ist die Zahl der Katholiken in den letzten Jahren auf mehr als 300.000 gestiegen. Viele davon sind Flüchtlinge ohne legalen Aufenthaltsstatus im Land.
Für die katholische Kirche bedeute die neue Situation eine große Herausforderung, so Erzbischof Foscolos. Es gebe nicht genügend Priester und Gotteshäuser. Waren früher die Gebiete mit großem katholischen Bevölkerungsanteil klar lokalisiert, so leben Katholiken heute über das ganze Land verstreut. Viele Katholiken stammten aus Afrika, dem Nahen Osten, aber beispielsweise auch von den Philippinen, aus Polen oder aus Ländern der Ex-Sowjetunion.
Die Beziehungen zur orthodoxen Kirche bezeichnete der Erzbischof als schwierig. Zwar gebe es mitunter auch von orthodoxer Seite Initiativen einzelner Geistlicher zur Zusammenarbeit, die Regel sei das aber nicht.
Erzbischof Foscolos bekräftigte im Gespräch mit Kardinal Schönborn und der "Pro Oriente"-Delegation die Forderung der katholischen Kirche, ihren rechtlichen Status in einem Gesetz neu zu regeln. Dazu habe es in der Vergangenheit auch schon einige Anläufe gegeben. Bisher sei aber vom Parlament noch nichts verabschiedet worden und nun müsse man zunächst die Wahlen am 4. Oktober abwarten, bevor überhaupt wieder Bewegung in die Angelegenheit kommen könne.
Auf Anfrage sagte Foscolos, dass man von Seiten der katholischen Kirche nicht jenen öffentlich-rechtlichen Rechtsstatus anstrebe, den die orthodoxe Kirche genießt, denn dies beinhalte etwa auch weitreichende Eingriffsrechte des Staates in die Kirche. Das sei mit dem katholischen Kirchenverständnis nicht vereinbar. Er wolle jedenfalls die Hoffnung auf eine Besserung der Situation für die katholische Kirche in Griechenland nicht aufgeben und setze dabei vor allem auf die junge Generation.