Baldiges Treffen Papst Benedikt und Patriarch Kyrill?
Der russisch-orthodoxe "Außenminister", Erzbischof Hilarion, besuchte den Papst. Hilarion unterstrich die gemeinsamen Interessen der katholischen und orthoxen Kirche und sieht keine Konkurrenz
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Vatikan, 23.9.09 (KAP) Keine Konkurrenz zwischen orthodoxer und katholischer Kirche, dafür mehr Zusammenarbeit: Dazu hat der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Erzbischof Hilarion, aufgerufen. Hilarion war am Freitag in Castelgandolfo von Papst Benedikt XVI. empfangen worden. Zentrale Punkte des Gespächs waren die Situation in der Westukraine und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen römisch-katholischer und russisch-orthodoxer Kirche. Bei einer Pressekonferenz unterstrich er die gemeinsamen Interessen beider Kirchen.
Das Moskauer Patriarchat befürworte den Einsatz des Papstes für die christlichen Werte, betonte der Leiter des Außenamts (der früher russisch-orthodoxer Bischof von Wien und Österreich war): "Wir unterstützen den Papst auch dann, wenn seine mutigen Aussagen negative Reaktionen hervorrufen und öffentlich angefeindet oder von einigen Medien sogar verfälscht werden. Wir sind überzeugt davon, dass er verpflichtet ist, für die Wahrheit Zeugnis zu geben, und deshalb stehen wir ihm nah, auch dann, wenn seine Worte auf Opposition stoßen".
Keine Hoffnungen auf "Gipfeltreffen"
Trotzdem machte Erzbischof Hilarion keine Hoffnungen auf ein baldiges kirchliches "Gipfeltreffen" zwischen Papst Benedikt XVI. und Patriarch Kyrill I. Persönlich hoffe er sehr, dass es "früher oder später" zu einem solchen Treffen komme. Auf beiden Seiten bestehe der Wunsch, diese Begegnung "mit großer Sorgfalt" vorzubereiten. Derzeit könne man aber "weder Zeit noch Ort" für eine solche Begegnung absehen.
Grundsätzlich seien die ökumenischen Beziehungen zwischen römisch-katholischer und russisch-orthodoxer Kirche heute viel besser als in der Vergangenheit, betonte Erzbischof Hilarion. Durch den ökumenischen Dialog könnten sich Orthodoxe und Katholiken den ethischen Herausforderungen von heute intensiver stellen: "Gemeinsam können wir der Welt die spirituellen und moralischen Werte des christlichen Glaubens näher bringen. Gemeinsam können wir unser christliches Verständnis der Familie, unser Konzept der sozialen Gerechtigkeit, unseren Einsatz für den Schutz der Umwelt, des Lebens und der Menschenwürde präsentieren".
Konfliktpunkte
Er hoffe, dass die Probleme, die zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche stehen, "bald überwunden seien", so der Leiter des Außenamts vor den Journalisten. Bevor es jedoch zu einem Treffen zwischen Benedikt XVI. und Kyrill I. komme, müssten die ökumenischen Spannungen in der Ukraine gelöst werden. Erzbischof Hilarion räumte ein, dass die Unterdrückung und Enteignung der griechisch-katholischen Kirche in der Westukraine in der Sowjetära schweres Unrecht war. Aber auch die gewaltsame Wiederinbesitznahme von Kirchen und Klöstern durch die "Unierten" sei Unrecht gewesen. In vielen westukrainischen Städten hätten die Orthodoxen keine Gotteshäuser mehr. Solange dieser Konflikt nicht geklärt sei, würde es bei den russisch-orthodoxen Gläubigen auf Unverständnis stoßen, wenn "der Papst und der Patriarch zusammentreffen und einander die Hände schütteln". Von katholischer Seite solle man keine Anstrengungen scheuen, um die ukrainische Frage "von der Tagesordnung der bilateralen Beziehungen" zu entfernen, auch wenn diese Frage "tiefe historische Wurzeln" habe.
Während seines Vatikan-Besuchs war Erzbischof Hilarion mit zahlreichen Kurienvertretern zusammengetroffen, u.a. mit Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, sowie mit dem Präsidenten des Päpstlichen Kultur-Rates, Erzbischof Gianfranco Ravasi.
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Im Gespräch mit Kardinal Bertone erinnerte Erzbischof Hilarion daran, dass die russisch-orthodoxe Kirche zwar keinen völkerrechtlich anerkannten Status wie der Heilige Stuhl habe, aber trotzdem international tätig sei. In diesem Zusammenhang sagte Hilarion, er hoffe, dass die katholische Kirche in Ländern des traditionellen "kanonischen Territoriums" des Moskauer Patriarchats (wie Ukraine, Kasachstan usw.) regelmäßige "Konsultationen" mit den russisch-orthodoxen Bischöfen halte. Die russisch-orthodoxe Kirche unterhalte in katholischen Ländern "freundliche Kontakte" mit den katholischen Diözesen. Kardinal Bertone betonte, dass der Vatikan stets "die Bedeutung und den Einfluss" des Moskauer Patriarchats respektiere.
Kardinal Kasper: Beziehungen in letzten Jahren verbessert
Bei der Begegnung mit Kardinal Kasper betonten beide Seiten, dass das Verhältnis von römisch-katholischer und russisch-orthodoxer Kirche auf einer "festen Basis von Verständnis und gegenseitigem Respekt" stehe. Vor allem wolle man weiter auf dem Feld der Ethik zusammenarbeiten. In Fragen der Familie, der sozialen Gerechtigkeit oder der Sexualethik habe man die gleichen oder zumindest ganz ähnliche Vorstellungen, sagte Kardinal Kasper im Gespräch mit "Radio Vatikan". Bei dem Treffen sei es auch um die Schaffung einer gesamteuropäischen orthodoxen Institution gegangen, die als Dialogpartnerin für den "Rat der Europäischen Bischofskonferenzen" (CCEE) in Frage komme. Kardinal Kasper unterstrich, dass in den letzten Jahren die Beziehung zwischen dem kirchlichen Moskau und dem kirchlichen Rom stark verbessert worden sei.
Am Montag feierte Erzbischof Hilarion die Heilige Liturgie in den Callixtus-Katakomben. Nach dem Gottesdienst sagte der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, die Kirchenspaltung (Schisma) des 11. Jahrhunderts zwischen West- und Ostkirche sei "eine Sünde" gewesen.
In seiner Predigt hatte Erzbischof Hilarion an den Mut der frühen römischen Christen erinnert, die in den Katakomben Gottesdienst feierten. Das Leben dieser Christen habe Heiligkeit und den "Heldenmut des Martyriums" hervorgebracht. Die Kirche sei durch das Blutzeugnis dieser frühen Christen aufgebaut worden.
Es handelte sich um den ersten Rom-Besuch Erzbischof Hilarions seit seiner Ernennung zum Außenamtschef des Moskauer Patriarchats. Der 43-jährige Theologe und Musikwissenschaftler, der seit 2003 als Bischof von Wien und Österreich amtiert hatte, übernahm seinen Posten von dem im Februar gewählten Patriarchen Kyrill I.