"Bischof Weber ist der Typ des Guten Hirten"
Kardinal Schönborn und der steirische Diözesanbischof Kapellari würdigten den Grazer Altbischof anlässlich seines Jubiläums 40 Jahre Bischofsweihe. Kapellari betonte "große Kraft seines Herzens"
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Bischof Johann Weber |
Graz, 28.9.09 (KAP) Der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari hat im steirischen "Sonntagsblatt" seinen Amtsvorgänger Johann Weber gewürdigt. Der 40. Jahrestag der Bischofsweihe Webers wird am Sonntag im Grazer Dom gefeiert. Kapellari betonte dabei insbesondere Webers "große Kraft des Herzens", aber auch den großen Einsatz seines Vorgängers "im Denken und im Handeln". Weber habe dabei immer wieder "das Miteinander von Bischof, Priestern und Laienchristen gesucht und gefunden in unzähligen Begegnungen und auch in den diözesanen und gesamtösterreichischen Gremien". Bischof Kapellari erinnerte daran, dass ein von Weber verfasstes Buch den Titel "Bei den Leuten" trägt. Den damit formulierten Anspruch habe Bischof Weber "reichlich mit Leben erfüllt".
Wörtlich stellte Kapellari fest: "Bei den Menschen wollte er sein und besonders bei denen, die es schwer haben im Leben. Viele haben es ihm gedankt und tun es bis heute". In den 30 Jahren der leitenden Verantwortung Webers für die Diözese Graz-Seckau und in den drei Jahren, in denen er auch Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz war, habe es viele Erfolge gegeben, vom Steirischen Katholikentag 1981 bis zur Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung 1997. Kapellari: "Es gab auch nicht wenig Wehtuendes, vor allem in den Jahren um 1995. Von dem hat sich der steirische Bischof nicht lähmen lassen, sondern zusammen mit verlässlichen Helferinnen und Helfern neue Wege gesucht und gefunden".
"Bischof Weber ist der Typ des Guten Hirten", stellte Kardinal Christoph Schönborn im "Sonntagsblatt" fest: "Er ist immer 'bei den Leuten'. Aber zugleich fordert er die doppelte Treue ein: zu Gott und zum Leben der Menschen. Zum Jubiläum ein herzliches 'Vergelt's Gott'".
Caritas-Präsident Franz Küberl betonte im "Sonntagsblatt": "Bischof Weber hat ein ungeheures Gespür für die 'kleinen Leute'. Er steht immer auf du und du mit den Grundfragen der Gesellschaft". Weber habe die Fähigkeit, die Kirche "nach vorne zu denken". Mit seiner "gelassenen, heiteren und zugleich bestimmten Art" habe Bischof Weber das kirchliche Leben geeint, befruchtet und als guter Hirte weit nach vorne geführt".
"Seelsorge soll bunt sein"
Im Interview mit dem "Sonntagsblatt" bekräftigte Altbischof Weber, dass der Glaube personale Nähe brauche. "Gläubig sein ist kein Solistengeschäft. Glaube wächst in der spürbaren Nähe von Menschen, die selber auch auf dem Weg sind", so Weber wörtlich. Er habe es stets als beglückend erlebt, "dass Frauen und Männer, aus verschiedenen Berufen, Geweihte und sogenannte Laien, einfach da sind. Dass das pilgernde Volk Gottes Gestalt annimmt in einem Pfarrer, einem Pfarrgemeinderat, einer Religionslehrerin, einer Ordensschwester, in 'gewöhnlichen' Christen, in allen Berufen und in jedem Alter".
Seelsorge sollte grundsätzlich bunt sein, so Weber. Buntheit vertrage keine Verbissenheit in dem Sinn, dass nur das Eigene gelte, "und die anderen sind alle schon untreu". Weber: "Wirklich gelten soll das Miteinander des ganzen Volkes Gottes, das Vertrauen zum Guten Hirten".
Der zahlenmäßige Rückgang - Kirchenaustritte, Mitfeier der Sonntagsmesse, Anzahl der Priester und Ordensleute - sei schmerzlich, betonte Bischof Weber. Dennoch sei es nicht einfach "abmessbar", wieweit die Menschen glauben.
Sein Eindruck sei, dass festliche Höhepunkte im Leben der Menschen an Zuneigung gewonnen haben. Es habe Zeiten gegeben, in denen alles Religiöse fast demonstrativ als lächerlich betrachtet wurde. Heute wachse wieder eine neue Art von "Andacht", die man nicht gleich kirchlich vereinnahmen könne: "Doch die Lebensfragen sind wieder stärker im Blick".