Bischof Scheuer: Tirol ist "durchaus religionsgeladen"
Innsbruck, 26.6.06 (KAP) Die Bedeutung einer lebendigen christlichen Tradition für die Zukunft des Landes Tirol hat der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer hervorgehoben. Bei einer Messfeier am Herz-Jesu-Sonntag in Innsbruck erneuerte das offizielle Tirol - wie alljährlich - das Herz-Jesu-Gelöbnis. Tirol sei "durchaus religionsgeladen", betonte Scheuer in seiner Predigt, andererseits gebe es "vielfältige Traditionsbrüche", und die Zahl der "religiösen Analphabeten" steige. Das Herz Jesu verehren heiße, den christlichen "Glauben zu leben, zu bezeugen und weiterzugeben", sagte der Bischof und forderte die Eltern auf, ihre Kinder "nicht um Gott zu betrügen".
Das Herz Jesu bezeichnete der Bischof als "Symbol der Beziehung, der Liebe und auch der Verwundbarkeit". "Die gesellschaftliche Zukunft unseres Landes hängt wesentlich daran, ob es vom Herzen Jesu geprägt ist", so Scheuer. Herz-Jesu-Verehrung verwirkliche sich auch in der Hinwendung zu jenen, "denen Jesus sein Herz geöffnet hat". Es gelte daher, den Kindern Zeit und Raum zu geben, den Jugendlichen durch Arbeit zu signalisieren, dass sie gebraucht werden, und den alten Menschen daheim und in den Heimen die Würde zu erhalten. Weiter ermutigte Scheuer zu politischem Engagement. Christen seien daher aufgerufen, sich auch und gerade in der Politik für die Mitmenschen einzusetzen.
Klar wandte sich der Bischof gegen Fremdenfeindlichkeit: "Das Herz Jesu ist nicht zu vereinbaren mit einer Sperrhaltung gegen alles Fremde, mit grundsätzlichem Misstrauen, mit einer grundsätzlichen Abwehrreaktion." Weiter hob Scheuer hervor: "Menschliche Freiheit gelingt nicht in der Gettoisierung oder in einer Festung, nicht durch kämpferische Selbstverteidigung, Verhärtung oder Totalbewaffnung."
In vielen Tiroler Pfarrgemeinden fanden am Sonntag Herz-Jesu-Prozessionen statt. Das Gelöbnis geht auf einen Beschluss der Tiroler Landstände im Jahre 1796 zurück, Tirol dem Herzen Jesu zu weihen. Damals herrschte (napoleonische) Kriegsgefahr.