Kirche braucht "wache Christen"
Graz-Innsbruck-Eisenstadt, 26.6.06 (KAP) Die Notwendigkeit "wacher Christen", die über "Hellsichtigkeit" verfügen und "die Geister unterscheiden" können, hat der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari am Sonntag bei der Weihe von zwei Neupriestern im Grazer Dom unterstrichen. In der heutigen Zivilgesellschaft und ihren Massenmedien erscheine die katholische Kirche oft nur dann interessant, wenn es um die Frage geht, wie weit sich die Kirche betreffend Ehe, Familie, Lebensschutz und Umgang mit Sexualität den "statistisch dominanten Trends und Standards anpassen" soll oder kann. Nach dem "humanen Preis der Öffnung solcher Grenzen" werde dabei nur wenig gefragt, so Bischof Kapellari in seiner Predigt. Um so mehr brauche es Christen, die zur Unterscheidung der Geister fähig sind.
In seiner Predigt ging Kapellari auch auf den Priestermangel ein, den es in Österreich - anders als in vielen anderen Ländern - gebe. Man solle diese Sorgen "nicht kleinreden", so Kapellari. Er vertraue aber darauf, dass Gott seine Kirche führt und immer Wege zeigen wird, die der Kirche helfen, regional, kontinental und global ein "großes Licht" zu sein inmitten der Völker und für die Völker.
Seit der Zeit der frühen Kirche hätten unzählige Männer und Frauen in voller Verfügbarkeit für das Evangelium auch ehelos gelebt. Unter ihnen seien auch Paulus und andere Apostel und vor allem Jesus Christus selbst gewesen. "Diese Existenzform ist keine Abwertung von Ehe und Familie, sondern eine zusätzliche Gabe an die Kirche von Generation zu Generation", so Bischof Kapellari. Die Ehelosigkeit sei - was oft vergessen werde - auch in anderen Weltreligionen verbreitet, wie zum Beispiel im heute in Europa für viele Menschen faszinierenden Buddhismus.
Scheuer: Kritik an "Magie der Zahl"
Der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer weihte am Sonntag im Innsbrucker Dom den 28jährigen Wolfang Meixner zum Priester. Ein Priester, so der Bischof, sei wie ein "Seiltänzer", für den die Balance wichtig sei: die Balance zwischen Engagement und Gelassenheit, Einsamkeit und Gemeinschaft. Entscheidend sei, dass der priesterliche Dienst "von Jesus Chistus her und auf ihn hin" verstanden werde. Die Liebe zur Kirche sei wichtig angesichts der Tatsache, dass "die Kirche in den Seelen der Menschen schwindet". Es gelte für den Priester, "ohne ein Fremdkörper zu sein, ohne Aufsehen die Menschen zu den inneren Fragen hin zu führen, auf Jesus zu verweisen".
Kritisch äußerte sich der Bischof, dass in den Medien die Darstellung von Tatsachen allzu sehr einer "Magie der Zahl" verfallen sei. Auch bei den Angaben zu den Priesterweihen in Österreich sei dies in letzter Zeit geschehen. Zahlen, Skalen, Rankings und Quoten seien nicht geeignet, alle Dimensionen von Wirklichkeit und Lebendigem einzufangen. Auch wenn Wolfgang Meixner "nur einer" sei, freue er sich als Bischof, ihn zum Priester weihen zu können. Der neue Geistliche sei ein "Geschenk für die Kirche von Innsbruck", hob Scheuer hervor.
Weihe "keine Selbstverständlichkeit"
Die Entscheidung, sich zum Priester weihen zu lassen, ist keine "menschliche Initiative", sondern komme "von oben". Das unterstrich der Linzer Alt-Bischof Maximilian Aichern am Samstag bei der Weihe des Neupriesters Vinko Medugorac im Eisenstädter Martinsdom. Die Handauflegung durch den Bischof sei Zeichen dafür, dass "etwas weitergegeben wird, was wir selbst geschenkt bekommen haben und das auf Jesus selbst zurückgeht", so Aichern in seiner Predigt.
Die Priesterweihe sei somit ein Anlass, Gott für dieses "Geschenk" zu danken. Eine Priesterweihe sei "keine Selbstverständlichkeit", wie man heute bisweilen schmerzvoll erlebe. Damit würden aber alle Mitglieder der Kirche auch daran erinnert, dass sie eine "Mitverantwortung" für die Kirche haben - auch eine Mitverantwortung für den Bischof, für die Priester und die Ordensleute, so Aichern.