"Entweder alle kehren um oder alle kommen um"
Linz, 27.6.06 (KAP) Im Zeichen der gemeinsamen Verantwortung von Juden und Christen für die Bewahrung der Schöpfung stand am Montagabend eine christlich-jüdische Begegnung in der Linzer Synagoge. Das Thema der Begegnung lautete: "Und Gott sah, dass es gut war. Die Schöpfung nach Genesis 1 in Zeiten von Globalisierung und Umweltproblemen". An der Begegnung nahm auch der Linzer Altbischof Maximilian Aichern teil. Für das Judentum sprach Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg, für das Christentum der Linzer Moraltheologe und Umweltsprecher der Diözese Linz, Prof. Michael Rosenberger. Er verwies in seinem Referat auf das Ozonloch, das Artensterben und den Treibhauseffekt als einige Faktoren, die zur Zerstörung der Schöpfung führen. Die Zeichen der Zeit seien - wenn man die Gesellschaft gestalten wolle - ernst zu nehmen: "Entweder alle kehren um oder alle kommen um", so Rosenberger.
Der Moraltheologe erinnerte an die biblische Sintfluterzählung. Noah handle nachhaltig, indem er einen Bund - vor allem auch mit den Nachkommen - schließt, so Rosenberger. Nachhaltigkeit bedeute im christlichen Sinn, Verantwortung für künftige Generationen zu übernehmen. Noah sei somit der erste, der vor Gott diese Verantwortung für die Schöpfung erfüllt und verwirklicht habe.
Rosenberger verwies auch auf den Anfang des Markusevangeliums, in dem das Wort von Genesis 1 aufgegriffen wird. Zentrale Aussage der Stelle über das Fasten Jesu in der Wüste sei, dass Jesus "in Frieden und Einheit mit der Schöpfung" lebe. Den Moraltheologe verwies auch auf die Beobachtung, dass in sogenannten säkularen Umweltorganisationen eine starke Suche nach einem spirituellem Fundament vorhanden sei.
Oberrabbiner Eisenberg ging auf die einzelnen Tage der Schöpfungsgeschichte ein. Gott habe die Schöpfung zwar beendet, aber die Menschen beauftragt, in dieser Schöpfung weiter zu wirken. Dies müsse in aller Behutsamkeit geschehen. Eisenberg zitierte aus der Schöpfungsgeschichte: "Und der Ewige nahm den Menschen, setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewache". Der Auftrag zum Bebauen bedeute, dass man die Erde durchaus gestalten dürfe. Daher sei auch der Fortschritt, so Eisenberg, nichts Böses. Die Bibel sei also - so Eisenberg - nicht technik- oder fortschrittsfeindlich. "Bewachen" bedeute aber, darauf zu achten, dass man die Erde "bebaut und weiterentwickelt, ohne sie kaputt zu machen.