Bischof Krätzl gegen "Diskussionsverbote" in der Kirche
"Dies Facultatis" der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Universität Wien: Auch er, so Kardinal Schönborn, wolle dringend zu einer neuen Debatte ermutigen. Allerdings wolle er vor einer rein abwertenden Sicht der Tradition warnen
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Weihbischof Helmut Krätzl |
Wien, 16.10.2009 (KAP) Vor "Diskussionsverboten" in der Kirche, die einen Reformstau verursachen würden, hat der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl gewarnt. In seinem Festvortrag beim diesjährigen "Dies Facultatis" der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Universität Wien plädierte Krätzl vor zahlreichen Festgästen - darunter Kardinal Christoph Schönborn und die Spitzenvertreter der Ökumene in Österreich - stattdessen für eine respektvolle und durchaus auch kontroverse Debatte zwischen dem Lehramt der Kirche und der Theologie.
Lehramt und Theologie müssten viele brennende Fragen gemeinsam aufnehmen, so der Weihbischof: "Das sind wir einer glaubwürdigen Verkündigung schuldig. Die Menschen warten auf Hilfen zur Orientierung." Krätzl erinnerte an das Zweite Vatikanische Konzil als eine "Sternstunde" für die Zusammenarbeit zwischen Lehramt und Theologie. Eine "fruchtbare Spannung" zwischen beiden habe erst die Fortschritte des Konzils ermöglicht.
Allerdings seien im Anschluss an das Konzil viele noch offene Fragen theologisch nicht weiter vertieft worden - mit negativen Auswirkungen auf das kirchliche Leben, wie der Weihbischof bedauerte. Krätzl nannte in diesem Zusammenhang u.a. das Verhältnis von Welt- und Ortskirche, den Themenbereich "verantwortete Elternschaft", die Liturgiereform oder die Frage der eucharistischen Mahlgemeinschaft zwischen den christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften.
Kardinal Schönborn sprach von einer "Steilvorlage", die Weihbischof Krätzl mit seinem Vorstoß geliefert habe. Auch er, so Schönborn, wolle dringend zu einer neuen Debatte ermutigen. Allerdings wolle er vor einer rein abwertenden Sicht der Tradition warnen. Die von Bischof Krätzl positiv hervorgehobenen Konzilstheologen hätten sich nicht generell gegen die kirchliche und
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Universität Wien |
theologische Tradition der Kirche gewandt, sondern gegen eine verkürzte und viel zu eng geführte Theologie des 19. Jahrhunderts.
In der nachkonziliaren Entwicklung in der Kirche habe es auch "negative Auswüchse" gegeben, so Schönborn. Umso notwendiger sei eine fundierte und durchaus auch kontroversielle Debatte.
"Goldenes Doktordiplom"
Höhepunkt des "Dies Facultatis" war die Verleihung des "Goldenen Doktordiploms" an Weihbischof Krätzl. Dieser hatte vor genau 50 Jahren an der Universität Wien promoviert. Zu den Gratulanten am Donnerstagabend zählten neben Kardinal Schönborn u.a. der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos, der evangelische Bischof Michael Bünker, der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen, Altbischof Herwig Sturm, der altkatholische Bischof John Okoro und der koptische Bischof Mar Gabriel.
Die Moraltheologin Prof. Sigrid Müller würdigte in ihrer Laudatio das vielfältige Bemühen Krätzls um die Umsetzung der Beschlüsse des Konzils. Sie hob in diesem Zusammenhang u.a. Krätzls
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Kardinal Christoph Schönborn |
Einsatz für gut ausgebildete Laien in der Kirche, sein Engagement für die Ökumene und den Religionsunterricht hervor.
625 Jahre Theologische Fakultät
Aus Anlass des 625-jährigen Bestehens der katholisch-theologischen Fakultät präsentierte Dekan Prof. Martin Jäggle die Festschrift "Vorwärtserinnerungen", an der 39 Autoren aus 15 theologischen Fachdisziplinen mitwirkten. Es gehe in der Festschrift um die Sicherung der Vergangenheit, um daraus neue Perspektiven für die Zukunft zu gewinnen, so Jäggle.
Von Anfang an habe sich die Wiener Fakultät bei Kirchenreformen engagiert. Zugleich gebe es auch "dunkle Flecken" in der Geschichte wie die Involvierung der Fakultät in die Judenpogrome von 1421. Jäggle kündigte an, dass sich ein Forschungsprojekt an der Fakultät damit beschäftigen werde. Ein weiterer Schwerpunkt werde in den kommenden Semestern die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils sein, so Jäggle.