Militärseelsorge thematisiert Tod von Soldaten im Einsatz
Europäische Militärseelsorger aus elf Ländern waren auf Einladung des "Instituts für Religion und Frieden" in Wien
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Unter dem Titel "Nie allein gelassen. Verwundung - Trauma - Tod im Einsatz" berichteten Heeresärzte, Psychologen sowie Notfall- und Militärseelsorger auf Einladung des von Bischofsvikar Msgr. Werner Freistetter geleiteten kirchlichen "Instituts für Religion und Frieden" von ihren Erfahrungen. Aufmerksame Zuhörer waren u.a. der österreichische Militärbischof Christian Werner, der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Norbert Brunner (Sion), der französische Militärbischof Patrick Le Gal sowie zahlreiche hochrangige Armee-Offiziere, darunter auch der österreichischen Brigadier Rene Segur-Cabanac.
Der italienische Militärseelsorger Giuseppe Chizzali, der die Carabinieri in Afghanistan pastoral betreut, berichtete von den Möglichkeiten der Militärseelsorger, Soldaten auch spirituell und ethisch auf die zu erwartenden Situationen im Einsatz vorzubereiten. Während des Einsatzes selbst gehe es nicht um "große theologische Gespräche", betonte Chizzali. Wichtig sei es, für Soldaten, die ein persönliches Gespräch suchen, als Ansprechpartner verfügbar zu sein. Besonders gefordert sei der Militärseelsorger zum Beispiel dann, wenn Soldaten das Gefühl haben, dass sie einen Kameraden besser beschützen hätten können oder müssen, so Chizzali.
Militärseelsorger müssten im Einsatz soweit wie möglich das Risiko der ihnen anvertrauten Soldaten teilen, stellte Benoist Galvan fest. Gleichzeitig sollten sie als gläubige und betende Soldaten wahrnehmbar sein, sagte der französische Seelsorger, der einem Bataillon Gebirgsjäger zugeordnet ist. Er verwies auf die große Bedeutung angemessener Riten wie der Totenwache, wenn ein Soldat ums Leben komme. Nach solchen tragischen Ereignissen gelte es, die Erinnerung an den Verstorbenen zu bewahren sowie der Truppe beizustehen, sie zu begleiten und wenn nötig zu trösten.
Religion ist wertvolle Hilfe
Erich Hitz, Notfallseelsorger und Militärpfarrer an der Militärpfarre 1 beim Militärkommando Niederösterreich, sprach bei der Enquete über das Verhältnis von Glaube und Trauma. Die Bewältigung schwerer Traumatisierungen habe nicht nur körperliche und psychische, sondern auch eine geistig-spirituelle Dimension, so Hitz.
Religion könne bei der Begleitung traumatisierter Menschen eine wertvolle Hilfe sein, sagte der Militärpfarrer. Zwar bleibe die Frage nach dem Sinn des Leidens auch in christlicher Perspektive letztlich ungelöst; Seelsorger könnten Soldaten aus dem Glauben heraus aber das Gefühl menschlicher Nähe und Solidarität vermitteln. Religion helfe den Traumatisierten, wieder Vertrauen aufzubauen und es sei möglich, über das Leid hinausgehende Sinndimensionen des Lebens zu eröffnen.
Der Leiter der Psychologischen Ambulanz des Wiener Heeresspitals, Michael Mikas, sprach bei der Enquete über die psychologischen Aspekte des Überbringens von Todesnachrichten. Zentral in dieser Extremsituation sei, dass der Überbringer einer Todesnachricht im Anschluss bei den Angehörigen bleibt, so Miklas. Der Betreuer dürfe nicht bagatellisieren oder falsche Hoffnungen machen, sondern müsse diese schwierigste Phase zusammen mit den Angehörigen durchstehen und dabei auch die oft auftretenden Aggressionen und folgenden Depressionen der Angehörigen aushalten.
Auch Helfer brauchen Hilfe
Die Psychologin Elisabeth Schneider vom Psychologischen Dienst der Sicherheitsakademie des Innenministeriums erinnerte daran, dass auch Einsatzkräfte, die verletzen Soldaten zu Hilfe kommen, Unterstützung in der Bewältigung des Erlebten brauchen. Übliche Schutzmechanismen wie Rationalisierungen oder "schwarzer Humor" versagten oftmals, wenn Kinder oder Kollegen unter den Betroffenen sind, sagte Elisabeth Schneider.