Breite Diskussion um "Pille danach"
Die Lebensschutzbeauftragte der Erzdiözese Wien, Stephanie Merckens: "Wer sagt, die 'Pille danach' habe keine abtreibende Wirkung, geht davon aus, dass eine Schwangerschaft erst mit der Einnistung des Embryos beginnt. Wissenschaftlich ist aber klar, dass bereits ab Verschmelzung von Ei- und Samenzelle ein neuer Mensch entstanden ist"
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Stephanie Merckens |
Wien (KAP) Ein Ende der "Schönrednerei" über die offensichtlich geplante Rezeptfreistellung der "Pille danach" forderte die Lebensschutzbeauftragte der Erzdiözese Wien, Stephanie Merckens, am Sonntag. Wörtlich sagte die Lebensschutzbeauftragte: "Wer sagt, die 'Pille danach' habe keine abtreibende Wirkung, geht davon aus, dass eine Schwangerschaft erst mit der Einnistung des Embryos beginnt. Wissenschaftlich ist aber klar, dass bereits ab Verschmelzung von Ei- und Samenzelle ein neuer Mensch entstanden ist". Wer verhindere, dass sich dieses neue menschliche Wesen in der Gebärmutter einnisten kann, beende dessen Leben, so Stephanie Merckens. Die Kirche aber stehe konsequent "auf der Seite des Lebens".
Es sei völlig irreführend, ohne Unterschied zu behaupten, die "Pille danach" verhindere ungewollte Schwangerschaften, betonte die Lebensschutzbeauftragte der Erzdiözese Wien. Das sei eben nur dann der Fall, wenn diese Pille vor dem Eisprung eingenommen wird: "Zwischen Befruchtung und Einnistung wird nicht mehr verhindert, da wird beendet".
Gerade bei jungen Mädchen sei darüber hinaus auch die Hormondosierung dieser Pille kritisch, erinnerte Stephanie Merckens: "Mediziner warnen vor einer unkontrollierten Einnahme 'irgendwann im Zyklus'". Junge Mädchen wären davon besonders betroffen, weil sie ihren Zyklus aller Wahrscheinlichkeit nach noch am wenigsten kennen.
"Statt uns ständig zu überlegen, wie man Abtreibung noch leichter machen kann, sollten wir uns für einen menschenwürdigeren Umgang mit Sexualität stark machen. Mit Sexualität, die den Menschen achtet, Liebe schenkt und für das Leben offen ist", unterstrich Stephanie Merckens. Sie unterstütze daher die Forderung nach einem umfassenden Sexualunterricht: "Wichtig ist, dass Sexualität nicht auf mechanische Vorgänge reduziert wird. Sexualerziehung macht dann Sinn,
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wenn sie aus jungen Menschen liebende Menschen macht". Im Gegensatz zu vielen zeitgeistigen Strömungen, die Sex aus jeglichem Beziehungs- und Verantwortungsverhältnis reißen wollen, stehe die Kirche auf der Seite der Liebe und des Lebens: "Und der Mensch braucht Liebe. Eine Liebe, die wertschätzt und mit Leben erfüllt ist".
Gefahr von Nebenwirkungen
Eine Abgabe der "Pille danach" ohne ärztliche Verschreibung würde die Gefahr von schwerwiegenden Nebenwirkungen für die Frau erhöhen, heißt es in einer Stellungnahme des "Salzburger Ärzteforums für das Leben". Gerade eine wiederholte Einnahme des Präparates könne zu schweren hormonell bedingten Nebenwirkungen führen, warnt die Organisation, die nach eigenen Angaben 340 Ärztinnen und Ärzte vertritt. Außerdem verhindere das Präparat, das spätestens 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden muss, die Einnistung einer befruchteten Eizelle; das Ergebnis sei eine Frühabtreibung. Die "Pille danach" ist in Österreich seit neun Jahren zugelassen, allerdings nur auf ärztliche Verschreibung. In mehreren anderen europäischen Ländern ist das Präparat bereits rezeptfrei erhältlich.
"Aktion Leben"
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Anlässlich der Debatte um die rezeptfreie Abgabe der "Pille danach" hat die "Aktion Leben" am Freitag eine umfassende Sexualerziehung an Schulen gefordert. Die "Pille danach" sei mit gutem Grund rezeptpflichtig; wer sich dafür entscheidet, sollte genau wissen, wie sie wirkt. Die "Aktion Leben"-Generalsekretärin betonte: "Wer ungewollte Schwangerschaften vermeiden will, muss alles daransetzen, dass dies rechtzeitig geschieht". Auch Überlegungen, wie Menschen zu helfen ist, ein "ungeplantes" Kind anzunehmen, seien wichtig, sagte Martina Kronthaler: "Wir fordern daher eine umfassende wertorientierte Sexualerziehung, die den liebenden und Beziehung suchenden Menschen in den Mittelpunkt stellt und individuelle Hilfen für jene, die sich auch zu einem 'ungeplanten' Kind bekennen".
Mit der rezeptfreien Abgabe der "Pille danach" würden junge Menschen mit ihren Fragen zu Liebe und Sexualität weiter allein gelassen: "Wir betrachten den Vorstoß als billige Antwort auf die Versäumnisse der schulischen Sexualerziehung", so die "Aktion Leben"-Generalsekretärin: "Tiefer gehende Lösungen sind gefragt".
Die "Pille danach" sei keine Bagatelle, sondern ein Hormonpräparat mit erheblicher Dosierung, das unter ärztliche Aufsicht gehört, erinnerte Martina Kronthaler. Das Präparat könne den
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Martina Kronthaler |
Hormonhaushalt vor allem junger Mädchen durcheinander bringen, daher sei ärztliche Beratung unabdingbar.
Dringend nötig sei zudem eine umfassende und korrekte Information über die Wirkweise des Präparats: Kommt sie vor dem Eisprung zum Einsatz, verzögert oder unterdrückt sie die Ovulation, die Frau kann bei einem neuerlichen ungeschützten Verkehr dann wieder schwanger werden. Wenn die "Pille danach" nach dem Eisprung genommen wird, verhindere sie die Einnistung der befruchteten Eizelle. Somit verliere der Embryo die Möglichkeit zum Weiterleben.
"Die ethische Frage muss sich jede Frau, jedes Paar selbst stellen", betonte Martina Kronthaler. Der Gesundheitsminister aber müsse sich die Frage stellen lassen, ob er sich nicht aus seiner Verantwortung für die körperliche und seelische Gesundheit vor allem junger Menschen stehle. Denn durch die rezeptfreie Abgabe werde ein mechanistisches Weltbild vermittelt, das jungen Menschen nichts bietet, damit sie Sexualität in Liebe und Beziehung leben lernen. Die rezeptfreie Abgabe könne den Druck auf Mädchen erhöhen, sexuelle Wünsche umgehend zu erfüllen und untergrabe die Bemühungen um eine partnerschaftliche Gestaltung der Beziehung.
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