Kirchen gedachten der Pogrome von November 1938
Die Gefahr des Verdrängens und Vergessens sei allgegenwärtig, warnte der Wiener Bischofsvikar Rühringer bei einem ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Wiener Ruprechtskirche
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Wien, 10.11.09 (KAP) Der Wiener Bischofsvikar, Prälat Karl Rühringer, und die evangelische Oberkirchenrätin Hannelore Reiner haben davor gewarnt, die Geschehnisse der nationalsozialistischen Novemberpogrome vom November 1938 gegen die jüdische Bevölkerung zu vergessen oder zu verharmlosen. "Die Novembertage des Jahres 1938 und das, was diesen folgte, sind aus der Geschichte unseres Landes und unseres Volkes, in die wir hineingeboren wurden, nicht wegzulöschen. Sie gehören zu unserem kollektiven Gedächtnis", so Hannelore Reiner bei einem ökumenischen Gedenkgottesdienst am Montagabend in der Wiener Ruprechtskirche. Aus der Bibel lasse sich lernen, "an der Last der Geschichte nicht zu zerbrechen".
Der Zweite Weltkrieg sei vor 70 Jahren "nicht einfach ausgebrochen", sondern durch das nationalsozialistische deutsche Regime durch den Überfall auf Polen ausgelöst worden. Im Rückblick auf die Ereignisse der späten dreißiger Jahre gehe es nicht um bloßes historisches Gedenken, entscheidend sei "die Vergegenwärtigung des vergangenen Geschehens, sodass die Geschichte für unsere Gegenwart und vielleicht auch Zukunft relevant wird und in Beziehung zu uns tritt", bekräftigte die Oberkirchenrätin. "Ich zolle meinen tiefen Respekt jenen, die über diese Zeit nicht schweigen", sagte Hannelore Reiner: "Wir schulden unseren Kindern diese Kultur des Erinnerns. Das ist auch eine uralte Form des Generationenvertrags".
Die Gefahr des Verdrängens und Vergessens sei allgegenwärtig, warnte auch Bischofsvikar Rühringer. Es gehe darum, bewusst zu machen, was es heißt, "wenn mehr als 40 Synagogen zerstört und Menschen in den Tod getrieben wurden". Kirchen hätten die prophetische Aufgabe, zu mahnen und "aus der Kraft der Erinnerung zu leben", um so eine "gottgewollte, versöhnte Zukunft" zu gestalten. Dazu brauche es "Wachsamkeit gegenüber dem, was war, und gegenüber dem Jetzt", sagte Rühringer.
Nach dem Gottesdienst zogen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit brennenden Kerzen schweigend zum Judenplatz, wo die Gedenklichter beim Mahnmal für die ermordeten Juden aufgestellt wurden. Gottesdienst und Schweigemarsch fanden im Rahmen der Bedenkwoche "Mechaye Hametim - Der die Toten auferweckt" statt, die jedes Jahr von mehreren christlichen und jüdischen Organisationen veranstaltet wird.
In der Nacht vom 9. auf 10. November 1938 wurden im gesamten deutschen Machtbereich Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte zerstört und jüdische Wohnungen verwüstet. Zahlreiche jüdische Menschen wurden getötet oder verletzt. Allein in Wien wurden am 10. November 1938 insgesamt 42 Synagogen und Bethäuser zerstört.
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